TVB Stuttgart Trainer Jürgen Schweikardt läutet die Alarmglocken

Nur vier Siege in 20 Spielen, die zweitschlechteste Tordifferenz und nach Pluspunkten auf einem Abstiegsplatz: Trainer Jürgen Schweikardt und der TVB Stuttgart stehen vor schwierigen Wochen. Foto: Oliver Vogler

Die Gesichtszüge von Jürgen Schweikardt waren längst eingefroren, nachdem David Schmid und Sascha Pfattheicher die Fehlwürfe 16 und 17 fabriziert hatten. Eine Viertelstunde vor dem Ende lag der TVB Stuttgart beim Tabellennachbarn TBV Lemgo mit 16:22 im Hintertreffen, der Einsatz des siebten Feldspielers war ebenso wenig von Erfolg gekrönt wie die Manndeckung gegen Jonathan Carlsbogard. Am Ende kassierte der TVB nach einem enttäuschenden Auftritt bei einem mittelmäßigen Gegner eine verdiente 23:27-Niederlage, die dem Trainer und Geschäftsführer auch am Tag danach noch in den Kleidern hing. „Ich hoffe, es haben jetzt endlich alle kapiert, wie ernst die Lage ist“, sagt Schweikardt. „Am Sonntag hatte ich da nicht das Gefühl.“

„Wir waren Lemgo in allen Bereichen unterlegen“

Die guten Auftritte im Dezember hatten den Stuttgartern Mut gemacht im Abstiegskampf, auch wenn die Punktausbeute überschaubar blieb. Indes: Haben sie sich möglicherweise von der Tatsache täuschen lassen, dass sie auch gegen Spitzenteams der Liga mithalten können und deshalb den Abstiegskampf locker wuppen werden? Dies wäre zumindest eine Erklärung für den über 45 Minuten hinweg reichlich blutleeren Auftritt in Lemgo. In dieser Verfassung jedenfalls ist der TVB ein ernsthafter Bewerber, das abgeschlagene Schlusslicht Nordhorn in die 2. Liga zu begleiten.

Die Spiel-Analyse mit der Mannschaft an diesem Dienstag dürfte jedenfalls ein bisschen länger dauern als gewöhnlich. Es gibt einiges zu besprechen. „Wir waren Lemgo in allen Bereichen unterlegen“, so Schweikardt. „Es fehlte all das, was man braucht, um ein Handballspiel zu gewinnen.“

Deutliche Defizite bei der Spielsteuerung

Beispielsweise ein gewisses Maß an Körperlichkeit. Der TVB blieb in den Zweikämpfen regelmäßig zweiter Sieger – im Angriff wie in der Abwehr. Und das gegen ein Team, das nicht eben gespickt ist mit Modellathleten. Nicht erstligareif war auch – zum wiederholten Mal übrigens in dieser Saison – die Trefferquote von rund 50 Prozent. Sicherlich hatte der TVB hier und da auch Pech. „Wenn ich die Latte oder den Pfosten treffe, ist das eben kein Tor“, sagt Schweikardt. „Es fehlte da einfach die Präzision.“ Allen voran aus dem Rückraum brachte der TVB viel zu wenig zustande. Auf der linken Seite hatte Dominik Weiß zwar ein paar gute Szenen, unterm Strich indes war die Bilanz negativ. Keine wirkliche Alternative war Adam Lönn, dem nach wochenlanger Pause aufgrund einer Schulterverletzung die mangelnde Spielpraxis deutlich anzumerken war.

Deutliche Defizite hat der TVB nach wie vor bei der Spielsteuerung: Max Häfner und Rudolf Faluvégi strahlen nicht nur zu wenig Torgefahr aus, es klemmt auch im Zusammenspiel mit dem Kreis. Auf der rechten Seite fehlte dem TVB in Lemgo Robert Markotic, der im Anschlusstraining umknickte. Damit war David Schmid auf sich alleine gestellt – und teilweise überfordert. Der Linkshänder war mit sechs Toren der erfolgreichste Werfer des TVB, ihm unterliefen jedoch auch etliche Fehler. Der Neu-Nationalspieler muss nach der EM schleunigst wieder die Konzentration finden, die’s im Abstiegskampf braucht. Auch Johannes Bitter war ein gutes Stück von seiner EM-Form entfernt.

„Wir haben viele Baustellen“, sagt Schweikardt und appelliert an seine Spieler. „Es zählen jetzt auch keine Ausreden mehr – ganz gleich, wie gut sie begründet sein mögen mit dem großen Umbruch oder der schlechten Vorbereitung.“ Die Spieler müssten den „knüppelharten“ Abstiegskampf annehmen. Nicht nur zum Wohle des Vereins übrigens: Die Verträge der Spieler gelten überwiegend auch für die 2. Liga.


Die nächsten Spiele

Fünfmal hat der TVB in den kommenden sieben Spielen Heimrecht. Allen voran gegen die Teams aus der zweiten Tabellenhälfte darf er dabei nichts liegenlassen.

  • TVB – SC DHfK Leipzig (9.)
  • MT Melsungen (7.) – TVB
  • THW Kiel (1.) – TVB
  • TVB – HC Erlangen (11.)
  • TVB – FA Göppingen (13.)
  • TVB – Balingen-Weilstetten (14.)
  • TVB – SC Magdeburg (4.)
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