TVB 1898 Stuttgart „Die anderen spielen auch nur Handball“

Hiergeblieben: Teo Coric (links) und Ludek Drobek nehmen beim Esslinger Marktplatzturnier Tim-Oliver Brauer vom HSV Hamburg in Obhut. Foto: Schrade

Handball. Trotz seiner erst 23 Jahre bringt Teo Coric eine ordentliche Portion internationale Erfahrung mit, die dem TVB 1898 Stuttgart im Kampf um den Verbleib in der 1. Handball-Bundesliga helfen soll. In der Vorbereitung indes wurde der neue Kreisläufer des Aufsteigers etwas aus der Bahn geworfen – durch eine ziemlich unangenehme Operation.

Die rund 115 Kilogramm, die Teo Coric auf die Waage bringt, verteilen sich auf 197 Zentimeter Körpergröße. Für die Gegenspieler dürfte es nicht einfach werden, den jungen Kroaten aus dem Gleichgewicht zu bringen. Geschafft indes hat dies eine Operation, deren Auswirkungen der kräftige Kreisläufer offensichtlich ein wenig unterschätzt hat.

Die Hämorrhoiden machten ihm zu schaffen, deshalb begab sich Coric ein paar Wochen vor dem ersten Punktspiel des TVB unters Messer. Aus der einwöchigen Pause wurde jedoch nichts: Die Chirurgen mussten kurzfristig doch mehr schnippeln als geplant, der Patient musste anschließend zwei Wochen mehr oder weniger untätig das Bett hüten. „Dabei habe ich sehr viel Kraft verloren“, sagt Coric in sehr gutem Englisch – und ärgert sich, dass das Auftaktspiel gegen die HSG Wetzlar angesichts des Trainingsrückstandes für ihn etwas zu früh gekommen ist.

Vom Wasserball zum Handball

40 Minuten musste sich Coric gedulden, ehe ihn der Trainer Thomas König aufs Spielfeld schickte. Zunächst für Dominik Weiß im Mittelblock, acht Minuten vor dem Ende ersetzte der Neue Simon Baumgarten am Kreis. Von dort traf Coric mit seinem ersten Bundesligator zum zwischenzeitlichen 24:24-Ausgleich. Unterm Strich war’s ein ordentliches Debüt. Mehr war angesichts der Umstände auch nicht zu erwarten. „Ich hoffe, dass ich bis zum HSV-Spiel endgültig zurück sein werde“, sagt der selbstbewusste Kroate. Er hat keine Zweifel, dass er den TVB voranbringen und mit seinem neuen Verein das große Ziel erreichen wird. „Wir können in der Scharrena jeden Gegner schlagen. Ich sage immer, die anderen spielen auch nur Handball.“

Erst mit 15 Jahren zog es Teo Coric zu dieser Sportart. Davor ist er zehn Jahre geschwommen und hat Wasserball gespielt. Irgendwann war Schluss, weil die Trainingsmöglichkeiten fehlten. „In Porec gab’s kaum geeignete Schwimmbäder“, sagt Coric. Er wechselte an Land, die Trainer stellten ihn an den Kreis. „Mit der Begründung, ich sei groß und kräftig und könne den Ball gut fangen“, sagt er und lächelt.

Das hat Coric offensichtlich ganz gut gemacht, mit 17 Jahren bereits spielte er bei RK Porec in der ersten Mannschaft, wurde in die Jugend- und Junioren-Nationalmannschaft berufen. Bei den Europameisterschaften 2010 und 2012 wurde er jeweils zum besten Kreisläufer gekürt, 2013 belegte Coric mit Kroatien bei der Junioren-Weltmeisterschaft den vierten Platz und wechselte anschließend zum RK Zagreb.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt stand für ihn fest, dass er Profi werden wollte – nicht jedoch, ohne dabei den Blick in die Zukunft zu richten: Teo Coric schloss sein Informatik-Studium ab und möchte sich auch jetzt noch weiterbilden. Den Bachelor machen, irgendetwas in Richtung Marketing und Betriebswirtschaft studieren. „Für mich war schon immer klar, dass ich etwas nebenher machen werde, um bereit zu sein für die Zeit nach dem Handball“, sagt Coric. „Außerdem hat meine ganze Familie studiert.“

