Uganda Die sanften Riesen

Die schwarzen Muskelpakete sind Vegetarier. Foto: Meier

Mit einer Reise zu den Berggorillas in Uganda hat sich unser Leser Manfred Meier einen langgehegten Traum erfüllt.

Als ich vor vielen Jahren die ersten Berichte von den Berggorillas las, war ich total fasziniert von den „schwarzen Riesen“, und der Wunsch, diesen einmal Aug’ in Aug’ gegenüberzustehen, ließ mich nicht mehr los. Nach der Ankunft in Nairobi fuhren wir mit einem umgebauten Lkw in Richtung Südwesten, hinein in den Masai Mara Nationalpark, dem kenianischen Teil der Serengeti. Der Nationalpark ist eines des schönsten und bekanntesten Naturschutzgebiete Kenias. Zu unserer Reisegruppe gehören auch zwei deutsche Damen mit 55 und 71 Jahren, wobei die letztere den ersten Campingurlaub in ihrem Leben machte. Auf unserer Fahrtroute Richtung Westen liegen noch weitere Nationalparks auf dem Weg, bevor wir über die Hauptstadt Ugandas – Kampala – das Ziel unserer Reise ansteuern.

Die Straßen in Zentralafrika stellen uns auf eine harte Probe. Anfangs sind die Pisten noch brauchbar, aber je weiter wir nach Westen kommen, umso heftiger werden Sitzfleisch und Bandscheiben auf die Probe gestellt. Die Schlaglöcher werden immer tiefer, der löchrige Asphalt weicht einer nervtötenden Wellblechpiste, am Schluss nimmt das Gerüttel und Geschüttel überhaupt kein Ende mehr. Mit unserem Truck sorgen wir für Aufsehen. Kinder schauen, winken, und auch die Erwachsenen grüßen uns mit einem breiten Grinsen in ihrem tiefschwarzem Gesicht. Nach mühsamen 1500 Kilometern sind wir dort, wo die Gorillas zu Hause sind: Im Bwindi Nationalpark ganz im Südwesten Ugandas. In ganz Zentralafrika gibt es noch etwa 700 Berggorillas – die letzten Exemplare auf unserem Planeten. Im 330 Quadratkilometer großen Bwindi Nationalpark lebt davon noch etwa die Hälfte dieser „sanften Riesen“, die andere im Grenzgebiet von Ruanda und dem Kongo.

Mehrere Gorillafamilien wurden in den Parks an die Menschen gewöhnt, so dass sie aus nächster Nähe beobachtet werden können. Die Aufenthaltsdauer für Besucher ist auf eine Stunde begrenzt. Eine Gorillafamilie wird von einem Männchen, dem Silberrücken (Silverback), geführt. Beruhigend zu wissen, dass diese Muskelpakete Vegetarier sind und über 100 verschiedene Pflanzen auf ihrem Speiseplan haben.

Unser Spurensucher war schon seit den früheren Morgenstunden unterwegs, um im dichten Urwald das Schlafnest der Gorillas zu finden und unserem Führer per Funk mitzuteilen. Anfangs geht es noch durch hoch gelegene Kaffee- und Teeplantagen, bis wir in einer Höhe von 1600 Metern in den dichten Regenwald kommen. Begleitet werden wir von einem Pistenschläger, einem Führer (Ranger) und zwei bewaffneten Soldaten der ugandischen Armee. Unsere Begleiter führen nicht nur Touristen, sondern legen auch Wilderern das Handwerk, denn Gorillatrophäen sind auf dem Schwarzmarkt ein lukratives Geschäft.

Plötzlich knackt es im Funkgerät. Unser Spurensucher meldet, dass er die Gorillafamilie ausfindig gemacht hat, und gibt die Position dem Ranger unserer Gruppe durch. Kurz darauf sehen wir fünf Meter von uns entfernt etwas Großes, Schwarzes liegen. Rascheln aus dem dichten Buschwerk verkündet die Annäherung eines weiteren Lebewesens. Da! Von uns völlig unbeeindruckt stapfte ein prächtiges Gorillamännchen auf allen vieren an uns vorbei. So plötzlich wie er aufgetaucht ist, verschwindet er mitsamt seinem Artgenossen wieder im Unterholz. Wenn sich diese zwei Burschen hier herumtreiben, ist sicherlich der Rest der Familie nicht mehr weit weg. Ein paar Schritte weiter, und plötzlich stehen wir inmitten der Gorillafamilie!

Ein paar Gorillajungen hängen in den Bäumen herum, die Babys krabbeln am Boden durch die Gegend. Die Mamas sitzen ganz gelassen an Bäume gelehnt im Schatten, und der übermütige Nachwuchs hüpft auf ihrer Brust herum. Aber das scheint sie ebenso wenig zu stören wie das zahlreiche Klicken und Surren unserer Kameras.

Zu unserem unwahrscheinlichen Glück tapst auch noch ein entzückendes Gorillababy heran und saugt an der Brust seiner Mutter. Von weiter unten ertönt ein Geschrei, zwei Gorillakinder stürmen einen Baum hinauf, im Streit um die besten Blätter.

Oben am Hang – nur ein paar Meter von uns entfernt – steht der Chef der Truppe. Ein bulliger Silverback überwacht aufmerksam das Geschehen. Sein silberner Rücken glitzert wunderschön im Sonnenlicht, und es scheint, als ob er sich fürs Fotoshooting extra postiert hätte. Wir stehen mit großen Augen daneben und sind tief berührt von dieser wunderbaren Szenerie, dieser Harmonie und Friedfertigkeit. Dieses einmalige Erlebnis hat auch seinen Preis: Stolze 500 US-Dollar sind für den einstündigen Besuch bei einer Gorillafamilie zu berappen. Noch ein paarmal klicken die Verschlüsse unserer Kameras, ein letzter Blick zurück und der Besuch bei den Urwaldriesen ist viel zu schnell vorbei. Doch mein langgehegter Traum wurde Wirklichkeit.

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