TVB Stuttgart Missglückter Saisonstart wegen Personalnotstand

Elvar Asgeirsson kommt beim TVB immer besser in Fahrt. Beim 24:24 gegen Minden war der Isländer mit sechs Toren der erfolgreichste Werfer – und hatte dabei keinen Fehlversuch. Foto: Steinemann Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Platz 16, nur ein Punkt aus den ersten drei Spielen: Der Saisonstart des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart ist missglückt. Der Trainer indes strahlt Zuversicht aus. „Ich glaube immer mehr daran, dass da etwas Gutes zusammenwächst“, sagte Jürgen Schweikardt einen Tag nach dem 24:24 gegen Minden. „Gefreut hat mich, wie großartig uns die Fans unterstützt haben.“

Um ein Haar wären die beiden Stuttgarter Neuzugänge aus dem hohen Norden zu tragischen Figuren geworden am Sonntagnachmittag in der Scharrena. Ausgerechnet, denn der Schwede Adam Lönn und der Isländer Elvar Asgeirsson überzeugten in ihrem ersten Heimspiel mit einem engagierten Auftritt. In den letzten fünf Minuten der aufregenden Partie gegen Minden leisteten sich die beiden zwei fatale Fehlpässe, Johannes Bitter rettete im Gegenzug zweimal fantastisch und damit auch den ersten Punkt für den TVB.

Mit ein bisschen Glück hätten es sogar zwei Zähler werden können. Sechs Sekunden vor dem Ende landete der finale Wurf von Max Häfner – nach einem Freiwurf – jedoch im Mindener Block. „Wir haben kurz überlegt, ob wir einen zusätzlichen Feldspieler bringen“, so Schweikardt. „Das Risiko war uns aber doch zu hoch, wir wollten unbedingt den einen Punkt mitnehmen.“

Personalnotstand im TVB-Rückraum

Den hatte der TVB auch dem bärenstarken Bitter zu verdanken. 24 Gegentreffer müssten für einen Sieg reichen, doch im Gegensatz zum Leipzig-Spiel schwächelte nun der Angriff. Was weniger an der Trefferquote lag, sondern vielmehr an der Vielzahl leichter technischer Fehler.

Die Ausbeute von 1:5 Punkten aus den Spielen gegen die Mittelfeldmannschaften Erlangen, Leipzig und Minden ist mager, lediglich die beiden ebenfalls noch sieglosen Teams aus Göppingen und Nordhorn liegen hinter dem TVB. Mit der Tabelle beschäftigt sich Jürgen Schweikardt aktuell jedoch nicht, dazu ist er zu sehr mit anderen Themen beschäftigt. Beispielsweise mit dem ausgedünnten Rückraum. Acht Spieler hat er auf dem Papier zur Verfügung, am Sonntag waren’s nur noch drei, die in Vollbesitz ihrer Kräfte sind. In der Not rückte der erst 16 Jahre alte Jugend-Nationalspieler Fynn Nicolaus in den Kader, er kam aber nicht zum Einsatz.

Beim TVB war die Last auf – zu – wenigen Schultern verteilt

Rudolf Faluvégi kann nach seiner Ellbogenverletzung – wenn’s gut läuft – in zwei Wochen wieder eingreifen, mit Luis Foege (Schulter) ist frühestens in zwei Monaten zu rechnen. Robert Markotic machte nach sechsmonatiger Pause gegen Minden erst sein zweites Spiel, er ist noch längst nicht bei hundert Prozent. David Schmidt trainiert seit voriger Woche wieder mit der Mannschaft, er dürfte demnächst wieder zurück sein. Rund drei Wochen ausfallen wird Dominik Weiß. Wie schon gegen Ende der vergangenen Saison, hat er Probleme mit seinen Zähnen. Diese Woche steht eine weitere Operation an. „Im Rückraum trifft es uns schon geballt“, sagt Schweikardt. Besser wegzustecken sei, wenn auf jeder Position ein Spieler ausfalle.

So wie beim jüngsten Gegner Minden, der deutlich mehr Variationsmöglichkeiten hatte. Beim TVB war die Last auf – zu – wenigen Schultern verteilt. Hier und da ging angesichts der Belastung die Konzentration verloren, was sich in teilweise haarsträubenden Fehlpässen auswirkte. Auch der technisch starke Häfner war anfällig, wobei er insgesamt ein gutes Spiel machte. Asgeirsson könnte dem Spielmacher Verschnaufpausen verschaffen, allerdings muss der Isländer derzeit die Lücke im rechten Rückraum schließen. „Es ist für ihn eine komische Position, aber er macht das gut“, sagt Schweikardt. Gegen Minden traf Asgeirsson bei sechs Versuchen sechsmal.

Die Stimmung in der Halle sei „super“ gewesen

Auch der Kreisläufer Zarko Pesevski überzeugte nach seinem unglücklichen Auftritt in Leipzig mit einer hundertprozentigen Quote, Adam Lönn zählte im Angriff wie in der Abwehr zu den auffälligsten und zuverlässigsten Stuttgartern.

„Sie haben alle gezeigt, dass das etwas werden kann, wenn man der Mannschaft Zeit gibt“, so Schweikardt. Riesig gefreut hat sich der Trainer auch über die große Unterstützung der Zuschauer. Die Stimmung in der Halle sei „super“ gewesen, die Fans spürten, in welch’ schwierigen Phase sich die Mannschaft befinde. „Ich hoffe, das Wir-Gefühl hält in den nächsten schweren Wochen an.“ Am Sonntag geht’s nach Berlin, dann kommt die verlustpunktfreie TSV Hannover-Burgdorf in die Porsche-Arena und schließlich stehen die beiden Derbys in Göppingen und Ludwigshafen an. In den ersten sieben Spielen muss der TVB also fünfmal in der Fremde ran.

  • Bewertung
    0

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!