TVB Stuttgart Ein Prozent der Gehälter für einen guten Zweck

Unter dem Namen „Blaue Brücke“ wird der Erstligist TVB Stuttgart alle seine Sozialprojekte bündeln (von links): Patrick Zieker, Zarko Pesevski, Nick Lehmann, Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, David Schmidt, Rudolf Faluvegi, Robert Markotic, Johannes Bitter, Tim Wieling, Adam Lönn, Manuel Späth, Co-Trainer Karsten Schäfer, Elvar Asgeirsson, Samuel Röthlisberger, Dominik Weiß. Foto: TVB

Waiblingen.
Als erster kompletter Club überhaupt beteiligt sich Handball-Erstligist TVB Stuttgart an der Initiative Common Goal. Der Gedanke: Wenn viele Menschen monatlich einen kleinen Teil ihres Gehalts spenden, ist das genug, um viel zu bewirken. Die Gelder des TVB kommen Kindern zugute.

Der Verein arbeitet dafür mit der Organisation Share & Play zusammen, die vom ehemaligen spanischen Handball-Nationalspieler Carlos Prieto gegründet worden ist. Um Integration, Inklusion, Gesundheit und Bildung zu fördern, wird einmal pro Woche an Schulen Handball gespielt. Ziel ist es also nicht, die Nationalspieler von morgen zu formen, sondern den aus zum Teil unterschiedlichen Kulturkreisen stammenden Kindern Teamgeist und gesellschaftliche Regeln zu vermitteln.

Schule gesucht

TVB-Geschäftsführer und Trainer Jürgen Schweikardt sagte bei der Pressekonferenz am Donnerstag in der Cannstatter Scharrena, der Verein stehe wegen des Projekts in Kontakt zur Stadt Stuttgart. Gesucht werde eine Schule, in der das Thema Integration zum Beispiel von Flüchtlingen eine relativ große Rolle spiele. Ist der Kooperationspartner gefunden, wollen auch der Coach und Erstliga-Spieler immer wieder bei den Handball-Einheiten vorbeischauen und sich mit den Kindern beschäftigen.

Zur Finanzierung werden alle TVB-Mitarbeiter sowie die komplette Mannschaft vom 1. Januar 2020 an ein Prozent ihres Monatsgehalts spenden. „Ich bin extrem stolz, dass wir das auf die Beine gestellt haben“, sagte Jürgen Schweikardt. Das Engagement sei langfristig geplant. Die Bittenfelder hoffen, dass ihr Beispiel Schule macht und sich auch andere Teams und Vereine für die gute Sache begeistern. Weil der TVB weitere Sozialprojekte unterstützt und noch mehr dazukommen sollen, werden diese künftig im Verein unter dem Namen „Blaue Brücke“ zusammengefasst.

"Auf das eine Prozent Gehalt kann jeder verzichten"

Auch TVB-Keeper Johannes Bitter, der darauf hoffen darf, am Freitag von Bundestrainer Christian Prokop für die EM in Norwegen, Schweden und Österreich nominiert zu werden, freut sich sehr, dass sich alle im Verein dazu entschlossen haben, Share & Play zu unterstützen. „Das kann Strahlkraft generieren und Leute inspirieren. Wir wollen durch Handball die Gesellschaft verändern und Kindern weiterhelfen. Das zeigt, was mit relativ geringem Aufwand möglich ist.“ Mannschaftsratskollege Manuel Späth fügte hinzu: „Auf das eine Prozent Gehalt kann jeder verzichten.“

Begeistert vom TVB ist der von Bitter als „Freund und enger Weggefährte“ bezeichnete „Share & Play“-Gründer Carlos Prieto. Er selbst, Bronzemedaillen-Gewinner mit Spanien bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und dreimaliger Champions-League-Sieger, sei schon in seinen 19 Jahren als Profi-Handballer immer sozial aktiv gewesen. Viel gelernt für seine eigene Organisation, auch „deutsche Struktur“, habe er bei einem Praktikum bei Common Goal in Berlin. Und seit zwei Jahren „habe ich mit mehr als 100 Kindern zwischen sechs und 18 Jahren gearbeitet. Das hat immer gut funktioniert“.

Common-Goal-Mitbegründer Thomas Preiss freut sich, dass die Initiative nun auf die zweitgrößte Mannschaftssportart ausgeweitet wird. „Wir stellen unser Know-how zur Verfügung, um die Handballer zu unterstützen.“


Common Goal

Common Goal ist eine von Juan Mata, einem Mittelfeldspieler von Manchester United, mitgegründete Initiative, bei der Fußballprofis und Trainer ein Prozent ihres Monatsgehaltes an Streetfootballworld spenden. Die Organisation unterstützt weltweit soziale Projekte mit Bezug zum Fußball.

Mitglied der Initiative sind unter anderem Mats Hummels, Giorgio Chiellini, Jürgen Klopp, Serge Gnabry, Julian Nagelsmann, Dennis Aogo, Daniel Didavi und die aktuelle Weltfußballerin Megan Rapinoe.

Share & Play

Share & Play ist ein Programm, das von der NGO Athletes Inspire Children entwickelt wurde. Das Programm konzentriert sich auf die Entwicklung der sozialen, pädagogischen und körperlichen Fähigkeiten von Kindern im Alter von sechs bis 18 Jahren. Die Jugendlichen sollen sich mannschaftssportspezifische Werte durch die Teilnahme am Handballtraining aneignen. Gleichzeitig sollen kognitive Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen wie Mathematik und Erdkunde gefördert werden.

Share & Play ist vom ehemaligen spanischen Handball-Nationalspieler Carlos Prieto ins Leben gerufen worden.

Botschafter ist unter anderem der deutsche Nationalmannschafts-Linksaußen Uwe Gensheimer.

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