TVB 1898 Stuttgart Klare Ansage: Vier Punkte aus acht Spielen

Martin Kienzle (beim Wurf, hier gegen den Großwallstädter Alfredo Sorrentino Sala und den heutigen Wetzlarer Jannik Kohlbacher) läuft in der nächsten Saison für den Drittligisten TGS Pforzheim auf. Foto: Archivbild / Steinemann

Acht Spiele vor Saisonende in der Handball-Bundesliga stellt sich die Lage für den TVB 1898 wieder ein bisschen prekärer dar: Nur noch drei Punkte trennen den Aufsteiger vom ersten Abstiegsplatz. In zweieinhalb Wochen startet der TVB mit dem Heimspiel gegen Hannover in die entscheidende Phase. Da ist, frei nach Jogi Löw, „höchschde Konzentration“ angesagt.

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob dem TVB in Bestbesetzung eine Überraschung gelungen wäre. Ohne die grippekranken Michael Schweikardt und Viorel Fotache sowie Djibril M’Bengue (Patellasehnenprobleme) fehlten dem Aufsteiger in Wetzlar jedenfalls die Alternativen, den neuen Tabellensechsten ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Zumal der Kreisläufer Simon Baumgarten wegen einer Daumenverletzung nur zu einem Kurzeinsatz kam.

Am Ende stand die, auf dem Papier standesgemäße, 20:24-Niederlage. Der TVB-Trainer Thomas König lobte die Kampfkraft seines Teams, monierte jedoch zum wiederholten Mal eine schwächere Phase im Spiel, in der sich der TVB womöglich um eine bessere Ausgangsposition für die Schlussphase brachte.

Zufrieden sein durfte der Coach vor allem mit der Defensivleistung seiner Mannschaft, die auch beim Gegner Eindruck hinterließ. „Mir hat die Stuttgarter Deckung imponiert“, sagte der Wetzlarer Trainer Kai Wandschneider auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Während der TVB den Rückraum der HSG um den Europameister Steffen Fäth ganz gut im Griff hatte, fand der Kreisläufer Jannik Kohlbacher immer wieder die Lücken aus der Nahdistanz. Hier war auch der ansonsten gute TVB-Torhüter Jogi Bitter meist machtlos.

Hannover auch ohne Häfner und Schmidt in Glanzform

Eine ähnliche „Kante“ am Kreis wartet auf die Bittenfelder im nächsten Heimspiel: Joakim Hykkerud war einer der Helden beim überraschenden 30:30 des TSV Hannover-Burgdorf gegen den THW Kiel am Ostersonntag. Das Team des ehemaligen Bittenfelders Jens Bürkle zeigte eine bärenstarke Leistung und hatte den Deutschen Meister am Rande einer Niederlage.

Ohne die länger verletzten Europameister Kai Häfner und Erik Schmidt war den Hannoveranern eher wenig zugetraut worden. Weshalb sich der TVB 1898 Stuttgart eigentlich zum Auftakt des möglicherweise entscheidenden, auf alle Fälle jedoch wegweisenden Dreierpacks mit den Partien eben gegen Hannover, in Lübbecke und gegen Balingen-Weilstetten etwas ausgerechnet hatte. Sollte sich Hannover jedoch am Freitag, 15. April (19.45 Uhr), in der Scharrena in ähnlicher Verfassung präsentieren wie gegen Kiel, wird’s schwer für den TVB. Bei einer weiteren Niederlage käme er unter Zugzwang angesichts des Restprogramms (siehe rechts). Siege beim Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke und gegen Balingen wären mehr oder weniger Pflicht.

