Tagesmütter in Welzheim Ein lebendiger Beruf mit Zukunft

Tagesmutter, zunächst aus Zufall, dann aus Überzeugung: Uta Müller (rechts), hier auf dem Foto zu sehen mit Ingrid Gulden, Geschäftsführerin des Tagesmuttervereins Welzheimer Wald. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Welzheim. Eigentlich ist Uta Müller gelernte Bankkauffrau. Doch nachdem sie Mutter wurde, orientierte sie sich neu. Seit mehr als zehn Jahren ist die Welzheimerin Tagesmutter. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Dass ihre Tätigkeit jetzt besser entlohnt wird, freut sie. Doch Geld spielte bei ihrer Berufsentscheidung ohnehin keine Rolle.

Der Zufall wollte es, dass Uta Müller heute hauptberuflich Kinder betreut. Ihr Sohn brachte eines Tages einen Zettel aus dem Supermarkt mit: „Tagsmütter gesucht“. Und meinte zu ihr, sie solle das doch mal ausprobieren. Die zweifache Mutter hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Beruf als Bankkauffrau schon viele Jahre nicht mehr ausgeübt.

Ihre Tochter war ein Extrem-Frühchen, das in den ersten Jahren viel Pflege benötigte. Doch das Kind entwickelte sich gut – und Müller hatte wieder Zeit, um zu arbeiten. Die Tätigkeit als Tagesmutter ließ sich, anders als ihre bisherige Arbeit, gut in ihren Alltag integrieren. Es klappte dann auch auf Anhieb – und so blieb sie dabei.

Zuverlässigkeit, Flexibilität und vor allem Herz braucht eine Tagesmutter

22 Kinder hat Müller mittlerweile mit großgezogen und aufwachsen sehen. Die jüngsten, die sie als Tagesmutter betreut hat, waren gerade mal ein Jahr alt. Ein Kind war acht Jahre am Stück bei ihr, zu vielen besteht heute noch ein Kontakt.

Zuverlässigkeit und Flexibilität – das ist es, was der Beruf von ihr verlangt. „Das Gleiche gilt aber auch für die Eltern, mit denen ich arbeite“, sagt Müller. Manche Eltern gingen schichten, der Wecker klingle bei ihr bisweilen schon recht früh. Denn anders als ein Kindergarten kann sie auch Randzeiten abdecken – und damit für die Eltern wichtige Lücken füllen.

Bis zu fünf Kinder betreut sie gleichzeitig. Und seit 2012 hat sie auch noch ein Pflegekind bei sich im Haus.

Tagesmutterverein Welzheimer Wald

„Wenn Herz, dann ganz“, sagt daher Ingrid Gulden, Geschäftsführerin des Tagesmuttervereins Welzheimer Wald, über den Tagesmütter und -väter in Welzheim, Alfdorf, Kaisersbach und Rudersberg organisiert sind. Dies sei schon ein spezieller Beruf mit hohem Anspruch. Schließlich lasse man ja beide, Eltern wie Kinder, zu sich ins Haus. Vertrauen und eine gute persönliche Beziehung seien da unabdingbar. Eine Art „Anwalt der Kinder“ seien die Tagesmütter darum auch. Eine enge Bindung spiele dabei die größte Rolle.

„Wie geht es dem Kind in dem System?“ Diese Frage dürfe nicht aus dem Fokus geraten – zumal die Einjährigen sich noch nicht äußern können, was sie stört. Der Verein unterstütze dabei von Anfang an.

Tagesmutter, das ist aber auch und vor allem „ein lebendiger Beruf“, sagt Müller. „Es wird viel gelacht und gesungen.“ Mit der Zeit wachsen die Beziehungen, dabei bekomme man auch ganz viel zurück.

Dennoch ist es für den Verein nicht leicht, geeignete Tagesmütter zu finden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Wer sich für den Beruf entscheidet, muss sich dafür in einem 160-Stunden-Kurs qualifizieren. Krankenversicherung, Finanzamt – auch all das muss selbst organisiert werden. Müller findet: „Man muss sich einmal vernünftig aufstellen mit der Organisation, dann hat man diese Sorgen nicht mehr.“

Seit Juni gibt es einen Euro mehr pro Kind und betreute Stunde

Ein Knackpunkt ist auch die Bezahlung. Anders als Erzieherinnen im Kindergarten bekommen Tagesmütter ja kein Festgehalt, sondern einen Stundenlohn. Und der wurde seit 2012 nicht mehr erhöht. Zum 1. Juni haben die Tagesmütter nun eine deutliche Verbesserung erreicht. Die Betreuungsstunde wird jetzt nicht mehr mit 5,50 Euro, sondern mit 6,50 Euro pro Kind pro Stunde vergütet. So hat es der Kreistag beschlossen. In anderen Landkreisen wurde diese Erhöhung nur für die unteren Altersstufen beschlossen, im Rems-Murr-Kreis gilt sie für alle.

Manch einer mag jetzt denken: 6,50 Euro – das ist ja immer noch weit unter dem Mindestlohn! Doch der Betrag gilt pro Stunde und pro Kind. Und insgesamt bis zu acht und bis zu fünf Kinder gleichzeitig können von einer Tagesmutter betreut werden.

"Als Tagesmutter braucht man vor allem Herz - und keine Euros"

Uta Müller hält dieses Bezahlmodell für eine „gute und faire Lösung“. Und Gulden findet: „Als Tagesmutter braucht man vor allem Herz – und keine Euros.“ Soll heißen: Reich wird man mit diesem Beruf vielleicht nicht gerade. Darben muss aber auch niemand, der sich dafür entscheidet, hauptberuflich Kinder bei sich zu Hause zu betreuen. „Das ist finanziell nicht riskant, wenn man sich gut aufstellt – und die Kinder gut zusammenpassen“, sagt Müller.

Wenn es einem dann außerdem so ergehe wie ihr vor einiger Zeit, und sich die Familie eines ihrer Tageskinder mit einem Vier-Gänge-Menü bedankt – dann sei das ohnehin unbezahlbar.


Tagesmütter, Tagesväter oder Tageseltern?

Der Verein hat sich bewusst für den Begriff Tagesmütter entschieden. Weil die Mehrheit aus Frauen besteht – und der Begriff Tageseltern irreführend sei, so Ingrid Gulden. Er suggeriere, dass die Kinder von zwei Bezugspersonen betreut werden. Was vorkomme, aber bei dem Verein nicht die Regel sei.

Wer sich für den Beruf interessiert: Der nächste Einsteigerkurs beginnt am Montag, 4. November. Bewerbungen werden bereits jetzt entgegengenommen.

Weitere Informationen online unter: www.tamue.de, per E-Mail an info@tamue.de oder telefonisch unter der 0 71 82/80 58 87-0.

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