Tanz des Kampfes SC Korb bietet Capoeira-Kurs an

Benjamin Henle und Allison Silva werden im Spiel von Capoeira-Musikern auf unterschiedlichen Instrumenten musikalisch begleitet. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Korb. Durch das Fenster schauen Passanten neugierig in den Gymnastiksaal der Remstalhalle – denn dort trainiert die neue Capoeira-Gruppe des SC Korb. Capoeira, das ist ein tänzerischer Schaukampf mit Wurzeln in Brasilien. Die rund 20 „Capoeiristas“ klatschen euphorisch im Takt in die Hände, singen ein brasilianisches Lied und feuern die beiden Männer in ihrer Mitte an, die sich akrobatisch duellieren.

Den Grundstein von Capoeira legten Sklaven, die in der Kolonialzeit aus Afrika nach Brasilien verschleppt wurden. Sie tanzten den afrikanischen Zebratanz und sangen Lieder, um ihre Sehnsucht nach ihrer Heimat zu vertreiben und an ihrer Kultur festzuhalten. So entwickelte sich im Laufe der Jahre die Kampfsportart Capoeira.

In einer sogenannten „Roda“, einem Kreis, stehen die Teilnehmer, klatschen und bewegen sich im vorgegebenen Rhythmus zum Spiel. Die Capoeira-Musiker begleiten den Kampf – oder besser gesagt: das Spiel. Denn bei der Capoeira wird der Begriff „Kampf“ nicht verwendet.

In der Mitte des Kreises in der Remstalhalle bewegen sich zwei Männer zum Rhythmus der Musik: Der gebürtige Brasilianer Allison Silva (31) hat eine blaue Kordel in die Gürtelschlaufe seiner weißen Trainingshose eingefädelt. Das zeichnet ihn als „Instructor“, als Lehrer in der ersten Stufe, aus. Die Farbe der Kordel repräsentiert den Grad der Erfahrung und ist in jeder Sportschule anders. In seiner Heimatstadt Sao Paulo fing der 31-Jährige bereits in der Schule mit dem Kampfsport an. Seit 14 Jahren macht er Capoeira. Sein Gegenüber heißt Benjamin Henle. Der 34-Jährige leitet einen eigenen Capoeira-Kurs in Rommelshausen.

Wichtig: Den Gegner nicht berühren

Die beiden Männer gehen zunächst in die Hocke, geben sich zur Begrüßung die Hand und beginnen das Spiel. In schaukelnden Bewegungen versuchen sie, den Tritten des Gegners auszuweichen. Wichtig ist es, den Gegner nicht zu berühren. Nach und nach kommen die Elemente Tanz und Akrobatik ins Spiel. Die beiden gehen in den Handstand, schlagen Räder und Flickflacks.

Dabei bewegen sich Silva und Henle stets zum Takt des „Berimbau“. Das ist ein Musikbogen mit einer gespannten Drahtsaite, die von Spielleiterin Sarah Kempf mit einem längeren Holzstäbchen angeschlagen wird. Ein ausgehöhlter Kürbis, der über dem Bogen und der Saite mit einer Schnur befestigt ist, dient als Resonanzkörper. Begleitet wird Kempf von Juliana Fischer und Lisa Hutzenlaub auf zwei „Pandeiros“, tamburinähnlichen Rahmentrommeln mit Schellen. Weil Silva gerade im Kreis zugange ist, bleibt die große Holztrommel „Atabaque“ unbesetzt.

Dank Capoeira viele Kulturen und Menschen kennengelernt

Die üblichen Capoeira-Tanzschritte heißen „Ginga“, „Role“ und „Meia Lua“. Beim Grundschritt „Ginga“ werden die Knie angewinkelt, ein Fuß hinten abgestellt und die Beine im Wechsel bewegt. „Ginga ist die schaukelnde Bewegung“, sagt Lisa Hutzenlaub. Die 27-Jährige unterstützt Allison Silva beim Training. Seit zwei Jahren sind die beiden verheiratet – kennengelernt haben sie sich beim Capoeira-Training.

Allison Silva erklärt den Ausweichschritt „Role“: „Damit kann man dem Kick ausweichen und sich verteidigen.“ Apropos Kick – dafür steht „Meia Lua“, was übersetzt Halbmond bedeutet.

Das Spiel beenden die Capoeiristas nach einigen Minuten eigenständig und bedanken sich mit einem Handschlag bei ihrem Gegner. „Das Ganze lebt von viel Energie“, sagt Hutzenlaub, „man kommt hier immer mit einer guten Energie raus.“ Allison Silva sieht in Capoeira mehr als nur eine Sportart: „Durch die Capoeira-Workshops bin ich viel gereist und habe viele unterschiedliche Kulturen und Menschen kennengelernt.“

Seine Begeisterung für Capoeira möchte der Brasilianer an möglichst viele Menschen weitergeben – auch in Korb, wo er seit drei Jahren wohnt.


Termine

Der neue Kurs des SC Korb wird freitags von 18 bis 19.30 Uhr im Gymnastiksaal der Remstalhalle angeboten. Um am Kurs teilzunehmen, ist keine Vereinsmitgliedschaft notwendig.

Weitere Infos gibt es auf der Website des Vereins.

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