TVB Stuttgart Nach kritischer Phase ist der TVB in der Spur

Sascha Pfattheicher, hier eine Szene aus dem Spiel gegen Lemgo, lief gegen Melsungen heiß. Foto: Ralph Steinemann (Archiv)

Etwas überspitzt ausgedrückt, wiegt Sascha Pfattheicher halb so viel wie Zarko Pesevski. Am Donnerstagabend jedoch war nicht der Kreisläufer, sondern der Rechtsaußen des TVB mit dem feinen linken Händchen das Schwergewicht. Seine neun Tore beim 31:28-Sieg gegen die MT Melsungen kommentierte der 22-Jährige trocken: „Heute habe ich die Bälle mal bekommen. Dass ich sie alle reinmache, ist natürlich super. Gegen Kiel am Sonntag wäre ich auch mit zwei oder drei Toren zufrieden – wenn wir gewinnen.“

Pfattheichers Aussage zeugt vom neuen Selbstbewusstsein, mit dem der TVB nach den jüngsten Siegen und vielen überzeugenden Auftritten derzeit zu Werke geht. Und der junge Rechtsaußen ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Stuttgarter ihren Kader zusammenstellen (müssen). Groß war der Aufschrei, nachdem der TVB den niederländischen Nationalspieler Bobby Schagen nach der vergangenen Spielzeit gen Lemgo ziehen ließ und auf das junge Duo Sascha Pfattheicher/Tim Wieling setzte. „Natürlich hätten wir Bobby gerne behalten“, sagte der TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt am Tag nach dem Triumph über Melsungen.

„Wir gehören immer noch zum unteren Drittel“

Ein Verein wie der TVB könne sich jedoch keine Spieler leisten, die am Zenit ihrer Schaffenskraft seien. „Wir müssen welche holen, die sich bei uns dahin entwickeln können.“ Es sei ein Trugschluss zu denken, der TVB bewege sich mit seinem Etat unter den ersten Zehn und müssen sich auch in der Tabelle in diesem Bereich wiederfinden. „Wir gehören immer noch zum unteren Drittel.“ Stuttgart sei zwar eine Großstadt mit viel Wirtschaftskraft, doch die Konkurrenz sei groß. „Deshalb darf man von unserer Mannschaft keine Wunderdinge erwarten.“

Wunder hat der TVB auch keine vollbracht, allerdings in den vergangenen Wochen mit starken Darbietungen reichlich Anerkennung gewonnen – und endlich auch Spiele. Spürt da der Geschäftsführer und Trainer womöglich ein bisschen Genugtuung gegenüber den Personen, die den großen Umbruch harsch kritisierten? „Nein, die empfinde ich nicht“, sagt Schweikardt. „Wir haben ja auch noch nichts erreicht.“ Es freue ihn allerdings zu sehen, dass der TVB auf dem richtigen Weg sei. „Ich habe immer daran geglaubt, weil ich jeden Tag sehe, wie die Spieler im Training arbeiten.“ Für ihn sei die Situation eher Motivation, weiter hart zu arbeiten, um die Mannschaft zu verbessern.

Revanche in der Porsche-Arena?

Eine stärkere Leistung als am Donnerstag gegen die teilweise indisponierten Melsunger wird der TVB am Sonntag benötigen. Nach eineinhalb Wochen gibt’s bereits ein Wiedersehen mit dem THW Kiel. Im Viertelfinale des DHB-Pokals schubste der TVB die Zebras bei der 34:35-Niederlage beinahe aus dem Wettbewerb. Gibt’s also in der Porsche-Arena die Revanche?

Am Donnerstag verloren die Kieler nicht nur mit 28:29 bei den ersatzgeschwächten Füchsen Berlin, sondern auch die Tabellenführung. Ob das gut oder schlecht ist für den TVB, ist schwer zu sagen. An den Kräfteverhältnissen ändert sich sowieso nichts. „Wir werden wieder versuchen, den Kielern einen großen Kampf zu bieten“, sagt Schweikardt, der am Freitag noch im Erholungsmodus war. Mit den sechs Punkten Polster zu den Abstiegsrängen hat sich der TVB ein wenig befreit, „jetzt müssen wir mal kurz durchschnaufen“. Deshalb stand am Freitag auch lediglich Auslaufen und Fußballtennis auf dem Trainingsplan.

Und beim einen oder anderen Spieler war Schonung angesagt. David Schmidt spürte in der Schlussphase gegen Melsungen ein Ziehen an der Wade. Adam Lönn saß in Zivil hinter der Auswechselbank. Ob die Zerrung an der Schulter am Sonntag einen Einsatz des Schweden zulässt, ist fraglich. „Wir haben nach Kiel noch zwei Spiele in diesem Jahr“, so Schweikardt. „Wir werden unter keinen Umständen zu viel riskieren.“

Es gibt noch rund 100 Karten für das Spiel gegen Kiel am Sonntag (13.30 Uhr). Die Tageskasse öffnet um 12 Uhr.

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