Umbauten beginnen Ins Wilhelmspalais zieht nun das Stadtmuseum ein

Stuttgart - Es ist der Ort in Stuttgart, den die Sonne am Abend am längsten mit ihren Strahlen erfreut. „Die Treppe ist direkt auf die untergehende Sonne ausgerichtet“, sagt Stefan Mellmann von der Wagenhallen GbR und deutet mit einer Handbewegung auf die Stufen vor dem Wilhelmspalais. Kein Wunder, wurde doch das Palais 1834 bis 1840 von Giovanni Salucci gebaut – als Wohnsitz für Wilhelms Töchter Marie und Sophie.

Mag sein, dass besonders Prinzessin Marie von Württemberg, die dort bis 1887 lebte, manch einen Abend auf der Treppe stand und auf Stuttgart blickte. Gewiss ist indes, dass in den vergangenen eineinhalb Jahren ganz bürgerliche Menschen auf dieser Treppe die letzten Sonnenstrahlen des Tages und den Sonnenuntergang genossen.

Und kleine Konzerte. Denn als die Wagenhallen GbR im Frühjahr 2012 interimsweise die Organisation des Wilhelmspalais’ übernahm, wurde die Konzertreihe „Live auf der Treppe“ ins Leben gerufen – die schnell äußerst beliebt war.

Freilich hätte man sich auch schon zu Zeiten, als das Wilhelmpalais noch die Stadtbücherei beherbergte, dort auf der Treppe niederlassen, ein Buch lesen und die Sonne und die Aussicht genießen können. Doch manchmal muss einem Ort erst wieder neues Leben eingehaucht werden, damit er aus dem Dornröschenschlaf erwacht, in dem er lange lag. Und da kann eine neue Nutzung wahre Wunder bewirken.

Besucher kamen in Scharen

Nachdem die Stadtbücherei im Herbst 2011 in das neue Gebäude am Mailänder Platz gezogen war, stand das Wilhelmspalais leer. Erst im Herbst 2013 sollten mit den Umbauarbeiten zum Stadtmuseum begonnen werden. Die Stadt erklärte sich bereit, das Palais für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Die Macher von der Wagenhallen GbR hatten daraufhin eine Mail an die Stadt geschrieben und angeboten, diese Veranstaltungen zu organisieren. Und sie wurden genommen. „Ich glaube, die Stadt war froh, dass sie jemanden gefunden hatte, von dem sie wusste, dass der das auch kann“, sagt Mellmann. Schließlich hatten er und sein Partner Thorsten Gutbrod schon bei den Wagenhallen bewiesen, dass sie einen Ort zu bespielen wissen.

An das Wilhelmspalais musste sich Mellmann aber dann erst einmal gewöhnen. „In den Wagenhallen waren wir immer für uns – plötzlich waren wir mitten in der Stadt“, sagt er. Ein Umstand, denn er jedoch bald sehr zu schätzen lernte. Denn die Besucher kamen bald in Scharen. „Wir hatten Vernissagen mit 300 Besuchern und Theaterstücke, die sechsmal vor vollem Haus aufgeführt wurden“, sagt Mellmann. Das lag freilich auch am freien Eintritt, am Charme des Gebäudes – vor allem aber an der zentralen Lage. Ein weiterer Grund, der zum Erfolg führte, war, dass Mellmann und Co. „immer ein offenes Haus“ sein wollten und sie sich nicht festlegen ließen: „Wir waren offen für alle Künstler und Besucher“, so Mellmann.

Treppe wird Umbau zum Opfer fallen

Die Essenz aus diesen tollen Jahren soll nun die Abschlussparty sein: An diesem letzten Wochenende sollen möglichst viele Projekte, Reihen und Künstler, die in den vergangenen eineinhalb Jahren das Wilhelmspalais mit kulturellen Leben gefüllt haben, noch einmal auferstehen. Bevor das Licht ausgeht und die Sonne ein letztes Mal die Treppe bescheint – sie wird dem Umbau zum Opfer fallen.

„Schade ist es schon, dass wir jetzt raus müssen, wo es so gut läuft“, sagt Mellmann. Aber es sei von Anfang an klar gewesen, dass das Projekt nur bis Herbst 2013 laufen könne. „Wir haben keinen Grund zu meckern“, sagt Mellmann. „Aber wir haben gemerkt, dass Stuttgart einen solchen Ort braucht – mitten im Herzen der Stadt.“ Einen im Licht der Sonne.

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