TVB Stuttgart - SG Flensburg-Handewitt Der TVB klaut dem Meister einen Punkt

Adam Lönn gelang mit der letzten Aktion der verdiente Ausgleich für den TVB Stuttgart. Foto: Ralph Steinemann

5850 begeisterte Zuschauer haben am Samstag in der Stuttgarter Porsche-Arena eine Premiere erlebt: Im neunten Aufeinandertreffen hat der Handball-Erstligist TVB Stuttgart gegen die SG Flensburg-Handewitt erstmals gepunktet. Das 23:23-Unentschieden gegen den Deutschen Meister hatte sich der TVB mit einer über 60 Minuten hinweg sehr starken Leistung redlich verdient.

Ordentlich gespielt hat der TVB gegen die Top-Teams der Liga schon öfter, am Ende indes blieb meist nur die Anerkennung des Favoriten hierfür. Am Samstagabend sah’s 35 Sekunden vor dem Ende erneut danach aus, als ginge der TVB trotz aufopferungsvollem Kampf und großartiger taktischer Disziplin leer aus: Mit 23:22 führten die Flensburger, erst zum zweiten Mal überhaupt im Spiel nach dem 22:21 in der 56. Minute. Die Gästeabwehr schnappte sich einen Pass von Max Häfner an den Kreis, doch der überragende TVB-Keeper Johannes Bitter klärte mit seiner 14. Parade. Sechs Sekunden vor dem Ende übernahm ausgerechnet Adam Lönn, der zuvor bei vier Versuchen torlos geblieben war, die Verantwortung und donnerte den Ball zum 23:23-Endstand in den Flensburger Kasten.

Überragender Bitter gewinnt das Torhüterduell

Dass Bitter das Torhüterduell gegen das Flensburger Gespann Benjamin Buric/Torbjörn Bergerud klar für sich entschied, ebnete dem TVB den Weg zu diesem ebenso überraschenden wie verdienten Punktgewinn. Matchwinner indes war die Mannschaft: Anders als in vielen Spielen zuvor leistete sich Stuttgart gegen den Deutschen Meister keine längeren Schwächephasen.

In seinem ersten Heimspiel für den TVB bekam Rudolf Faluvegi das Vertrauen von seinem Trainer Jürgen Schweikardt. Und der Ungar steuerte das Spiel klug und unaufgeregt – und traf nach drei Minuten zur 3:1-Führung des TVB. Das 4:1 verhinderte der Schiedsrichter Stefan Schneider, der dem TVB-Rechtsaußen Sascha Pfattheicher bei einem Konter im Weg stand. Es war nicht die einzige unglückliche Aktion, die Schneider und sein Kollege Colin Hartmann an diesem Abend hatten.

Der TVB ließ sich davon aber nicht beindrucken, trat von der ersten Minute an sehr konzentriert, entschlossen und selbstbewusst auf. Er trug seine Angriffe ruhig vor, leistete sich zunächst kaum Fehler und beraubte die Flensburger damit einer ihrer großen Stärken: den Tempogegenstoß. Im Positionsangriff hatte Flensburg gegen die stabile 6:0-Deckung des Heimteams große Schwierigkeiten, einzig den Kreisläufer Johannes Golla bekam der TVB nicht in den Griff. Erschwerend hinzu kam bei den Gästen der frühe, verletzungsbedingte Ausfall des Rückraumspielers Göran Johannesson.

Flensburg wechselt Torhüter und Abwehrsystem – der TVB bleibt vorn

Der Gästetrainer Maik Machulla tauschte bereits nach einer Viertelstunde den glücklosen Benjamin Buric gegen Torbjörn Bergerud. Der norwegische Nationaltorhüter wurde allerdings auch kein Faktor. Nach zwei Toren von Patrick Zieker und David Schmidt, sie gehörten zu den Besten beim TVB, führte der Außenseiter beim 8:5 (17.) erstmals mit drei Toren. Dominik Weiß legte zum 9:6 nach.

Nach einer Auszeit stellte Flensburg seine Deckung von der 5:1- auf die 6:0-Formation um. Magnus Röd verkürzte zum 8:9 und 9:10 (22.). Der TVB tat sich zunehmend schwerer gegen die Deckung des Meisters, die mit Jacob Heinl und Michal Jurecki an Stabilität gewann. Das Spiel kippte allerdings nicht. Zum einen, weil sich die Gäste immer wieder leichte Fehler im Angriff erlaubten. Zum anderen hielt die Stuttgarter Deckung ihr Niveau. So ging der TVB mit der verdienten 12:11-Führung in die Halbzeit.

In den zweiten 30 Minuten änderte sich zunächst wenig an der Spielausrichtung. Stuttgart blieb knapp im Vorteil. Pfattheicher schloss einen tollen Kempatrick über Zieker zum 18:15 ab (43.), Schmidt traf mit seinem fünften Tor zum 19:16 (45.).

Die Flensburger tauschten erneut den Torhüter, der bessere stand jedoch weiterhin auf der anderen Seite: Bitter parierte beim 19:18 einen Siebenmeter von Marvin Lier (48.). Dann leistete sich der TVB doch eine – allerdings kurze – Schwächephase. Flensburg nutzte zwei technische Fehler von Häfner und Schmidt sowie zwei Lattentreffer von Weiß und Lönn zum 19:19-Ausgleich (50.).

Nach Ziekers 20:19 und Zarko Pesevskis 21:20 hatte der TVB Pech: Bitters Pass zum Konter fehlte die Präzision. Dann landete ein Abpraller bei Magnus Jöndal, der vier Minuten vor dem Ende beim 22:21 zur ersten Führung der Gäste vollendete.

Häfner glich mit seinem ersten Tor zum 22:22 aus. Von Hektik und der einen oder anderen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung geprägt war die Schlussphase. Nach Jöndals umstrittenem Siebenmeter zum 23:22 für die SG erkannten Hartmann/Schneider den vermeintlichen Ausgleich von Lönn nicht an. Gegen den finalen Wurf des Schweden sechs Sekunden vor der Schlusssirene zum 23:23-Endstand hatten sie nichts einzuwenden.

TVB Stuttgart: Bitter, Lehmann; Häfner (1), Asgeirsson, Weiß (3), Faluvegi (2), Späth, Lönn (1), Markotic (2), Röthlisberger (1), Nicolaus, Zieker (6/1), Pfattheicher (1), Pesevski (1), Schmidt (5), Wieling.

SG Flensburg-Handewitt: Buric, Bergerud; Golla (5), Lier (1/1), Glandorf, Svan (2), Jeppsson (2), Jöndal (4/1), Steinhauser, Versteijnen, Heinl, Zachariassen (2), Johannessen (1), Gottfridsson (2), Jurecki (1), Röd (3).

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