Tagesmutter aus Rudersberg Viel Papierkram, aber auch viele Freiheiten

Gut aufgehoben: Die fünfjährige Emely bei ihrer Tagesmutter Sabine Miltner. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Rudersberg/Welzheim. Wer Tagesmutter werden will, sollte sich nicht nur auf Kinder, sondern auch auf die Dokumentationspflichten einlassen können. Denn als Quasi-Selbstständige haben sie es mit vielen Anträgen, Abrechnungen und Erklärungen zu tun. Sabine Miltner, die seit 18 Jahren Kinder betreut, findet dennoch: „Ich kann mir keinen schöneren Job vorstellen.“


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Wie viele Tagesmütter, hat die Rudersbergerin ursprünglich einen anderen Beruf erlernt. Sabine Miltner ist eigentlich Einzelhandels- und Industriekauffrau, hat dann lange Zeit bei der Post gearbeitet. Doch Familie und Beruf ließen sich nicht so gut miteinander vereinbaren. Im Kindergarten las sie dann, dass Tagesmütter gesucht werden. Weil sie schon immer gut mit Kindern konnte, wagte sie den Neuanfang.

Und der gelang: Ihr erstes Tageskind ist mittlerweile 21 Jahre alt. Zu vielen ihrer einst betreuten Kinder hat sie heute noch Kontakt. Die Rudersbergerin kann sich heute beim besten Willen keine andere Arbeit mehr vorstellen. Denn „ich bin daheim, kann selbst bestimmen, was ich mache“. Und gerade als ihre Kinder noch jünger waren, konnte sie Beruf und Familie gut unter einen Hut bringen.

In ihrem Arbeitsalltag kann sie sehr viel selbst entscheiden

Miltner zählt noch weitere Vorteile auf: Sie könne sich selbst aussuchen, welche Kinder sie betreuen möchte – einer Erzieherin sei das nicht möglich. Auch die Zusammensetzung der Gruppe liege in ihrer Hand. Sie könne entscheiden, wer mit wem gut harmoniert und ob es von den Stunden passt. Außerdem habe sie keinen Chef im Nacken, keine gehässigen Kollegen, müsse nicht morgens im Auto zur Arbeit pendeln und könne gemeinsam mit den Kindern entscheiden, wie der Tag verlaufe, ob man also bastle, ins Freibad gehe oder etwas zusammen backe oder koche. Auch das sei im Kindergarten häufig so nicht möglich, weil das Essen in der Regel geliefert werde.

Bislang habe sie auch keine schlechten Erfahrungen mit den Müttern und Vätern gemacht. „Ich habe ganz tolle Eltern“, sagt sie, „und wenn es mal knirscht, dann reden wir miteinander.“ Das meiste werde aber ohnehin gleich zu Beginn geklärt. Mit allen Eltern setzt die Tagesmutter einen Vertrag aus, der unter anderem festlegt, was die Kinder zu essen bekommen oder welchen Umgang sie mit Medien pflegen. „Es gibt da sehr wenige Konflikte.“

Aktuell betreut sie in ihrem Haus in Rudersberg-Oberndorf sieben Kinder, acht sind maximal erlaubt. Das Einkommen, sagt sie, reiche damit „auf jeden Fall“ aus.

Nachteile gibt es auch

Ein paar Nachteile gebe es aber durchaus. Tagesmütter können nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, haben deshalb auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Und wenn eine Tagesmutter oder ein Kind mehr als zwölf Wochen pro Jahr die Betreuung nicht in Anspruch nimmt, zahlt das Jugendamt nicht mehr. Diese Regelung gilt seit dem 1. Juni, zuvor gab es in dem Bereich keine Einschränkungen.

Auch sonst muss Miltner gut kalkulieren. Denn Steuern zahlt sie, wie alle Selbstständigen, einmal im Jahr. Wobei Tagsmütter nur bedingt als wirklich selbstständig bezeichnet werden können. Schließlich können sie über ihren Lohn, der vom Jugendamt gezahlt wird, kaum selbst bestimmen.

Über das Jahr häuft sich deshalb auf dem Schreibtisch der Rudersbergerin jede Menge Papierkram an: Sie behält jeden Kassenzettel und jeden Beleg für die Steuererklärung, dokumentiert jedes Elterngespräch, genauso wie die Eingewöhnung und das Ausschleichen (wenn also ein Kind die Tagesmutter verlässt). Immerhin übernimmt das Jugendamt die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge, auch in die Rentenversicherung zahlt Miltner ganz normal ein und bekommt die Hälfte der Beiträge zurückerstattet. Die Haftpflichtversicherung wird vom Tagesmutter-Verein Welzheimer Wald übernommen. Und der Landkreis zahlt die Kosten für die Unfallversicherung.

Alle fünf Jahre kommt die Pflegeerlaubnis auf den Prüfstand

Ganz einfach ist es aus guten Gründen aber nicht, eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt zu bekommen. Davor gibt es intensive Gespräche, Sprachkenntnisse werden überprüft, nachgeschaut, ob auch genug Platz im Haus vorhanden ist – und natürlich ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Alle fünf Jahre steht diese Pflegeerlaubnis dann auf dem Prüfstand.

Unterm Strich bietet der Beruf für Miltner trotzdem weit mehr Vorteile als Nachteile. „Es macht mir Spaß, ich bin zufrieden und möchte nichts anderes mehr machen.“

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