TV Bittenfeld Ade, Adi: Abschied vom sympathischen Schweiger

Adrian Wehner ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Bei der Verabschiedung in der Scharrena indes blieb ihm nichts anderes übrig, als ihn sein Bittenfelder Mitspieler Dennis Szczesny schulterte und durch die Halle trug. Foto: Steinemann / ZVW

Selten ist ein Spieler des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld so ausgiebig gefeiert worden wie Adrian Wehner im letzten Saisonheimspiel gegen den HC Erlangen, dabei hält sich der 30-Jährige eigentlich lieber im Hintergrund. „Ich war froh, dass ich nichts schwätzen musste“, sagt er. Nach zwölf Jahren hat der Publikumsliebling das Bittenfelder Trikot ausgezogen.

Es ist immer dasselbe Szenario: Nach dem Schlusspfiff bedanken sich die Spieler des TV Bittenfeld bei den Zuschauern für deren Unterstützung, klatschen höflich Beifall. Nach dem letzten Saisonheimspiel gegen den HC Erlangen hat sich die Zeremonie etwas in die Länge gezogen. Schuld daran war Dennis Szczesny: Der Youngster schulterte Adrian Wehner und schritt mit ihm quasi jeden Quadratzentimeter der Halle ab – unter dem Jubel von über 1000 Fans. „Das hat eine ganze Weile gedauert“, sagt Wehner. „So schnell konnte Dennis mit mir auf dem Buckel ja nicht laufen.“

Ein derartiges Brimborium ist normalerweise überhaupt nicht die Sache von Adrian Wehner, der sich schon immer dezent in der zweiten Reihe gehalten hat. Der 30-Jährige gilt nicht gerade als Quasselstrippe, ausschweifende Interviews sind jedenfalls nicht überliefert. Der Bittenfelder Pressesprecher Lennert Brinkhoff beispielsweise wollte zur Saisoneröffnungsfeier vom Rückraumspieler wissen, worin er den größten Unterschied sehe zwischen der zweigleisigen und eingleisigen 2. Liga. „Die Auswärtsfahrten sind länger“, sagte er und grinste diebisch. Typisch Wehner.

Bei der Abschiedsfeier jedoch hatte er keine Chance, und ein bisschen hat er die Feierlichkeiten dann doch genossen: hier ein Autogramm, dort ein gemeinsames Foto. „Ich bin gar nicht zum Duschen gekommen.“ Die halbe Halle war voll mit Plakaten, Wehners Onkel hat extra ein Banner anfertigen lassen: „Adrian Wehner – vielen Dank für die schöne Zeit.“

Begonnen hat Wehners Karriere beim VfL Winterbach. Als Siebenjähriger versuchte er sich zunächst beim Fußball, damit indes war schnell Schluss. „Das hat mir keinen Spaß gemacht.“ Warum? „Ich konnte es nicht richtig.“ Daran habe sich bis heute nichts geändert, sagt Wehner. Wenn beim Zweitligisten zum Aufwärmen gekickt wird, tritt Wehner nicht gerade als Ersatz-Messi in Erscheinung.

Wehners handballerischen Qualitäten traten rasch zutage. Auf seiner Homepage hat der 30-Jährige ein paar Spielberichte aus seiner D-Jugend-Zeit gesammelt. Das liest sich – verkürzt – in etwa so: VfL Winterbach – SV Remshalden 1:13: . . . das Tor erzielte Adrian Wehner. VfL Winterbach – EK Winnenden 9:9: . . .  alle neun Tore erzielte Adrian Wehner. VfL Winterbach – SV Remshalden 11:20: . . .  alle elf Tore warf Adrian Wehner.

Die Karriere beginnt auf Linksaußen

Dabei war Klein-Adi in der Jugend zunächst alles andere als ein wurfgewaltiger Rückraum-Shooter. Weil er nicht der Größte war, spielte er auf Linksaußen. „Erst in der B-Jugend habe ich einen Wachstumsschub gemacht.“ Immerhin schaffte er es in die Bezirksauswahl, und als A-Jugendlicher half Wehner in der ersten Mannschaft der HSG Winterbach/Weiler aus. Den Abstieg von der Bezirksliga in die Bezirksklasse verhinderte aber auch er nicht.

