Trotz Beschwerden Plüderhäuser Schwan Sieglinde bekommt neuen Partner

Sieglinde und ihr neuer Lebensgefährte Gustav verstehen sich prächtig. Foto: ZVW/Caroline Berger
Plüderhausen.

Einträchtig gleiten Sieglinde und ihr neuer Lebensgefährte nebeneinander übers Wasser. Sie umrunden den kleinen Koi-Teich, dann wieder einander, tauchen mehrmals unter und ordnen dann sorgfältig ihr Gefieder. Thomas Hurlebaus steht in seinem Garten und beobachtet das Treiben der vermeintlich frisch Verliebten. „Dass sie sich so die Federn am Flügel richtet, hab’ ich, bevor er kam, noch nie gesehen“, freut er sich. Ein Jahr habe Sieglinde getrauert, vermutet er, jetzt sei sie wieder glücklich.

Im Herbst vergangenen Jahres waren Sieglinde und ihr erster Partner Gustav von Schwäbisch Gmünd, wo sie 2014 anlässlich der Landesgartenschau ausgewildert worden waren, zum wiederholten Mal nach Plüderhausen ausgebüxt. Am Badesee wurde Gustav kurz darauf, vermutlich von einem Tier gerissen, tot aufgefunden. Seitdem wohnt Sieglinde bei Thomas Hurlebaus im Garten. „Alleine am See hätte sie keine Überlebenschance gehabt“, ist er sich sicher. Bei ihm habe sie ein gutes und sicheres Zuhause gefunden. Diese Meinung teilen nicht alle Plüderhäuser Bürger. Immer wieder gibt es im Ort Stimmen, die Sieglindes Haltung im Hühnerstall des Marktstandbetreibers kritisieren. Zuletzt, noch bevor der zweite Schwan eingezogen war, hat ein anonymer Kläger das Veterinäramt Backnang alarmiert. Dieses versucht nun zu klären, ob die mittlerweile zwei Schwäne artgerecht gehalten werden. „Das Veterinäramt ist noch an dem Thema dran“, heißt es von Seiten des Landratsamtes Rems-Murr. Eine klare Einschätzung könne dementsprechend noch nicht gegeben werden.

Schwanengehege soll noch größer werden

Bei ihrem ersten Besuch hätten die Veterinäramtsmitarbeiter nicht viel zu bemängeln gehabt, berichtet Hurlebaus. Sie hätten ihm einzig empfohlen, im Hühnergehege, wo Sieglinde als Single noch wohnte, eine Badegelegenheit einzurichten. Daraufhin hat der Plüderhäuser eine Sandkastenmuschel für Kinder in ein Planschbecken umfunktioniert.

Zugang zum Koi-Teich hat Sieglinde erst, seitdem der wiederum Gustav getaufte männliche Schwan im Oktober eingetroffen ist. Jetzt sei sie nicht mehr auf die Gesellschaft der Hühner angewiesen, mit denen sie sich laut Hurlebaus allerdings auch gut verstanden habe. Das Paar bewohnt jetzt einen etwa 1 mal 1,5 Meter großen mit Streu ausgelegten Holzkasten auf der Wiese neben dem Teich. Begrenzt wird ihr Zuhause auf einer Seite von einem großmaschigen, provisorischen Zaun. In diesem verfangen sich die Schwäne bei ihren Versuchen, in Richtung Hühnergehege zu gelangen, regelmäßig und können sich nur schwerlich wieder befreien. „Einen neuen Zaun mit Metallgittern, 1,50 Meter hoch, habe ich schon bestellt“, erklärt Hurlebaus, „damit das nicht mehr passiert.“ Geliefert werde der Zaun aber erst nach Weihnachten. Denn den Bereich zwischen Hühner- und Schwanengehege, der dann auch den Tieren zur Verfügung stehen soll, brauche er im Dezember während des Christbaumverkaufs noch als Lieferanten-Zufahrt.

Halter hofft auf Nachwuchs

Spätestens zur Paarungszeit im Februar, März soll aber alles fertig sein. Denn der Schwanenhalter hofft auf Nachwuchs. „Einfach so züchten möchte ich nicht“, beteuert er. Er sei sehr froh, dass es jetzt mit dem männlichen Schwan geklappt habe, so dass sich das Paar bis zum Frühjahr noch eine Weile aneinander gewöhnen kann.

Seit Januar, als er infolge einer Federanalyse erfahren hat, dass er eine Schwanendame beherbergt, habe er sich schon um einen männlichen Gefährten für Sieglinde bemüht. Im Spätsommer kam dann endlich von einem Ziervogel-Züchter das passende Angebot: ein männlicher Höckerschwan für 180 Euro. Per Geflügeltransport kam Gustav dann nach Plüderhausen. „Sie haben sich sofort gut verstanden“, berichtet Hurlebaus zufrieden. Die Schwäne wieder hergeben wolle er jetzt nicht mehr. Anfangs habe er noch versucht, eine andere Bleibe für Sieglinde zu finden. „Ich habe sogar in der Wilhelma angerufen“, erinnert er sich. „Aber die wollten sie nicht nehmen, weil deren Schwäne alle fliegen können.“ Sieglinde hat gestutzte Flügel und kann es daher nicht. Sie wieder zurück in ihre Heimat Schwäbisch Gmünd „zwangsumzusiedeln“, habe auch niemand gewollt.

Hurlebaus selbst kann die Vorwürfe, die Schwäne nicht artgerecht zu halten, nicht nachvollziehen. Seit Gustav da ist, erst recht nicht. „Man sieht Sieglinde an, dass sie glücklich ist!“

Zu welchem Schluss die Experten vom Veterinäramt in dieser Angelegenheit kommen, bleibt abzuwarten.

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