Umgekippter Bagger bei Plüderhausen Keine Schäden für Flora und Fauna

Am Freitagnachmittag schwebt der Bagger an den Haken der Kräne über die Rems, an der Schaufel hängt noch das Öl-Vlies der Feuerwehr. Foto: Palmizi / ZVW

Plüderhausen. Zwei große Autokräne haben am Freitag den Bagger, der am Donnerstagvormittag in die Rems in Plüderhausen gekippt ist, aus dem Wasser gefischt. Es war eine langwierige Bergungsaktion, auch die Plüderhäuser Feuerwehr war die ganze Zeit vor Ort. Gute Nachrichten gibt es vom Amt für Umweltschutz: Ausgelaufener Diesel und Öl stellen wohl keine schwereren Beeinträchtigungen der Rems dar.

Gegen 15 Uhr am Freitagnachmittag war die Bergungsaktion dann endlich abgeschlossen. Zwei große Autokräne hievten den verunglückten Bagger zunächst aus dem Wasser ans flache Ufer unterhalb der Böschung. Und dann schwebte die 25 Tonnen schwere Baumaschine hoch durch die Luft, über die Bäume am Remsufer und auf einen bereitstehenden Tieflader. Damit nahm alles ein gutes Ende, nachdem die Aktion am Donnerstag gegen 21 Uhr abgebrochen worden war.

Zwar war es der Bergungsmannschaft am Donnerstagabend noch gelungen, den in der Rems liegenden Bagger aufzurichten, doch er blieb schräg hängen, ein großer Teil der Maschine befand sich weiterhin unter Wasser. Es haperte laut Bauunternehmer Thorsten Rall an mehreren Dingen: Die Anschlagpunkte für die Kräne am Bagger hätten nicht richtig funktioniert, außerdem habe Ballast gefehlt. „Es war auch zu gefährlich“, sagt er. Seine Leute hätten nicht weiter in der Dunkelheit auf dem herumklettern können.

Über Nacht kamen dann weitere tonnenschwere Gewichte für die Kräne per Tieflader an und wurden am Plüderhäuser Badesee geparkt. Von dort mussten sie mit einem weiteren Autokran auf kleinere Lkw verladen und Stück für Stück zur Unfallstelle gekarrt werden. Deswegen zog sich die Bergungsaktion so lange hin.

„Da kann es sein, dass die Kante, die vorher sicher war, erodiert ist“

„Es ist ein wirtschaftlicher Totalschaden“, sagt Bauunternehmer Thorsten Rall am Freitag während der Bergungsaktion. Er geht davon aus, dass Elektrik und Motor des Baggers hin sind. Auch das Führerhaus ist ziemlich ramponiert, das Dach eingedellt, die Scheiben der Kabine fehlen.

Rall ist jedoch vor allem erleichtert, dass sein Mitarbeiter heil aus dem Führerhaus herausgekommen ist. Es war wohl das Glück des Baggerfahrers, dass die Scheiben beim Sturz splitterten, denn das ganze Führerhaus seiner Maschine befand sich nach dem Sturz unter Wasser. So konnte er sich retten und kam mit leichten Schnittwunden an der Hand davon.

Zwei Meter tiefe Stelle

Wie und warum der Bagger gekippt ist, weiß auch am Freitag niemand ganz genau. Als er langsam auftaucht, ist erkennbar, wie tief die Stelle tatsächlich ist, an der er abgesackt ist. Thorsten Rall schätzt: „Um die zwei Meter.“ Der Bagger sei in dem Bereich vorher schon mehrmals hin und hergefahren. Durch Strömung und Druck der Ketten sei es möglich, dass der Untergrund sich bewegt habe.„Da kann es sein, dass die Kante, die vorher sicher war, erodiert ist“, sagt Rall.

Seine Baufirma war im Auftrag des Regierungspräsidiums (RP) dort im Bereich der Wilhelm-Bahmüller-Straße beim gerade erst renaturierten Rems-Abschnitt tätig. „Aufgrund des leichten Hochwassers Anfang Januar waren Arbeiten zur Wiederherstellung des Abflussquerschnitts notwendig“, erklärt das RP auf Anfrage. Es ging dabei, wie unsere Zeitung aus anderer Quelle erfahren hat, um das Wasserkraftwerk am Remswehr, das offenbar durch das vom Hochwasser angeschwemmte Material beeinträchtigt war. Die Baggerarbeiten, so das Regierungspräsidium, hätten innerhalb eines halben Tages abgeschlossen sein sollen.

Spezielle Vliese haben Diesel und Öl aufgesaugt

Ein langwieriger Einsatz war die Bergungsaktion nicht nur für die Mitarbeiter der Baufirma von Thorsten Rall und die Kranführer, sondern auch für die Plüderhäuser Feuerwehr. Ihrem schnellen Handeln am Donnerstag, mit Unterstützung der Feuerwehr Urbach, ist es zu verdanken, dass sich der Schaden für die Rems in Grenzen hält (siehe „Auswirkungen auf die Rems“).

Wenige Minuten nach der Alarmierung, kurz nach 11 Uhr, waren aus Plüderhausen und Urbach jeweils zwei Fahrzeuge mit zehn Mann vor Ort, um Öl-Sperren zu legen. Diese bestehen aus langen Bändern, die Feuerwehr spricht von Öl-Vliesen, die Öl und Diesel, die auf dem Wasser treiben, aufhalten und aufsaugen.

Feuerwehr vor Ort, falls Gefahrstoffe austreten

Auch am Freitag schwammen die weißen Bänder noch auf der Rems. Und auch drei Feuerwehrmänner standen ab 7.30 Uhr wieder am Ufer. „Das Landratsamt hat gesagt, so lange der Bagger sich im Wasser befindet, soll die Feuerwehr vor Ort bleiben, falls noch irgendwelche Gefahrstoffe austreten“, erklärt Kommandant Marc Angelmahr.

Für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus Plüderhausen gehen damit drei arbeitsreiche Tage zu Ende. Am Mittwochnachmittag brannte Müll an einem Gebäude, ebenfalls in der Wilhelm-Bahmüller-Straße und am Donnerstagvormittag um 11 Uhr begann dann der Einsatz beim Bagger, der bis zum Freitagnachmittag dauerte.


Auswirkungen auf die Rems

Am Donnerstag waren auch Mitarbeiter des Amts für Umweltschutz des Rems-Murr-Kreises vor Ort. Da aus dem Bagger Diesel und Öl in die Rems gelangten, überprüften sie, ob schlimmere Verunreinigungen aufgetreten sind. Am Freitag erklärte das Landratsamt auf Anfrage: „Vermutlich sind nur geringe Mengen an Diesel- und Hydraulik-Öl in die Rems gelangt – vor allem dank der schnellen Reaktion der Einsatzkräfte.“

Die Mitarbeiter des Amts für Umweltschutz nahmen an mehreren Stellen Gewässerproben. Das Ergebnis: „Der Unfall hatte keine erheblichen Auswirkungen auf den chemischen Zustand des Gewässers.“ Weiter schreibt das Landratsamt: „Es konnten keine Auswirkungen auf den biologischen Zustand oder die Gewässerfauna festgestellt werden.

Hilfreich war dabei wohl auch der Umstand, dass im betroffenen Bereich „derzeit keine Fische, Algen oder Kleinstlebewesen feststellbar“ waren, so das Landratsamt, „vermutlich wegen der Erdarbeiten im Zuge der Renaturierung“.

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