Wehners damaliger Trainer Andreas Tempes erkannte dessen Talent, brachte ihn zum TV Bittenfeld. Beim TVB schaffte er unter dem Trainer Jürgen Krause sofort den Sprung ins Oberligateam, was nicht unbedingt zu erwarten war. „Ich habe mir aber keine großen Gedanken darüber gemacht, ob ich das packen kann“, sagt Wehner. Daran habe sich bis heute nichts geändert.

Im zweiten Jahr schmückte er die Titelseite des Vorschauheftes und stieg mit dem TVB in die Baden-Württemberg-Oberliga auf, inzwischen hatte Günter Schweikardt den Trainerposten übernommen. Weiter ging’s über die Regionalliga bis in die 2. Liga. Für Wehner zweifellos „das schönste Erlebnis“ in zwölf Jahren Bittenfeld.

In über 230 Zweitligaspielen erzielte er über 660 Tore. In besonderer Erinnerung bleibt ihm und den Fans dabei der 2. November 2007: Beim überraschenden 32:30-Sieg gegen den TV Hüttenberg gelangen Wehner vor 5700 Fans in der Porsche-Arena 15 Treffer. Gerade in dieser Spielstätte lief Wehner oft zu besonderer Form auf, die Arena galt als Wehners „Wohnzimmer“. Er glaubt aber nicht, dass ihn die Kulisse besonders beflügelt hat. „Es war wohl eher Zufall, wenn ich dort gut gespielt habe.“

In den vergangenen beiden Jahren war Wehner nicht immer die Nummer eins im linken Rückraum, Abwanderungsgedanken habe er aber keine gehabt. Auch wenn ihm der eine oder andere im Umfeld immer wieder zu einem Wechsel geraten habe. „Ich habe gewusst, es kommen wieder Phasen, in denen ich mehr spielen werde.“ Außerdem habe er sich immer wohlgefühlt im Team. „Wir hatten nie Spieler, die Stress gemacht haben, und haben viel Quatsch miteinander gemacht.“

Trotzdem wird er sich nun einer neuen Herausforderung stellen und handballerisch etwas kürzertreten: Seine Frau Sarah erwartet im Oktober ein Kind, „und irgendwann möchte ich mehr Zeit für die Familie haben“. Beim Württembergligisten SV Remshalden trifft er mit dem Trainer Henning Fröschle sowie Jens Todt, Steffen Lehle und Olli Ruge auf ehemalige Bittenfelder.

Als ehemaliger Zweitligaspieler wird er bei der SVR notgedrungen eine Führungsrolle einnehmen müssen. Die indes belastet Wehner nicht. „Ich lass’ das auf mich zukommen.“ Körperlich zumindest hat der 30-Jährige, der quasi verletzungsfrei durch die Karriere gekommen ist, keine Probleme. „Es zwickt nichts“, sagt Wehner und grinst. „Ich bin in der Blüte meines Lebens.“

Die Remshaldener dürfen sich also freuen auf einen tollen Handballer und Sympathieträger. Bei den Bittenfeldern will er sich freilich weiterhin sehen lassen. „Sie haben mir schon angeboten, ich könnte mittrainieren, falls mir die drei Einheiten in Remshalden zu wenig wären“, sagt Wehner. „Ich werde die Spiele verfolgen und gegebenenfalls den Rauch reinlassen.“

Zur Person

Adrian Wehner wurde am 24. Juli 1982 geboren. Er ist 1,89 Meter groß und wiegt 90 Kilogramm. Verheiratet ist er mit Sarah.

Mit sieben Jahren begann Wehner beim VfL Winterbach mit dem Handballspielen.

Nach dem zweiten A-Jugend-Jahr bei der HSG Winterbach/Weiler wechselte er im Jahr 2001 direkt zum TV Bittenfeld in die Oberliga, mit dem er im zweiten Jahr in die Baden-Württemberg-Oberliga aufstieg. Beim TVB machte Wehner sämtliche Aufstiege bis in die 2. Bundesliga mit. In über 230 Zweitligaspielen erzielte er über 660 Tore.

In der nächsten Saison spielt er beim Württembergligisten SV Remshalden, wo er seinen ehemaligen Mitspieler und Trainer Henning Fröschle trifft.

Homepage von Adrian Wehner: www.adrian-wehner.de

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