TVB Stuttgart Felix Lobedank: "In meiner Brust schlagen zwei Herzen"

Felix Lobedank beendete 2018 nach zwei Spielzeiten beim TVB Stuttgart aufgrund anhaltender Verletzungsprobleme seine Profi-Karriere. Foto: Ralph Steinemann

HBW Balingen-Weilstetten, FA Göppingen, TVB Stuttgart: Felix Lobedank hat bei allen drei württembergischen Handball-Erstligisten gespielt. Nach der vergangenen Saison beendete der 35-Jährige seine Karriere, heute arbeitet er bei der AOK als Themenfeldkoordinator in der Gesundheitsförderung. Mit Handball hat er immer noch zu tun. Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner sprach vor dem Derby zwischen dem TVB und dem HBW mit dem diplomierten Sportwissenschaftler.

Herr Lobedank, am Sonntag steigt in der Porsche-Arena das Derby zwischen dem TVB Stuttgart und dem HBW Balingen-Weilstetten. Sie haben beide Trikots getragen. Schlagen da noch zwei Herzen in Ihrer Brust?

Balingen war eine besondere Zeit, da hatten wir eine tolle Gemeinschaft. Mittlerweile wohnen wir hier in der Nähe von Stuttgart, und in meiner jetzigen Funktion bin ich mit dem TVB weiterhin eng verbunden. Es schlagen also definitiv zwei Herzen in meiner Brust. Ich wünsche beiden eine dauerhafte Zugehörigkeit in der Bundesliga.

Werden Sie am Sonntag vor Ort sein?

Ja, mit der TVB-Grundschulliga powered by AOK spielen wir das Vorturnier. Aber selbst wenn ich aus beruflichen Gründen nicht dort wäre, würde ich mir ein solches Spiel nicht entgehen lassen. Ich nehme meinen Sohn mit und hoffe auf ein spannendes Duell.

Ihre Balinger Zeit liegt schon neun Jahre zurück. Gibt’s trotzdem noch Kontakte auf die Alb?

Die gibt es, vor allem zu Litty Ettwein regelmäßig. Und bei den anderen, die aus dieser Zeit noch übrig sind – Jens Bürkle, Wolfgang Strobel und Sascha Illitsch –, freue ich mich auch immer, wenn ich sie sehe. Die anderen Spieler sind wie ich weitergezogen.

Vor ein paar Tagen gastierte FA Göppingen in Stuttgart, für das Sie fünf Jahre spielten. Wie frisch sind die Erinnerungen an diese Zeit?

Sie sind noch sehr präsent, schließlich habe ich dort einige große Erfolge mitfeiern dürfen und zahlreiche Derbys gespielt. Deshalb weiß ich auch, wie tief der Stachel auf Seiten von Frischauf sitzen muss.

Haben Sie mit dem einen oder anderen aktuellen Göppinger Spieler noch zusammengespielt?

Ja, mit Daniel Rebmann, Tim Kneule, Marco Rentschler und Marcel Schiller. Mit den Kneules sind wir befreundet, unsere Kinder spielen miteinander.

Beim TVB sind Jogi Bitter, Dominik Weiß, Max Häfner, Samuel Röthlisberger und Manuel Späth aus Ihrer letzten Saison 2017/2018 übrig. Das sind nicht besonders viele aus dem damaligen 18-Mann-Kader. Hatten Sie mit einer so großen Fluktuation gerechnet?

Nicht in dem Ausmaß. Die Entscheidung war sicher mutig und auch nicht risikofrei. Aber eine Mannschaft langfristig zu entwickeln und zukunftsfähig für die Bundesliga aufzustellen, ist eine komplexe Aufgabe. Der TVB hat sich für diesen Weg entschieden und in den letzten Spielen kann er sich zumindest vom Trend her bestätigt sehen.

Nach zwei Spielzeiten beim TVB Stuttgart beendeten Sie 2018 aufgrund anhaltender Verletzungsprobleme Ihre Profi-Karriere, stiegen ins Berufsleben ein und spielten nebenbei für den Oberligisten SG Pforzheim/Eutingen – allerdings nur eine Saison. Machte der Körper auch unter geringerer Belastung nicht mehr mit oder ließ sich der Sport mit der Arbeit nicht mehr vereinbaren?

Leider war es so, dass ich durch die verschiedenen Verletzungen der vergangenen Jahre als Profi den Belastungen auch im mittleren Leistungsbereich nicht mehr gewachsen war. Das notwendige Zusatztraining war aufgrund der beruflichen Situation auch nicht mehr möglich. Ich musste einsehen, dass meine aktive Zeit beendet war.

Was war das für ein Gefühl, nach so vielen Jahren nicht mehr Handball zu spielen?

