Tag gegen den Lärm Wann Lärm krank macht

Lärm zeigt sich in vielen Variationen... Foto: Pixabay

Waiblingen. 80 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Lärm, welcher Art auch immer, gestört. Wie schädlich ist Lärm für die Gesundheit, ab wann spricht man eigentlich von Lärm und was kann man dagegen tun? Am "Tag gegen Lärm" gibt es Antworten.

Aus der Wohnung nebenan schallt die Musik, dass die Wände im Basstakt wackeln. Draußen dröhnt die Straßenbahn vorbei. Und wer versucht, während des Feierabendverkehrs am Straßenrand ein Gespräch zu führen, muss schreien. 

Lärm. Er ist allgegenwärtig und vielseitig. Jedes Geräusch, das zu Störungen, Belästigungen, Beeinträchtigungen oder Schäden führen kann, wird als Lärm bezeichnet. Wissenschafter sprechen bei Schalldruckpegeln von 80 Dezibel von Lärm. Aber bereits Geräusche ab 65 Dezibel machen sich körperlich bemerkbar, weil sich der Puls erhöht oder die Konzentrationsfähigkeit nachlässt. Das ist bereits bei einem Fernseher in Zimmerlautstärke der Fall oder bei einer schleudernden Waschmaschine. 

Welcher Lärm die Deutschen besonders stört

Das Umweltbundesamt führt regelmäßig Umfragen durch, welcher Lärm besonders nervend ist. Spitzenreiter ist der Verkehr - rund 76 Prozent der Befragten der Umweltbewusstseinsstudie aus dem Jahr 2016 fühlen sich durch Straßenverkehr gestört oder belästigt. Fluglärm stört 44 Prozent der Bevölkerung und 38 Prozent fühlen sich durch den Lärm des Schienenverkehrs beeinträchtigt. Der Lärm aus der Nachbarwohnung ist für rund 60 Prozent der Befragten störend. 

Dass Straßenverkehr zu den Lärmspitzenreitern zählt, ist kaum verwunderlich. Wie laut er sein kann, lässt sich auf der Webseite der Fachgruppe der Deutschen Gesellschaft für Akustik bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Abständen plastisch und akustisch nachempfinden.

In Baden-Württemberg werden seit 2002 Lärmkarten erstellt, die Lärmbelastung von Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen sowie in Ballungsräumen auch die sonstigen relevanten Lärmquellen zeigen. Die Datenblätter der kartierten Gemeinden und Städte lassen sich auf der Internetseite des Landesumweltamtes abrufen. In Waiblingen leiden laut aktuellster Lärmkarte von 2017 immerhin 1532 Bewohner unter Straßenlärm, der die empfohlenen Grenzwerte überschreitet.

Schöner Lärm?

Doch Lärm ist auch dann schädigend, wenn er eigentlich schön ist und gar nicht als störend empfunden wird. Schalldruckpegel über 85 Dezibel über längere Zeit können das Gehör nachhaltig schädigen. Ein Discobesuch oder Rockkonzert kann mit fast 110 Dezibel auf das Gehör drücken - ähnlich laut wie eine Motorsäge. Diese würde man über längere Zeit auch nicht ohne Gehörschutz bedienen, bei einem zweistündigen Konzert sieht man aber in den seltesten Fällen die Fans mit Micky-Maus-Ohrschutz. Dabei gibt es gerade für Konzertgänger sehr effektive und auch unauffällige In-Ear-Hörer, die es mit spezieller Technik schaffen, nur bestimmte, besonders penetrante Frequenzen zu dämmen, ohne die Wirkung der Musik zu beeinträchtigen.

A propos In-Ear: Wer regelmäßig Musik über Kopfhörer hört, bringt sein Gehör auch in Gefahr. Weil man tendenziell eher zu laut als zu leise hört. Musik direkt über Kopfhörer gehört drückt die Schallwellen mit bis zu 95 Dezibel auf das Trommelfell. Deswegen lieber immer etwas leiser hören, das Gehör justiert sich sehr schnell und dann sind auch leisere Töne gut hörbar. Besonders bei Kindern und Jugendlichen sollten die Pegel nicht zu laut werden. 

Lärm macht auf Dauer krank

Lärm stört nicht nur, Lärm kann auch krank machen. Bei Lärmbelastung wird der Körper in einen Alarmzustand versetzt und schüttet Stresshormone aus. Wenn der Körper nicht mehr zur Ruhe kommt, kann der Stress chronisch werden – und ständige Stressbelastung wiederum kann das Immunsystem schwächen, den Blutdruck erhöhen und das Risiko für Herzerkrankungen ansteigen lassen. Auch Schlafstörungen und Depressionen werden beispielsweise mit dauerhafter Lärmbelastung in Verbindung gebracht.

Was tun gegen Lärm?

Bei Straßen-oder Schienenverkehrslärm müssen Städte und Gemeinden aktiv werden. Aufsetzend auf den Lärmkarten werden Lärmaktionsplanungen erstellt, die die Lärmbelastung auf Grenzwerte minimieren sollen. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg definiert momentan Richtwerte, die beispielsweise Straßenlärm für reine Wohngebiete tagsüber auf 67 Dezibel als oberste Grenze festlegen, nachts sind es 57 Dezibel. In Industriegebieten darf es etwas lauter zugehen: Dort sind 72 beziehungsweise 62 Dezibel nachts erträglich.

Den Lärm auf der Schiene müssen die Bahn und das Eisenbahnbundesamt in den Griff bekommen. Ganz modern wird hier stellenweise mit einer Computersimulation gearbeitet, die realitätsgetreu aufzeigt, wie Bahnlärm entsteht und welche technischen Massnahmen ihn verhindern könnten.

Daneben kann aber jeder Einzelne auch seinen Beitrag zu ein bisschen weniger Lärm leisten. Langsamer fahren, Musik nicht zu laut über Kopfhörer hören (und vor allem nicht Mitreisende in Bus und Bahn damit beschallen), nicht hupen. Schon ist die Welt ein kleines bisschen stiller geworden.

Das eigene Gehör lässt sich zudem recht simpel schützen: Bei lauten Konzerten Gehörschutz tragen, Hintergrundgeräusche minimieren (den Fernseher nicht laufen lassen, wenn man nicht im Zimmer ist) und tatsächlich bei kurzzeitigen Lärmquellen wie Baumaschinen oder einem vorbeirauschenden Krankenwagen mit lauthals tönenden Martinshorn einfach mal die Ohren zuhalten.

Und wenn, wie gerade in der Redaktion, der Drucker nebenan seit Wochen unerträglich quietscht: Endlich mal den Servicetechniker informieren.

Tag gegen Lärm

Der Tag gegen Lärm ist in Deutschland eine Aktion der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA e.V.) und wird vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gefördert. Wie sich Schulen, Verbände oder andere öffentliche Einrichtungen beteiligen können, erfahren Sie auf der Website der DEGA e.V.

Dezibel

Gemessen wird der Schalldruck in Dezibel, eine logarithmische Maßeinheit, die auf der Wahrnehmung des Ohres basiert.Das Ohr nimmt Schallintensitäten wahr, die sich um zwölf Zehnerpotenzen unterscheiden. Das heißt, eine Pegeländerung um 10 dB entspricht etwa einer Verdopplung bzw. Halbierung der subjektiv empfundenen Lautstärke.

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