Tag des Handwerks in Urbach Zeigen, wie wichtig das Handwerk ist

Die Zimmerleute beklagen sich nicht über Nachwuchs. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. Mehr als 5000 handwerkliche Betriebe gibt es zurzeit im Rems-Murr-Kreis. Am vergangenen Samstag waren Handwerker aus fast allen Bereichen bei einem Aktionstag der Kreishandwerkerschaft vertreten, um mit Menschen über ihre Berufe ins Gespräch zu kommen und junge Menschen über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Besonders für Kinder war viel geboten.

„Um die Handwerker kommt man nicht herum“, sagt Rolf Gamperling von der Innung für Sanitär, Heizung, Klima und Klempnerei. Auch wenn Eltern ihren Kindern oft nahelegten, „etwas Recht’s“ zu lernen. Er steht an diesem sonnigen Samstagnachmittag beim „Tag des Handwerks“ in Urbach am Stand für Sanitär, Heizung und Klima, wo die größte Attraktion die Murmelbahn für Kinder ist.

Den Besuchern die verschiedenen Handwerksberufe näherbringen

„Wir machen heute keine bestimmte Werbung für irgendetwas, sondern wollen den Besuchern einfach das Handwerk näherbringen“, sagt Rolf Gamperling. Etwas mehr Gäste hätten es nach seinem Geschmack bei der Veranstaltung sein können. „Man hätte noch ein paar Schulklassen einladen können“, findet er. Aber bei der Murmelbahn sind trotzdem einige Familien vorbeigekommen. „Heute ist viel für Kinder geboten“, freut sich Virgilia Portolano. Sie ist mit ihrer Familie aus Lorch angereist, weil ihr Mann bei Coca-Cola - das internationale Unternehmen hat am Samstag Gäste zum „Tag des offenen Lagers“ in Urbach eingeladen - arbeitet. „Das ist toll gemacht“, sagt Virgilia Portolano über den Handwerker-Tag. Ihre Kinder bearbeiten gerade beim Stand der Steinmetze und Steinbildhauer Rohlinge, aus denen einmal kleine Hundefiguren werden sollen.

„Man sieht, dass die Kinder Spaß haben und sich in der Aufgabe verlieren“, freut sich Martin Hertfelder, der in unweiter Entfernung des Veranstaltungsortes seine Werkstatt betreibt. Mit der Aktion will er die Kinder ans Handwerk heranführen. „Wir haben nur noch eine Berufsschule in Freiburg“, sagt der Steinmetz und Steinbildhauer. Das Interesse an seinem Beruf gehe zurück, dabei sei er eigentlich sehr vielfältig.

Bei der Ausbildung auch an die Zukunft des Handwerks denken

Ähnliches berichten die Schornsteinfeger. Sie bieten den Vorbeilaufenden an ihrem Stand an, mit einer Sofortbildkamera Selfies mit einem Zylinder zu machen, und geben ihnen eine kleine Schornsteinfeger-Glücksfigur mit auf den Weg. „Wir haben im Moment zwei oder drei Lehrlinge im Rems-Murr-Kreis“, berichtet Denis Löw. Sechs oder sieben wären besser, meint der Schornsteinfeger. Aber der Beruf sei „schon eher etwas Besonderes“, viele junge Leute dächten vielleicht gar nicht daran, dass sie ihn erlernen könnten. „Momentan haben wir noch genug Gesellen“, sagt sein Kollege Timo Munz. „Aber wir müssen auch an die Zukunft denken.“

Alexander Kurz beobachtet die Roten Würste, die auf seinem Grill langsam Farbe annehmen. „Wir suchen stark nach Nachwuchs“, sagt auch er. Das Fleischerhandwerk sei eine „sensible Branche“. An seinen Stand kommen die Besucher eher zum Essen, als um sich über Ausbildung zu informieren.

Anders geht es den Zimmerleuten, bei denen die Gäste Vogelhäuser bauen können. „Es waren einige da, die sich für eine Ausbildung interessiert haben“, erzählt Johannes Ricker. Für dieses Jahr habe sein Betrieb einen Azubi, für das nächste Jahr haben sich auch schon zwei gefunden. „Wir können uns nicht beklagen“, findet er.

Mangelnder Nachwuchs

„Wir müssen Eltern zeigen, wie wichtig das Handwerk ist“, sagt die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr, Petra Ehm. „Auch dafür präsentieren wir uns hier.“ Trotz mangelndem Nachwuchs in vereinzelten Berufen geht es den Handwerkern insgesamt aber nicht schlecht: „Von der Auftragslage her bräuchten wir so einen Tag nicht“, sagt Kreishandwerksmeister Thomas Schiek. „Aber wir wollen uns trotzdem zeigen. Das Handwerk lehnt sich auch nicht zurück, wenn es ihm gutgeht.“

Die Idee hinter dem Aktionstag war es nicht nur, den Gästen die ganze Breite des Handwerks im Kreis zu präsentieren, sondern auch den Handwerkern untereinander eine Plattform zu bieten. Thomas Schiek betont, dass die Wahl der Gemeinde Urbach als Veranstaltungsort kein Zufall ist. „Wir wollen den gesamten Kreis abbilden“, sagt er. „Dafür müssen wir auch aufs Land gehen und nicht nur in die Kreisstädte.“ In Urbach hat das auch deshalb funktioniert, weil die Veranstaltung den Rahmen der Remstal-Gartenschau nutzen konnte.

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