Mit RK Zagreb spielte der Kreisläufer in der Champions-League, trug zweimal gegen Korea das Trikot der A-Nationalmannschaft. Zur neuen Saison geht Coric den Weg, den viele seiner Mannschaftskollegen einschlagen: Er wechselt ins Ausland. „In Kroatien ist die wirtschaftliche Situation nicht immer ganz einfach“, sagt er. „Außerdem träumt jeder davon, in Deutschland vor vollen Hallen zu spielen.“

Drei Angebote aus der Bundesliga lagen ihm vor, die Entscheidung fiel auf Bittenfeld. Auch auf Empfehlung des TVB-Torhüters Dragan Jerkovic. „Alle in Kroatien kennen und schätzen Dragan“, sagt Coric. „Dragan rief mich an und sagte, die Leute seien nett hier und der Club gesund.“

Also folgte der Kreisläufer dem Rat seines Landsmannes – und war überrascht, als er nach Bittenfeld kam. Der Umgangston sei ein ganz anderer. In Zagreb werde viel Druck ausgeübt, es gehe sehr streng zu. „Hier in Bittenfeld schreit dich keiner an, wenn mal etwas nicht so klappt. Das ist sehr angenehm.“

Die Atmosphäre rund um den TVB gefällt Teo Coric also. Er weiß aber natürlich auch, dass die Stimmung nicht zuletzt vom Erfolg abhängen wird. „Wir müssen einfach in der 1. Liga bleiben“, sagt er. „Und mit der Erfahrung aus der ersten Saison werden wir in der zweiten noch besser sein.“

Spätestens dann dürfte es auch mit der Verständigung besser klappen. Noch kommuniziert Coric auf Englisch mit seinen Kollegen. „Das ist kein Problem“, sagt er und grinst. „Nur wenn sie ihre Witze auf Deutsch machen, ist es ein bisschen blöd.

Wir verlosen Frei-Tickets für unsere Abonnenten

Nach dem spielfreien Wochenende geht es für die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart in den nächsten fünf Wochen rund: Binnen viereinhalb Wochen stehen gleich neun Punktspiele auf dem Programm.

Wie gewohnt verlost die Sportredaktion zu den Heimspielen des TVB Frei-Tickets. Nach dem Auswärtsspiel in Melsungen am Mittwoch, 9. September, gastiert der Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig in der Scharrena. Wer Karten gewinnen möchte für dieses Spiel am Samstag, 12. September (20.15 Uhr), muss Abonnent sein und folgende Frage richtig beantworten:

Welcher ehemalige Nationalspieler ist Aufsichtsratsmitglied beim SC DHfK Leipzig: a). Andreas Thiel oder b.) Stefan Kretzschmar?

Wenn Sie die Lösung wissen und eine der vier Tageszeitungen des ZVW abonniert haben, schicken Sie die Lösung unter Angabe Ihres Namens, Ihrer Adresse und Telefonnummer bis spätestens Sonntag, 6. September, an uns: per E-Mail (thomas.wagner@zvw.de), Fax (0 71 51/566-402) oder per Post (Zeitungsverlag Waiblingen, Sportredaktion, Albrecht-Villinger-Straße 10, 71332 Waiblingen).

Info

Karten im Vorverkauf gibt es bei Easy-Ticket,  07 11/2 55 55 55 / www.easyticket.de und auf der TVB-Geschäftsstelle, Schillerstraße 64,  0 71 46/2 81 87 50, Fax: 0 71 46/2 81 87 55, Mail: moh@tvb1898.de.

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