Dass Eisenach am Samstag in Lübbecke punktete und den Abstand zum TVB dadurch auf drei Zähler verringerte, schmeckt dem TVB-Geschäftsführer nicht so recht. „Wir können es uns nicht raussuchen“, sagt Jürgen Schweikardt. Andererseits habe sich an der Ausgangsposition nicht viel verändert. „Wir müssen noch vier Punkte holen – wo auch immer. Es wird ein zähes Ringen bis zum Ende.“

Entschieden ist mittlerweile die Personalie Martin Kienzle. Der 24-Jährige, der in dieser Saison kaum zum Einsatz kam, schließt sich in der neuen Spielzeit dem Drittligisten TGS Pforzheim an und wird dort mit den ehemaligen Bittenfeldern Evgeni Prasolov und Daniel Sdunek zusammenspielen. „Man muss sehen, was für Martin in der aktuellen Situation das Beste ist“, sagt Jürgen Schweikardt. Kienzle brauche Spielanteile, und die bekomme er in Pforzheim. Auf den ersten Blick sei’s für ihn zwar ein Schritt zurück, aber vielleicht mache er anschließend zwei Schritte nach vorne. „Wir werden Martin auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren und seine Entwicklung beobachten.“

Sondieren müssen die TVB-Verantwortlichen auch den Spielermarkt. Nachdem FA Göppingen den Vertrag mit Michael „Mimi“ Kraus immer noch nicht verlängert hat, wird der Weltmeister von 2007 unter anderem mit dem HBW Balingen-Weilstetten und dem TVB in Verbindung gebracht. „Es ist richtig, dass wir uns auf der Rückraum-Mitte-Position verstärken wollen“, sagt Schweikardt. „Aber Mimi ist kein Kandidat.“ Bevor der Ligaverbleib nicht gesichert sei, könne der TVB keine Verträge abschließen mit Spielern dieser Kategorie, die „bestimmte finanzielle Vorstellungen“ hätten. „Die aktuellen Verträge für die nächste Saison gelten ausnahmslos für die erste und zweite Liga.“ Andere Vorgehensweisen seien nicht seriös, so Schweikardt.

So wird die Verlängerung von Jogi Bitters Vertrag nur ein Thema, wenn der TVB drin bleibt. „Deshalb wird sich in dieser Hinsicht in nächster Zeit nichts tun. Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen.“

Das Restprogramm der abstiegsgefährdeten Teams im Überblick:

  • TBV Lemgo (12. Platz, 14:36 Punkte): Rhein-Neckar Löwen (Auswärts = A), SC DHfK Leipzig (Heimspiel = H), HSG Wetzlar (A), TuS Nettelstedt-Lübbecke (H), TSV Hannover-Burgdorf (A), SC Magdeburg (H), FA Göppingen (A)
  • TVB 1898 Stuttgart (13./ 13:35 Punkte): TSV Hannover-Burgdorf (H), Tus Nettelstedt-Lübbecke (A), HBW Balingen-Weilstetten (H), FA Göppingen (A), MT Melsungen(H), SC Magdeburg (A), SG Flensburg-Handewitt (H), THW Kiel (A)
  • HBW Balingen-Weilstetten (14.; 11:37 Punkte): MT Melsungen (A), THW Kiel (H), ThSV Eisenach (H), TVB 1898 Stuttgart (A), VfL Gummersbach (A), Bergischer HC (H), SC DHfK Leipzig (A), Füchse Berlin (H)
  • Bergischer HC (15./11:39 Punkte): SC DHfK Leipzig (H), SC Magdeburg (H), TuS Nettelstedt-Lübbecke (A), HSG Wetzlar (H), HBW Balingen-Weilstetten (A), MT Melsungen (H), SG Flensburg-Handewitt (A)
  • ThSV Eisenach (16./10:38 Punkte): SC Magdeburg (H), TSV Hannover-Burgdorf (A), HBW Balingen-Weilstetten (A), Rhein-Neckar Löwen (H), FA Göppingen (H), Flensburg-Handewitt (A), THW Kiel (H), MT Melsungen (A)
  • TuS Nettelstedt-Lübbecke (17./ 6:40 Punkte): SG Flensburg-Handewitt (A), TVB 1898 Stuttgart (H), THW Kiel (A), MT Melsungen (A), Bergischer HC (H), TBV Lemgo (A), Füchse Berlin (H), VfL Gummersbach (A), Rhein-Neckar Löwen (H)
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