TVB 1898 Stuttgart TVB will sich mittelfristig in der 1. Liga etablieren

Jetzt ist es offiziell: Die Mannschaft des TV Bittenfeld wird als Aufsteiger in der Ersten Handball-Bundesliga unter dem Namen TVB 1898 Stuttgart antreten. Das ist am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben worden. Mit der Namenserweiterung will der Club weitere Sponsoren und Fans aus der Region an sich binden sowie die Presse-Berichterstattung ausdehnen.

Dass man bei wichtigen Ereignissen als Erstligist klotzen statt kleckern muss, wissen auch die Bittenfelder. Folglich fand die Pressekonferenz diesmal nicht in Waiblingen oder der Scharrena statt, sondern im mondänen Restaurant Cube über dem Stuttgarter Kunstmuseum. Der tolle Blick von dort aus über die Landeshauptstadt ist aber auch ein Symbol. Es soll zeigen, dass sich die Handballer künftig noch mehr zu Stuttgart bekennen wollen. Um es mit den Worten von Geschäftsführer Jürgen Schweikardt zu sagen: Die Identität des TVB soll weiterentwickelt werden. Ohne die Bittenfelder Wurzeln zu vernachlässigen, versteht sich. Ein kniffliger Spagat.

Der TVB ist gekommen, um in der Ersten Bundesliga zu bleiben. Oder, falls er absteigen sollte, rasch wieder aufzusteigen. Daran lässt Aufstiegstrainer Schweikardt, der künftig nur noch als Geschäftsführer arbeiten und die Bank dem neuen Coach Thomas König überlassen wird, keinen Zweifel. „Unser mittelfristiges Ziel ist es, uns in der ersten Liga zu etablieren.“ Auf rund zwei Millionen Euro wird der Etat für die kommende Saison aufgestockt. Das werde aber nicht ausreichen, um der Konkurrenz in der stärksten Liga der Welt dauerhaft Paroli bieten zu können. „Von den letzten 15 Aufsteigern sind 13 gleich wieder abgestiegen.“ Vier Millionen Euro Etat sollten es in absehbarer Zeit deshalb schon sein für das Team des TVB.

Es gilt also, größere finanzielle Möglichkeiten zu schaffen. Der neue Name TVB 1898 Stuttgart spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Das größere Einzugsgebiet für Zuschauer, Sponsoren und Presse bietet viele Chancen. Der Schritt ist nur konsequent. Seit Jahren spielen wir nur in Stuttgart“, erläutert Schweikardt. Den neuen Namen wird aber nur die erste Handball-Mannschaft der Bittenfelder tragen. „Es ist keine Vereinsumbenennung.“ Die hätte beim TV Bittenfeld wohl auch niemand mitgetragen.

Emotionen

Heiße Diskussionen im Verein

Die Bittenfelder sind stolz auf ihren Ort und ihren TVB. Der soll jetzt künftig „Stuttgart“ heißen? Und womöglich ein Stuttgarter Verein werden? Niemals!

Um die Befürchtungen und Vorbehalte auszuräumen, mussten Schweikardt und Co kräftig Überzeugungsarbeit leisten: „Es gab sehr intensive und emotionale Diskussionen im letzten halben Jahr im Verein. Ich bin dankbar, dass es am Ende eine breite Unterstützung gab.“ Auch die Sponsoren hätten den strategischen Schritt des neuen Namens mitgetragen.

Der Vereinsvorsitzende Achim Kraisel sagt, dass er anfangs strikt gegen eine Namensänderung gewesen sei. „Ich habe mich dann aber von Jürgen Schweikardt nicht überreden, sondern überzeugen lassen.“ Kraisel ist es besonders wichtig, die vielen ehrenamtlichen Helfer des TVB mit ins Boot zu nehmen. „Ohne die geht es auch in der ersten Liga nicht.“ Heißt: Ohne engagierte Bittenfelder gibt es keinen Verein und somit auch keine Erstliga-Handballer. So seien viele weitere Skeptiker überzeugt worden.

Kraisel sieht die Namensänderung des künftigen Erstligisten auch als Chance für den Gesamtverein. Denn der habe nicht nur eine Handball-Abteilung. Die Hoffnung sei, dass der Amateur- und Breitensportbereich des TV Bittenfeld besser wahrgenommen wird, wenn das Aushängeschild einen anderen Namen trägt. All diese Überlegungen hätten den Vorstand des Hauptvereins dazu bewogen, die Namensänderung schließlich einstimmig abzusegnen.

