TV Bittenfeld TV Bittenfeld: Soforthilfe aus Gummersbach

„Ich hatte noch nie die Chance, mit einem Verein aufzusteigen.“ Diesen Wunsch möchte sich Jörg Lützelberger mit dem TV Bittenfeld erfüllen. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler trug bis zur vergangenen Saison das Trikot des Erstligisten VfL Gummersbach und hat seine Karriere beendet – eigentlich: Am Samstag feiert der 29-jährige Kreisläufer in Hamm sein Comeback. Foto: Buettner / ZVW

Der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat auf seine Verletzungsmisere reagiert und für die letzten vier Pflichtspiele einen Kreisläufer verpflichtet: Jörg Lützelberger beendete nach der vergangenen Saison seine Karriere beim VfL Gummersbach und fungiert aktuell beim Erstligisten als Co-Trainer und Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Ohne Verletzungen kommt kein Team durch die Saison. Die einen trifft’s weniger schlimm, die anderen heftiger und zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. So geriet das Gebilde beim TV Bittenfeld ziemlich ins Wanken, nachdem sich mit Florian Schöbinger und Simon Baumgarten gleich beide etatmäßige Kreisläufer verletzten. Und dies ausgerechnet in der heißen Phase der Saison, in der die Bittenfelder mitten im Aufstiegskampf stecken.

Einer hätte dem TVB möglicherweise weiterhelfen können. Doch der Vertrag mit dem Kreisläufer und Abwehrspezialisten Patrik Kvalvik, vor der Saison aus Emsdetten verpflichtet, wurde bereits Ende Oktober wieder aufgelöst. Der Schwede kam nach einer hartnäckigen Knieverletzung nicht auf die Beine.

Vor allem bei der 23:29-Niederlage gegen den offensiv ausgerichteten TV Neuhausen/Erms wurde ersichtlich, wie sehr dem TV Bittenfeld derzeit ein gelernter Kreisläufer fehlt. Alexander Bischoff aus dem Perspektivteam erledigte seine Aufgabe ordentlich, die Qualität von Baumgarten oder Schöbinger hat der junge Spieler allerdings logischerweise nicht – also entschieden sich die Bittenfelder nun, personell nachzulegen und damit ihre Aufstiegschance aufrechtzuerhalten.

„Wir sind immer noch in der besten Ausgangssituation, die der TV Bittenfeld je hatte“, sagte der Bittenfelder Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt am Montag bei der Pressekonferenz. „Und wir möchten nichts unversucht lassen, dass dies so bleibt.“ Weil unklar sei, wann in dieser Saison und ob überhaupt Schöbinger und Baumgarten wieder auf dem Feld stehen werden, hätten die Verantwortlichen ihre Fühler nach allen Richtungen ausgestreckt, so Schweikardt.

Lang mussten diese Fühler sein, schließlich gibt’s in dieser späten Phase der Saison ein großes Problem: Am 15. Februar ist die Wechselfrist abgelaufen. Das bedeutet, es kann nur ein Spieler verpflichtet werden, der in dieser Runde noch kein Spiel absolviert hat. Ganz gleich, in welcher Liga.

Schweikardt grübelte – und dabei fiel ihm Jörg Lützelberger ein. Der 29-Jährige beendete nach der vergangenen Saison seine Karriere und rückte in den Trainerstab des VfL Gummersbach, ist Co-Trainer des Bundesligateams und überdies Sportlicher Leiter der Gummersbacher Handball-Akademie. Er habe vorsichtig beim Gummersbacher Manager Frank Flatten angefragt, sagt Schweikardt – und den Kandidaten dann „ganz neumodisch“ über Facebook kontaktiert. „Es hat einen dreiviertel Tag gedauert, bis sich Jörg gemeldet hat.“ Möglicherweise, weil sich Lützelberger erst informieren musste. „Ich war schon sehr überrascht, dass eine Anfrage kam. Ich habe die App gewechselt und geschaut, wo Bittenfeld in der Tabelle steht“, sagte Lützelberger bei der Pressekonferenz. Die Tabellenkonstellation habe maßgeblichen Anteil gehabt an seiner Entscheidung. „In den zwölf Jahren meiner Karriere hatte ich nie die Chance aufzusteigen. Das ist eine sportlich ungemein reizvolle Aufgabe.“

Lützelberger startete seine Handball-Karriere in der Jugend beim HSV Suhl, wechselte mit 18 Jahren für drei Jahre zum TV Großwallstadt und von dort zum VfL Gummersbach (2006 bis 2007). Weitere Stationen waren der TBV Lemgo (2007 bis 2008) und TUSEM Essen (2008). Nach dessen Insolvenz kehrte der Kreisläufer zum VfL Gummersbach zurück, dem er bis heute treu geblieben ist. Mit dem VfL holte der ehemalige Junioren-Nationalspieler 2009 den EHF-Cup und 2010 den Europapokal der Pokalsieger.

Er habe die Lage mit seiner Frau – die übrigens aus Ulm stammt –, dem Chef-Trainer Emir Kurtagic und Manager Frank Flatten besprochen und von allen Seiten grünes Licht bekommen. Zupassgekommen sei freilich die sportliche Situation beim VfL Gummersbach: Der Ligaverbleib ist gesichert, die Spielbetrieb in der Jugend zu Ende.

Nach einem Telefonat mit Jürgen Schweikardt sei alles recht schnell gegangen. Am Freitag absolvierte Lützelberger die erste Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft und hat einen guten Eindruck bekommen. Wichtig sei, die Auslösehandlungen so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. „Und ich muss die Namen der Spieler noch kennen, wenn der Sauerstoff ein bisschen knapper wird, damit ich am richtigen Fleck stehe“, sagt Lützelberger und grinst.

Jürgen Schweikardt ist zuversichtlich, dass Lützelberger den TVB kurzfristig „alleine mit seiner Präsenz“ weiterhelfen wird. „Aber natürlich dürfen wir keine Wunderdinge erwarten, schließlich ist Jörg seit einem Jahr aus dem Spielbetrieb.“ Deshalb würde der Neue, dem Schweikardt ein ähnliches Allrounder-Profil wie Florian Schöbinger zuschreibt, in Abwehr wie Angriff behutsam eingesetzt. Der Neue scheint jedenfalls motiviert. „Es wäre schön, wenn sich der TVB dafür belohnen würde, was er sich die Saison über zurechtgelegt hat.“ Am 30. Juni feiert Lützelberger übrigens seinen 30. Geburtstag. „Am liebsten würde ich das als Aufsteiger in die 1. Liga tun.“

Karten gibt es hier

Karten im Vorverkauf gibt es wie immer bei Easy-Ticket, ) 0711/2555555/www.easyticket.de und auf der TVB-Geschäftsstelle, Schillerstraße 64, ) 07146/2818750, Fax: 07146/2818755, Mail: moh@tvb1898.de.

Anmeldungen für die Fan-Busse nach Hamm, Hüttenberg und Essen sind möglich bei Patrick Rommel: pr@tvb1898.de

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