Umwelttechnologie Schickes Bad oder besser umweltbewusst heizen?

 Foto: dpa

Stuttgart - Nicht erst seitdem sich Hauseigentümer zuhauf Solaranlagen aufs Dach gepackt haben, ist offensichtlich: Umweltaspekte spielen beim Bauen eine immer größere Rolle.

Wer bauen will, geht dies heutzutage meist umweltbewusst an. Doch den ökologischen Wunschvorstellungen sind zumindest bei privaten Bauvorhaben schnell finanzielle Grenzen gesetzt. "Die Frage ist, was ich mir leisten kann", sagt Michael Bauer. Der Geschäftsführer der Drees&Sommer Advanced Building Technologies ist Experte für energieeffizientes Bauen und kennt als solcher die Zwänge. "Letztlich muss jeder Bauherr für sich entscheiden, ob er das ihm zur Verfügung stehende Geld eher ins Badezimmer oder ins Wohnzimmer steckt oder ob er es besser in den Heizkeller oder ins Dach investiert", sagt der promovierte Ingenieur.

Doch das ökologische Bewusstsein wächst. "Die grünen Themen sind im Kommen", ist Bauer überzeugt. "Die Leute wollen wieder verstärkt in Städten leben, sie wollen gesund essen und sportlich sein. Sie fragen, woher Produkte kommen und wie sie erzeugt wurden." Und dieser Umwelttrend kommt auch beim Bauen an.

In der internationalen Fachwelt hat sich dafür der Begriff "Green Building" für nachhaltiges Bauen durchgesetzt, in Deutschland spricht man seit 3 bis 4 Jahren davon. Als grün werden Gebäude bezeichnet, wenn Energie, Wasser und Material effizient eingesetzt und gleichzeitig die schädlichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt reduziert werden. Grün muss nicht gleichbedeutend mit teuer sein. "Nachhaltige Lösungen sind immer auch wirtschaftlich", räumt Bauer mit einem Vorurteil auf. Sie tragen zur Wertsteigerung einer Immobilie bei und reduzieren die Betriebskosten.

Der Weg zu einem Energieberater kann sich lohnen

Wird der Immobilienexperte zu einem Unternehmen geholt, das er bei den Planungen für ein Bauvorhaben unterstützen soll, entdeckt er vielfach noch Einsparpotenziale. "Wir setzen uns intensiv mit dem Projekt auseinander, analysieren, was der Kunde tatsächlich benötigt, und finden oft noch günstigere Lösungen", sagt Bauer. Dadurch ließen sich oftmals die Investitionskosten senken.

Für private Bauvorhaben kann sich der Weg zu einem Energieberater lohnen. Bei Ein- oder Mehrfamilienhäusern ist die zentrale Frage, wie geheizt wird. Ob mit einer Solaranlage auf dem Dach, die im Sommer das Wasser heizt, ob mit Holzpellets statt Gas, ob mit Geothermie oder mit einer Wärmepumpe mit Außenluft, zählt Bauer auf. Häufig würden im privaten Bereich nur die Investitionskosten betrachtet. Wie sich aber die Entscheidung zum Beispiel für Heizen, Verglasung oder Dämmung in den Folgejahren auf Energie, Wasser, Garten und Instandhaltung auswirkt, werde vielfach unterschlagen.

Häufig beeinflussen der Komfort und das ökologische Image die Entscheidung, was sich im grünen Bereich durchsetzt. Hier stellt Bauer "je nach Region unterschiedliche Trends" fest. So sei Frankfurt beispielsweise die "Passivhaus-Hauptstadt", sagt der Ingenieur. Passivhäuser sind so gebaut, dass die Wärme, die durch Beleuchtung, Personen und Sonneneinstrahlung entsteht, ausreicht, um zu heizen. So ein Haus kostet im Entstehen mehr, dafür sind die Energiekosten geringer. Auch in Freiburg sind Passivhäuser im Trend. "In anderen Gegenden haben solche Häuser einen negativen Touch", so der Planungsspezialist. "Dort finden Leute es nicht gut, dass in solchen Häusern keine Fenster geöffnet werden dürfen."

Seit der Finanzkrise hat der grüne Trend auch ältere Häuser erreicht. Es wurde weniger gebaut, dafür mehr Bestandsimmobilien saniert - nicht zuletzt um Kosten zu senken. Mit positiven Auswirkungen für den Klimaschutz. "Sanierungen sind heute so gut, dass die Umweltwerte hinterher im Bereich von Neubauten liegen", sagt Bauer. Bei vermieteten Gebäuden stellt sich für den Investor oftmals die Frage, ob er die Investitionskosten auf die Miete aufschlagen kann. Immer öfter hat er gar keine Wahl. So würden Investoren sagen, dass sie zwar bei der Vermietung oder dem Verkauf von grünen Gebäuden nicht deutlich mehr erzielen, de facto aber würden sie ohne dieses Angebot deutlich weniger am Markt bekommen, berichtet Bauer.

Umweltsiegel sind teuer

Mit einem Umweltsiegel kann man als Immobilienbesitzer die Nachhaltigkeit seines Gebäudes manifestieren. Doch Umweltsiegel sind teuer. Einfacher und günstiger lässt sich die CO2-Emission von Immobilien messen - also der ökologische Umgang mit Energie, gemessen am Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid. "Die CO2-Bilanz hat sich als internationale Währung für das Thema Klimaschutz durchgesetzt", sagt Bauer. Jeder kenne die CO2-Bilanz pro Kopf, pro Kilometer und pro Big Mac, so der Drees-&-Sommer-Geschäftsführer. "Warum soll sich nicht die CO2-Bilanz pro Quadratmeter durchsetzen?", fragt Bauer.

Der Immobilienexperte berichtet von gewerblichen Kunden, die ihre Gebäude bereits auf CO2-Emissionen durchleuchten lassen. So eine Bilanz könnte zum Beispiel Immobilienfonds als Entscheidungsgrundlage für einen Kauf dienen. "CO2-Emissionen von Immobilien könnten in der Branche der nächste Hype werden", ist Bauer überzeugt.

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