Ein Schritt zur weiteren Professionalisierung ist auch, dass der bereits im Jahr 2009 als GmbH, also als Firma, ausgegliederte Handball-Bundesligabereich jetzt zur Co. KG ausgebaut worden ist. Damit können neue Gesellschafter aufgenommen werden, die mitbestimmen können. In der Gesellschafterversammlung sitzen die Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Christian May, der TV Bittenfeld (Rainer Heib), die Waiblinger Andrä Consulting Group (Wolfgang Andrä) sowie der ehemalige Bittenfelder Handballer und Unternehmer Klaus Mitterlindner und der Sportliche Leiter der TVB-Handballer, Günter Schweikardt.

Emotionen II

OB erst erzürnt, dann Unterstützer

Als Jürgen Schweikardt ihn angerufen habe, um ihm die Namensänderung mitzuteilen, sei das Gespräch schnell beendet gewesen, sagt der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky. „Ich habe gesagt: ,Das geht gar nicht!‘“ Ein paar Tage später, mit kühlem Kopf, sei er dann aber doch von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt gewesen. Zumal der TVB sein ehrenamtliches Engagement in Waiblingen fortsetze. „Das ist für uns als Stadt wichtig.“

Typisch für den stets strategisch und klug arbeitenden TVB sei es, dass nach der Namenserweiterung jetzt auch die Erweiterung der Bittenfelder Gemeindehalle komme, witzelt der OB. Die Handballer benötigen künftig weitere Trainingszeiten. Also soll die Sportstätte um ein Spielfeld vergrößert werden. Hesky stellt den Baubeginn vielleicht schon für 2016 in Aussicht. Gerechnet werde mit Kosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro. „Die Stadt zahlt.“

Kärcher bleibt

Sponsorenvertrag bis 2017 verlängert

Es ist eine für den TV Bittenfeld in wirtschaftlicher Hinsicht eminent wichtige Nachricht: Der Verein hat den auslaufenden Vertrag mit dem Winnender Hauptsponsor Kärcher bis 2017 verlängert. Vereinbart wurde auch eine finanzielle Aufstockung. Mit welcher Summe das Unternehmen den TVB künftig unterstützt, will Christian May, Geschäftsführer der Kärcher Vertrieb-GmbH, nicht sagen. Ziel sei es aber auch, als künftiges Mitglied der Gesellschafterversammlung des Bundesligisten dabei mitzuhelfen, weitere Sponsoren zu gewinnen.

Die Namenserweiterung der Mannschaft sei ein ebenso mutiger wie richtiger Schritt wie im Jahr 2012 der Umzug in die Stuttgarter Scharrena, so May. Er streicht heraus, dass Kärcher nicht nur die Handball-Profis unterstütze, sondern auch die anderen Teams bis hinunter zur Jugend. Was in Bittenfeld bewegt worden ist, sei sensationell: „Vor 20 Jahren war der TVB noch in der Verbandsliga.“ Und jetzt in der stärksten Liga der Welt.

Stuttgart freut sich

Sportbürgermeisterin Eisenmann

Fußball, Volleyball, klar. Aber im Handball hatte die Landeshauptstadt bislang kein Aushängeschild. Deshalb freut sich die Stuttgarter Kultur- und Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann, dass sich der TVB mit der Namensänderung noch mehr an die Stadt bindet. „Da sind wir gerne Partner. Der Vertrag für die Hallen ist langfristig verlängert worden.“ Die Stadt habe aber nicht auf den neuen Namen des Teams gedrängt, stellt Eisenmann klar.

Für die Erste Bundesliga benötigen die Bittenfelder eine Halle, die mindestens 2250 Zuschauer fasst. Die Stadt Stuttgart hat sich deshalb dazu bereiterklärt, die Scharrena „zu unseren Lasten“ um über 200 auf rund 2400 Plätze zu erweitern. Eine weitere finanzielle Förderung des Bundesligisten werde es aber nicht geben.

Freilich wird der TVB, nein, der TVB 1898 Stuttgart, auch Spiele in der Porsche- Arena austragen. Hier gebe es zum Teil Terminschwierigkeiten, sagt Eisenmann. Aber so ist das nun mal, in Stuttgart.

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