Ganz offen gesprochen, war es enorm befreiend. In den letzten Jahren musste ich nach den verschiedenen Operationen und Verletzungen einen sehr hohen Aufwand betreiben, um überhaupt wieder spielen zu können. Die Schmerzen blieben nicht aus und ich habe ja selbst auch gemerkt, dass meine Leistungsfähigkeit nachließ. Klar fehlt mir der Sport, der Qualitätsgewinn im Alltag wiegt es aber mehr als auf.

Bei der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr sind Sie im Bereich Gesundheitsförderung tätig, in diesem Schuljahr startete die TVB-Grundschulliga in Zusammenarbeit mit dem TVB Stuttgart. Wie ist die Aktion angelaufen?

Ich bin sehr zufrieden, wie das erste Schuljahr gelaufen ist. Wir hatten viele begeisterte Kinder mit dabei, die zum ersten Mal mit Handball in Kontakt gekommen sind. Darüber hinaus beinhaltet das Konzept zur Kindergesundheit Themen wie Ernährung und Kognitionstraining. Auch das ist bei den Kindern sehr gut angekommen.

Mit diesem Konzept sollen Kinder für den Handball begeistert und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen soll gefördert werden. Sie leiten dabei die Kinder an. Könnten Sie sich vorstellen, eine Trainerlaufbahn zu starten?

Grundsätzlich kann ich mir eine Arbeit als Trainer sehr gut vorstellen. Aktuell ist mir der Abstand vom täglichen Handballtraining und Alltag wichtig. Aber die Überlegungen gibt es natürlich.

Inwieweit sind Sie dem Profi-Handball noch verbunden? Verfolgen Sie das eine oder andere Bundesligaspiel live oder auf Sky?

Ich verfolge immer wieder die Spiele des TVB, am liebsten vor Ort. Auf Sky schaue ich mir ausgewählte Partien meiner Ex-Vereine an und dann immer wieder mal auch ein Top-Spiel.

Sie wechselten im zweiten Jahr nach dem Erstliga-Aufstieg zum TVB, der nun bereits seine fünfte Saison spielt. Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei Ihrem Ex-Verein?

Der TVB hat den Ligaverbleib immer geschafft und der Blick geht auch personell nach vorne. Die laufende Saison ist aus unterschiedlichen Gründen sportlich nicht einfach. Grundsätzlich ist die Entwicklung aber durchaus positiv und ich wünsche dem Verein, dass die nächsten geplanten Schritte funktionieren.

Vor zwei Wochen geriet der TVB durch die Verpflichtung von Christian Zeitz in die Schlagzeilen. Was dachten Sie im ersten Moment, als sie bekannt wurde?

Ich war einerseits überrascht. Andererseits ist Christian Zeitz aufgrund seiner Spielweise und Erfahrung eine Soforthilfe – nicht nur durch seine unorthodoxe Spielweise im Angriff, sondern auch durch seine Abwehrqualitäten.

Zeitz spielt auf Ihrer Position im rechten Rückraum. Beobachtet man solche Spieler etwas genauer?

Klar kennt man die Position und betrachtet die verschiedenen taktischen Abläufe aus dieser Perspektive. Ich beobachte mittlerweile aber das Spiel eher kollektiv und freue mich über die Entwicklungen aller Spieler.

Im November wird Zeitz 40 Jahre alt und denkt noch nicht an sein Karriereende. Hätten Sie sich vorstellen können, so lange zu spielen, wenn Sie gesund geblieben wären?

Ziemlich sicher nicht. Handball war ein großer Abschnitt in meinem Leben. Für mich persönlich gibt es aber noch weitere wichtige Aspekte in meinem sportlichen Leben und darüber hinaus.

Um einen Tipp fürs Wochenende kommen Sie nicht herum. Wer gewinnt das Derby?

Die Stuttgarter spielen zu Hause und haben einen guten Lauf. Sie können sich noch mehr Luft verschaffen und deshalb gehe ich von einem Sieg des TVB aus.


Zur Person

  • Felix Lobedank wurde am 12. August 1984 in Bamberg geboren. Der 1,96 Meter große Linkshänder spielte zunächst für den TVB Coburg-Ketschendorf und wechselte von dort zum damaligen Regionallisten HSC Coburg. Zur Saison 2005/2006 schloss sich „Lobo“ dem HBW Balingen-Weilstetten an, mit dem er auf Anhieb in die erste Bundesliga aufstieg. 2010 wurde er fürs HBL-All-Star-Game nominiert.
  • Von 2011 bis 2016 spielte Felix Lobedank bei FA Göppingen, mit dem Club gewann er 2012 den EHF-Pokal.
  • Von 2016 bis 2018 trug Lobedank das Trikot des TVB Stuttgart.
  • In der Saison 2018/2019 war er für den Oberligisten SG Pforzheim/Eutingen am Ball und beendete dort mit 34 Jahren seine Karriere. Mittlerweile arbeitet der diplomierte Sportwissenschaftler bei der AOK als Themenkoordinator Gesundheitsförderung.
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