TVB verliert in Magdeburg Keine Überraschung, aber wichtige Erkenntnisse

Max Häfner, hier gegen Albin Lagergren (links) und Zeljko Musa, zeigte in Magdeburg eine überzeugende Leistung. Foto: Eroll Popova

Es ist nicht so, dass der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart beim Tabellenvierten SC Magdeburg eine reelle Siegchance gehabt hätte. Die Enttäuschung nach der 30:37-Niederlage hält sich jedoch in Grenzen. „Fürs Ergebnis können wir uns natürlich nichts kaufen“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Aber wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen.“

So kann’s gehen: Da hatte sich der Magdeburger Trainer Bennet Wiegert in der Vorbereitung aufs Spiel gegen den TVB durch etliche Videos gearbeitet – und am Ende war fast alles für die Katz’. „Mimi Kraus war die zentrale Figur beim TVB“, sagte der Coach vor dem Spiel. „Die Videos kann ich eigentlich komplett vergessen. Da müssen wir jetzt auf andere Dinge achten.“

Sonderlob für Häfner, Schweikardt und Schimmelbauer

Das hat nicht immer so funktioniert, wie es sich der Perfektionist Wiegert vorgestellt hatte. Zumindest in der Defensive nicht. 30 Tore erzielte der TVB, nur die HSG Wetzlar traf bei ihrer 31:40-Niederlage in dieser Saison öfter gegen Magdeburg. Großen Anteil daran hatte ein Stuttgarter Trio, das vom Trainer ein Sonderlob bekam: Max Häfner, Michael Schweikardt und Tobias Schimmelbauer.

Die technisch versierten Häfner und Schweikardt hebelten die Deckung des Favoriten immer wieder geschickt aus. Häfner spielte im Rückraum – als Kraus- und Weiß-Ersatz – quasi durch, weil Dominik Weiß (Zerrung in der Schulter) sicherheitshalber geschont wurde. „Dominik hat zwar unter der Woche wieder trainiert, war aber nicht beschwerdefrei“, sagt Jürgen Schweikardt. „Deshalb sind wir kein Risiko eingegangen.“

Jürgen Schweikardt warnt: "Max wird nicht immer so spielen"

Häfners Wurfquote von 63 Prozent gehen für einen Rückraumspieler in Ordnung. „Wir glauben an Max“, sagt Schweikardt. Seine Qualitäten habe Häfner unter anderem auch schon beim wichtigen 31:30-Sieg gegen den VfL Gummersbach unter Beweis gestellt. Da war der 22-Jährige nach den Ausfällen von Schweikardt, Kraus und Lukas von Deschwanden alleine in der Pflicht. Dennoch mahnt Schweikardt vor übertriebenen Erwartungen. „Max wird nicht immer so spielen, da müssen wir auf dem Boden bleiben.“

Magdeburger Tempospiel nicht in den Griff bekommen

Gefreut hat sich Jürgen Schweikardt auch über den erneut starken Auftritt seines Bruders Michael. Er sei zweifelsfrei der Kopf der Mannschaft. „Es ist beeindruckend, mit welcher Konstanz er in dieser Saison spielt.“ Seine gute Form unterstrich auch Tobias Schimmelbauer. Sieben von neun Versuchen landeten im Magdeburger Tor, darunter waren etliche schwierige Würfe. Hervorragend stand der Linksaußen in der Deckung, hatte Albin Lagergren sehr gut im Griff. „Im gebundenen Spiel haben wir’s in der Abwehr durchweg nicht schlecht gemacht“, sagt Schweikardt. Trotzdem kassierte der TVB 37 Gegentreffer. Warum? Zum einen, weil der Torhüter Jogi Bitter an seiner alten Wirkungsstätte nicht seinen besten Tag erwischte und in den zweiten 30 Minuten Platz machte für Jonas Maier. Zum anderen, weil der TVB seine Probleme hatte mit dem gefürchteten Tempospiel des Tabellenvierten. „Das haben wir nicht in den Griff bekommen“, so Schweikardt. Der TVB sei aber nicht die erste Mannschaft, die daran gescheitert sei.

Gegen Göppingen geht es ums Prestige

Daran gelte es zu arbeiten in der Vorbereitung auf das nächste Spiel – und das ist keines von der Stange: Gegen FA Göppingen geht’s am Sonntag (13.30 Uhr) natürlich ums Prestige. Und um zwei Punkte, die den TVB näher ans Tabellenmittelfeld heranrücken ließen. Motivation hierfür müssten die Spieler genug haben, wie Stefan Kretzschmar die Sky-Zuschauer wissen ließ. „Beim TVB gibt’s Platzierungsprämien“, sagte er. Das bestreitet Jürgen Schweikardt nicht. „Erfolgsprämien gibt es im Handball wie in jeder anderen Sportart auch“, sagt er. „Aber über die Inhalte von Verträgen werde ich mich sicher nicht im Detail äußern.“


Zehn Tore von Mimi Kraus

Der Wechsel von Mimi Kraus vom TVB 1898 Stuttgart nach Bietigheim ist auch beim Spiel in Magdeburg ein Thema gewesen – vor allem, weil der Weltmeister beim wichtigen und überraschend hohen 27:18-Sieg im Abstiegsduell gegen die Eulen Ludwigshafen mit zehn Toren einen wesentlichen Anteil hatte. Nur noch ein Punkt ist der Aufsteiger damit vom rettenden Ufer entfernt.

Als „sportlich nicht nachvollziehbar“ bezeichnete der Ex-Nationalspieler und Sky-Experte Stefan Kretzschmar, dass der TVB Kraus ziehen ließ. So sei Jogi Bitter „richtig sauer“ darüber.

Angesprochen auf die Personalie wurde nach dem Spiel auch Michael Schweikardt. „Es ist so viel berichtet worden über Mimi“, sagt der TVB-Spielmacher. „Für Mimi ist’s gut, weil er über die Saison hinaus eine Anstellung hat. Alles andere ist für uns Spieler uninteressant.“

Geäußert zum Transfer hat sich auch der Weltmeistertrainer von 2007. Wenn Mimi Kraus bei einem Abstiegskandidaten spiele, müssten ihm gewisse Freiheiten gegeben werden, sagte Heiner Brand. Dann könne er der Mannschaft „in besonderen Situationen“ auch helfen. „Mimi ist ein spektakulärer Transfer, aber Handball ist ein Mannschaftssport. Schon seit 25 Jahren kann kein Spieler mehr eine Meisterschaft entscheiden oder einen Abstieg verhindern.“ 

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