TVB Stuttgart TVB beim Überraschungs-Titelkandidaten

Gegen Kiel musste David Schmidt (beim Wurf) wegen einer Wadenverletzung zuschauen, in Hannover ist der Linkshänder wieder an Bord. Bei der 23:28-Hinspielniederlage war Schmidt mit sieben Treffer der erfolgreichste Stuttgarter Werfer (links Fabian Böhm, rechts Joshua Thiele). Foto: Ralph Steinemann

Während die meisten Sportler längst den Weihnachtsurlaub angetreten haben, müssen die Erstliga-Handballer die letzten Körner zusammenkratzen. Zweimal noch in diesem Kalenderjahr muss der TVB Stuttgart ran – und das auch noch gegen Top-Clubs. Am zweiten Feiertag geht’s zum Überraschungsteam nach Hannover, drei Tage später kommen die Füchse Berlin in die ausverkaufte Porsche-Arena.

Was ist das für eine verrückte Bundesliga-Saison? Prognosen sind kaum möglich, die vermeintlichen Underdogs drehen den Etablierten Woche für Woche eine lange Nase. Vergangenen Donnerstag zwang der Vorletzte Eulen Ludwigshafen den Deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt in die Knie, wodurch sich das Polster des TVB Stuttgart auf die Abstiegsplätze von sechs auf vier Punkte verringerte.

Am Sonntag blamierte das Mittelfeldteam HSG Wetzlar den Spitzenreiter THW Kiel, ließ den Zebras in deren Halle beim 27:20-Sieg keine Chance. Weil auch der TBV Lemgo und der TSV GWD Minden gewannen, sind die Teams im letzten Tabellendrittel vor Weihnachten noch kuscheliger zusammengerückt. „Es ist unglaublich“, sagt der Stuttgarter Trainer Jürgen Schweikardt. „Uns bleibt gar nichts anderes übrig als weiterzumachen und auch zu punkten.“

Schweikardt: Hannover spielt wie ein Spitzenteam

Im besten Fall noch 2019. Nach der Niederlage gegen Kiel hatte der TVB nun zehn Tage Zeit, die Akkus wieder aufzuladen. Ob sie indes stark genug sein werden, um mit dem Überraschungsteam der Bundesliga Schritt zu halten? Hatte die TSV Hannover-Burgdorf in der vergangenen Saison schon so manchem Spitzenteam das Fürchten gelehrt, scheint sie in dieser Saison selbst eines zu sein.

Mit 14:0 Punkten startete das Team von Trainer Carlos Ortega in die Spielzeit, dennoch nahm die Hannoveraner zu diesem Zeitpunkt noch keiner so richtig ernst. Nach dem Remis in Wetzlar und den Niederlagen in Kiel und Leipzig stürzten die Recken auf Tabellenplatz fünf ab. In einen Bereich, in dem viele Experten die „Recken“ auch sahen. Doch Hannover rappelte sich schnell wieder auf, durch die überraschende Pleite der Kieler und den eigenen Sieg in Balingen am Sonntag verhindert lediglich die schlechtere Trefferdifferenz die Tabellenführung. „Es sieht ganz danach aus, als gehöre Hannover dort oben hin“, sagt Schweikardt. „Es spielt jedenfalls wie ein Spitzenteam.“ Die Mischung im Kaderstimme, Hannover sei „super aufgestellt“. Beispielsweise am Kreis mit Evgeni Pevnov und Iljja Brozovic, das für Schweikardt nach Patrick Wiencek/Hendrik Pekeler beste Duo der Liga. Der dänische Weltmeister Morten Olsen ist ein Ausnahmekönner, mit Fabian Böhm und Timo Kastening stellt der Club zwei deutsche EM-Teilnehmer.

Einsatz von Lönn weiter ungewiss

„Für uns ist das die maximale Herausforderung“, sagt Schweikardt. Zumal die Hannoveraner als extrem heimstark gelten: Nur einen Punkt, beim 29:29 gegen die Rhein-Neckar Löwen, haben sie in der TUI-Arena abgegeben. „Aber wir werden wieder unsere Chance suchen.“ Bei der 23:28-Hinspielniederlage spielte der TVB ordentlich mit, die miserable Wurfquote verhinderte ein besseres Resultat.

David Schmidt, der gegen Kiel wegen einer Wadenverletzung passen musste, kehrt zurück in den Kader. Der Einsatz von Adam Lönn indes ist noch nicht sicher: Die Schulter macht nach wie vor Probleme.

Nach dem Abschlusstraining um 13.30 Uhr am ersten Weihnachtsfeiertag setzt sich die TVB-Belegschaft um 17 Uhr in den ICE, am nächsten Tag steht um 14 Uhr das Spiel an. Weihnachten hat sich für den TVB also schnell erledigt, es bleibt nur der Heilige Abend zur Besinnung.

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