Trotz Kritik an Grundlage Schorndorfer Hallenmanager hält an Garderobenpflicht fest

Mittlerweile ist auch das Hinweisschild geändert – in der Künkelinhalle heißt es jetzt: „Aus Gründen der Sicherheit und der Ordnung besteht bei uns Garderobenpflicht!“ Foto: Habermann/ZVW

Schorndorf. Garderobenpflicht in der Künkelinhalle – mit der Umsetzung hat Hallenmanager Sven Pflug sich mächtig Ärger eingehandelt. Nachdem er sich auf den Gesetzgeber und verschärfte Brandschutzrichtlinien berufen hatte (hier geht es zum Artikel), widersprach ihm nicht nur CDU-Landtagsabgeordneter Claus Paal, sondern auch die Feuerwehr. An der Garderobenpflicht will Pflug dennoch festhalten – aus Gründen der Sicherheit und Ordnung. Jetzt hofft er auf die Einsicht der Hallen-Besucher.

Ärgern will Sven Pflug die Besucher der Barbara-Künkelin-Halle nicht. Im Gegenteil: „Mir geht es um die Sicherheit.“ Und die sieht er in Gefahr, wenn die Gäste ihre Mäntel, Jacken und Rucksäcke nicht für einen Euro an der Garderobe abgeben, sondern mit nach oben in den Saal nehmen. Hatte er anfangs auch mit dem Brandschutz argumentiert, beruft sich der Hallenmanager mittlerweile nur noch auf Sicherheit und Ordnung.

Der Grund: Die Schorndorfer Feuerwehr hat ihm nach Erscheinen des Artikels „Nicht Abzocke, sondern Vorschrift“ signalisiert, dass sie gar keine Brandschutzbedenken hat. Geändert hat sich für Pflug am Problem dennoch nichts: Versperren mitgebrachte Jacken, Mäntel und Rucksäcke im Saal die Fluchtwege, haben Hallenbesucher – auch im Brandfall – ein Problem.

Dass Pflug sich in seiner Argumentation zunächst auf die Versammlungsstättenverordnung, die allgemeine Verkehrssicherungspflicht sowie andere Vorschriften und somit auf den Gesetzgeber berufen hatte, will aber auch Landtagsabgeordneter Claus Paal nicht stehenlassen. Immerhin habe er dafür gesorgt, „dass der Bürokratieabbau im grün-schwarzen Koalitionsvertrag verankert wird“. Nachdem Bürger ihm und damit der Politik wegen der Garderobenpflicht in der Künkelinhalle „überbordende Bürokratie“, „übersteigertes Sicherheitsdenken“, „unsinnige Gesetze“ und Realitätsferne vorgeworfen hatten, stellt Paal klar: In den von Pflug zitierten Vorschriften findet sich an keiner Stelle eine explizite Erwähnung, dass Kleidungsstücke nicht mit in den Veranstaltungsraum genommen werden dürfen. Das Gleiche gilt für die Garderobenpflicht.

Brandschutzvorgaben wurden also keineswegs, wie von Pflug behauptet, verschärft: „Die Landesbauordnung ist in dieser Hinsicht seit Jahrzehnten unverändert, ebenso die Versammlungsstättenverordnung.“ Die Garderobenpflicht ist also keine Muss-Vorschrift, sondern nach Paals Interpretation „eine (übertrieben?) vorsorgliche Maßnahme der Hallenbetreiber, um eventuellen Rechtsstreitigkeiten im Ernstfall vorzubeugen“.

Hallenmanager beruft sich auf Empfehlung der Verbandsjuristen

Dem widerspricht Sven Pflug auch gar nicht unbedingt – auch wenn er die Garderobenpflicht für keine übertriebene Maßnahme hält: Tatsächlich hat er sich von Anfang an auf die Empfehlungen der Deutschen Event-Akademie (DEA) und der Verbandsjuristen berufen. Und von dieser Seite ist er auch entsprechend sensibilisiert: „Wenn jemand über ein nicht gesichertes Kabel stolpert, kann er mich verklagen.“ Könnte ihm ein Richter Fahrlässigkeit nachweisen, müsste er im Schadensfall sogar mit seinem Privatvermögen haften.

Und in anderen Hallen im Land, weiß Pflug nach Gesprächen mit Kollegen, wird die Garderobenpflicht ebenfalls umgesetzt. Stellenweise im Verborgenen: Gibt es die Möglichkeit, die Jacken und Mäntel kostenlos abzugeben, werden die Kosten fürs Garderoben-Personal eben auf die Ticketpreise umgelegt. Das verursacht weniger Ärger, ist nach Pflugs Dafürhalten aber „ungerecht“. Für die Veranstaltungsbesucher – wie etwa in Darmstadt – kostenlos Spinde mit Pfandmarken anzubieten, hält Pflug ebenfalls für keinen gangbaren Weg: „Das ist eine Megaanschaffung. Und wo soll ich denn 1000 Spinde hinstellen?“

Letztendlich hofft er auf die Einsicht der Hallen-Besucher, die er mit „langem Atem, vielen Diskussionen und freundlichen Hinweisen“ überzeugen will. Doch mit Gewalt will er die Garderobenpflicht in der Künkelinhalle keinesfalls durchsetzen: „Ich reiß’ den Leuten die Jacken nicht aus der Hand.“ Und auch nicht übers Hausrecht: „Das ist nicht die elegante Art.“ Sven Pflug ist wichtig, dass diese Botschaft ankommt: „Uns liegt die Sicherheit der Menschen am Herzen, es geht nicht um den Euro.“


... und im Kino?

Für Sicherheit und Ordnung müsste es eigentlich ja auch eine Garderobenpflicht in Kinos geben. Die gibt es aber nicht – und wird nach Auskunft von Traumpalast-Betreiber Heinz Lochmann vom Verband auch gar nicht empfohlen. Folglich gibt es in Lochmanns Kinos keine Garderoben. Stattdessen ist es üblich, dass die Kinobesucher ihre Jacken, Mäntel und Rucksäcke mit in den Saal nehmen, sie auf freie Stühle legen oder über die Rückenlehne des Vordersitzes. Ein drängenderes Problem ist für Lochmann derzeit eher das: Welche plastikfreien Alternativen gibt es im Kino für Pappbecher und Nacho-Schalen?

  • Bewertung
    11

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!