TVB Stuttgart Alles passt – bis auf den Abschluss

Nach dem Spiel gegen Magdeburg dürfte Jürgen Schweikardt (links) und seinem Assistenten Karsten Schäfer die Analyse nicht schwer gefallen sein: Bis auf den Torabschluss gab’s nicht viel zu kritisieren. „Der gehört aber leider auch dazu, um erfolgreich zu sein“, sagt Schweikardt. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Bennet Wiegert hat kräftig durchpusten müssen nach den 60 hitzigen Minuten am Sonntag in der Stuttgarter Scharrena. Der Trainer des Handball-Erstligisten SC Magdeburg war heilfroh, dass sein Team den TVB Stuttgart knapp mit 29:27 in Schach gehalten hat. Für den SCM war’s ein immens wichtiger Sieg im Rennen um die Europapokalplätze. Schließlich gingen die Konkurrenten aus Hannover, Berlin und Mannheim am Wochenende leer aus.

Und der TVB? Der verteidigte zwar sein Polster von sechs Punkten auf die Abstiegsränge, weil die Eulen Ludwigshafen in Leipzig unterlagen. Ein bisschen gefrustet sind die Verantwortlichen dennoch am Tag danach. „Wir standen uns teilweise selbst im Weg“, sagt der Co-Trainer Karsten Schäfer. Anders ausgedrückt: Die Chance war noch nie so groß, den Magdeburgern zumindest einen Punkt zu stibitzen.

Die ersten 30 Minuten waren im Angriff mit das Beste, was der TVB in dieser Saison zuwege gebracht hat. „Die Leistung hat gereicht – nur der Abschluss nicht“, sagt der Chef-Trainer Jürgen Schweikardt. Insgesamt 25 Fehlversuche leistete sich sein Team, darunter waren rund ein Dutzend freie Würfe. Deshalb ärgere er sich schon ein wenig. „Man hat schon gemerkt, dass Magdeburg Respekt vor uns hatte.“

Jeder hat sein Päckchen zu tragen

Dem TVB spielte zweifelsfrei in die Karten, dass der Gegner einerseits gestresst durch seinen straffen Spielplan und zudem ziemlich ersatzgeschwächt die Reise in den Süden angetreten war. Mit Gisli Kristjansson, Marko Bezjak und Christian O’Sullivan fehlten gleich drei Rückraumspieler. Letzterer blieb kurzfristig wegen einer Grippe zu Hause. „Er hätte uns in diesem Spiel sicherlich geholfen“, sagte Bennet Wiegert bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Wie auch David Schmidt dem TVB geholfen hätte. So hat eben jeder sein Päckchen zu tragen.“

Wohl wahr. Fünf Spiele hatte der Nationalspieler des TVB wegen eines ausgekugelten Daumens gefehlt und meldete sich wieder spielbereit. Gegen Magdeburg musste er aber aufgrund einer Bindehautentzündung passen. In den vergangenen Partien kompensierten Christian Zeitz und Robert Markotic Schmidts Ausfall ordentlich, am Sonntag fiel der Kroate überraschend aus. Nach einer Schulterblessur aus dem jüngsten Spiel gegen Balingen fühlte er sich nicht einsatzfähig. Dafür ist die Zukunft des Rückraumspielers geklärt, der beim TVB keinen Vertrag mehr bekommt: Der 30-Jährige hat beim Viertligisten SG Ratingen einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben.

Elf Treffer von Damgaard sind zwei zu viel

Ohne Schmidt und Markotic fehlten dem TVB die Alternativen im rechten Rückraum, wo Zeitz auf sich alleine gestellt war. Etwas geschwächelt haben die Stuttgarter auch auf den Außenpositionen, auf die normalerweise Verlass ist. Sascha Pfattheicher, zuletzt der erfolgreichste Werfer des TVB, musste nach zwei Minuten angeschlagen vom Spielfeld. Sein Vertreter Tim Wieling hatte ebenso große Probleme im Abschluss wie der ansonsten so treffsichere Patrick Zieker. „So Tage gibt’s halt“, sagt Schweikardt. Für solche Fälle habe sich der TVB die Dienste von Alexander Schulze gesichert. Der Linksaußen, der per Zweitspielrecht beim Drittligisten TuS Dansenberg am Ball ist, fällt jedoch seit Wochen mit einer Oberschenkelverletzung aus.

Trotz der schwachen Wurfausbeute hätte der TVB die Magdeburger in die Bredouille bringen können – wenn sich beispielsweise Michael Damgaard etwas zurückgehalten hätte mit dem Torewerfen. Elfmal fischte der TVB-Keeper Johannes Bitter die Würfe des dänischen Nationalspielers aus dem Netz. „Das waren vielleicht zwei zu viel“, so Schweikardt. Doch weil Damgaard nun einmal ein Weltklassespieler sei, müsse man mit „sieben bis neun“ Toren leben.

TVB ist noch längst nicht gerettet

So gilt’s für den TVB, in den verbleibenden sieben Spielen die sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge zu verteidigen. Die Ausgangsposition ist komfortabel, gerettet sind die Stuttgarter aber längst noch nicht. Für eine Vorentscheidung kann der TVB in den kommenden beiden Spielen gegen Mannschaften sorgen, die in der Tabelle hinter ihm stehen: Zunächst geht’s zum 15. TSV GWD Minden, dann gastiert der Vorletzte Eulen Ludwigshafen in der Scharrena.

Am Wochenende allerdings ist Länderspielpause. Mit Johannes Bitter und Patrick Zieker stellt der TVB zwei Akteure ab zum Test-Länderspiel am 13. März in Magdeburg gegen die Niederlande. „Es freut uns, dass die beiden auch das Vertrauen des neuen Bundestrainers haben“, sagt Schweikardt. „Die Europameisterschaft war keine Eintagsfliege.“ Bitter und Zieker hätten die Nominierung verdient.

Nicht nominiert worden ist dagegen David Schmidt, da mit Franz Semper und Steffen Weinhold zwei rechte Rückraumspieler wieder fit sind und Schmidt zudem lange verletzungsbedingt fehlte.


Coronavirus: Wie geht’s in der HBL weiter?

Mit 2251 Zuschauern war die Scharrena gegen Magdeburg ausverkauft, allerdings blieben etliche Plätze leer. Scheuen die Fans womöglich den Gang zu Großveranstaltungen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus? Und wie verhält sich der TVB Stuttgart?

„Ich kann mich immer nur wiederholen“, sagt der TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Wir können pro-aktiv nichts machen. Ob wir demnächst ohne Fans spielen oder gar nicht, darüber machen wir uns Gedanken, wenn es so weit ist.“ Froh ist Schweikardt allerdings, dass die vier Heimspiele in Folge über die Bühne gingen.

Nach der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn sollen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern „offensiver“ abgesagt werden. Die Eulen Ludwigshafen möchten vor dem ausverkauften Heimspiel gegen Kiel die Personalien aller Zuschauer erfassen.

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