Ungewöhnliche Hobbys Winterbacher erschreckt gerne Menschen - und wie!

So sieht der "Schrecker" aus, wenn er seiner Arbeit nachgeht. Das Makeup legt er selbst auf. Foto: Mogck/ZVW

Ronny Hahnert schlüpft nicht nur zu Halloween in sein Kostüm. Mehrmals im Jahr verwandelt der "Schrecker" aus Winterbach sich in ein albtraumhaftes Wesen, um Menschen das Gruseln zu lehren. 

Horrorszenen im Erlebnispark Tripsdrill: Ein totenbleiches Wesen mit roter Kapuze springt auf ein kleines Mädchen zu. Das Kind rennt kreischend weg. Kein Wunder - wo die Augen des Wesens sein sollten, ist Schwärze, und wo die Handinnenflächen sein sollten, befinden sich Augen. Die Hände wild umherschwenkend zieht die Gestalt weiter ihre Kreise. Irgendwoher ertönt ein Schrei. Das kleine Mädchen hat inzwischen die Arme um seinen Vater geschlungen. "Du musst keine Angst haben", sagt er zu ihr und streichelt ihr den Rücken. "Das ist ein ganz normaler Mensch."

Dieser Mensch heißt Ronny Hahnert. Der 39 Jahre alte Winterbacher ist Mitglied im Verein MaisMaze e.V., einer Gruppe von knapp 50 Leuten, die es sich laut Website "zur Aufgabe gemacht haben, Angst und Schrecken zu verbreiten." Der Verein hat seine Arbeit 2007 in einem Ditzinger Maislabyrinth begonnen. Vier Jahre später überredeten Freunde den Winterbacher, dort mal vorbeizuschauen."Man glaubt gar nicht, was so ein Maisfeld im Dunkeln für eine Wirkung hat." Der Horrorfilm-Fan hat sich mächtig erschrocken - und wusste sofort: Da will ich mitmachen. 

"Man muss etwas tun, womit die Leute nicht rechnen"

Zwei bis zweieinhalb Stunden braucht Ronny Hahnert, um die Verwandlung vom Winterbacher Familienvater zum Albtraum der Schreckhaften zu vollziehen. Dafür benötigt er keine Hilfe. Das Gesicht schminkt er sich selbst, filmen lassen will er sich dabei aber nur kurz. "Das zu zeigen, würde die Illusion zerstören. Wie bei einer Zaubershow gehört es einfach dazu, nicht alles zu wissen", sagt er. Aber reichen ein bisschen Farbe und ein Kostüm aus, um ein guter "Schrecker" zu sein?


"Schrecker" - so bezeichnen sich die Darsteller des MaisMaze e.V. laut ihrem Pressesprecher Mathias Schwappach selbst. Zitat: "Neudeutsch heißt es 'scare actor', aber wir sagen 'Schrecker'."


Es gehört dann doch ein bisschen mehr dazu: "Man muss etwas tun, womit die Leute nicht rechnen, sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Sonst wird es ja auch für einen selbst irgendwann langweilig." Außerdem gebe es, so Hahnert weiter, auch einen Unterschied zwischen Gruseln und Erschrecken: "Gruseln ist ein permanenter Angstzutand. Du weißt genau, dass etwas passieren wird, aber du weißt nicht was." Erschrecken dagegen sei nur ein kurzes Zusammenzucken, eine spontane Reaktion auf das, was man sieht, meint der Winterbacher. Wenn er in seinem Kostüm während der "Schaurigen Altweibernächte" durch die Menge läuft, kommt beides zusammen.

Einsatz für ein Halloween voller Süßigkeiten

Ronny Hahnert setzt seine "Schrecker"-Künste aber nicht nur im Verein, sondern auch in seinem Heimatort Winterbach ein. "In einer Facebook-Gruppe habe ich mal gelesen 'Oh, in Winterbach, da ist ja nichts mit Halloween. Die armen Kinder klingeln und kriegen keine Süßigkeiten'. Das fand ich traurig." Deshalb verwandelte er sich in den Mann mit den Augenhänden, schnappte Frau und Kind und einen Beutel Süßigkeiten und zog durch die Straßen. Jeder Gruppe von Kindern, an der sie vorbeikamen, drückte Ronny Hahnert etwas Süßes in die Hand.

"Halloween liegt mir sehr am Herzen", fasst er die Aktion zusammen. Vor allem Kinder sollten dabei ihren Spaß haben dürfen, auch wenn die Erwachsenen selbst das Fest vielleicht nicht feiern möchten, meint Ronny Hahnert (Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: "Halloween - Kult oder Kommerz?").

Am Schluss kommt immer das Lachen

"Ich bin durchaus schreckhaft", gibt Ronny Hahnert zu. Nicht nur das: Der "Schrecker" lässt sich selbst auch wahnsinnig gerne erschrecken. Und so wie er Freude dabei verspürt, durch die Grusel-Labyrinthe seiner Kollegen zu streifen, ist es sein Ziel, dieses Gefühl auch bei anderen auszlösen. 

Natürlich hat Ronny Hahnert mit seinem furchteinflößenden Auftreten auch schonmal jemanden zum Weinen gebracht. Darauf ist er nicht stolz. Dass es in der Regel anders abläuft, zeigt sich, als er im Kostüm seine Runden dreht: Wenn der Winterbacher seine seltsamen Augen auf umherlaufende Menschen richtet, springen sie einander regelrecht an. Kinder verstecken sich hinter den Eltern, Mädchen verschwinden kreischend hinter dem Rücken ihrer Freundinn oder ihres Freundes. Und dann, wenn der erste Schreck sich gelegt hat? Manche grinsen, andere brechen in schallendes Gelächter aus. Hahnert: "Wenn ich das höre, weiß ich - das haste eigentlich gut hingekriegt." 


Tipps für Neueinsteiger

"Man muss Spaß daran haben, mit Leuten zu interagieren", rät der Winterbacher Neu-"Schreckern". Deshalb: Bloß nicht schüchtern sein!

Außerdem brauche es auch ein gewisses Maß an Kreativität und Furchtlosigkeit. "Man muss bereit sein gruselige Sätze zu sagen wie 'Ich nehm' dich mit in den Keller und reiße dir die Augen aus' - oder ähnliches." 

Und keine Angst: Finanziell ruinieren muss man sich auch nicht. "Professionelles Makeup ist nicht unbedingt nötig um Leute zu erschrecken. Es reicht auch schon irgendeine Kutte, Dunkelheit und eine Ecke, aus der man hervorspringen kann."

Beim MaisMaze e.V. hat man übrigens einmal im Jahr die Möglichkeit, sich bei einem Casting zu zeigen. So hat es auch Ronny Hahnert ins Ensemble geschafft. Weitere Informationen finden Sie auf der Vereinshomepage


Ungewöhnliche Hobbys

Sie haben auch ein ungewöhnliches Hobby? Schreiben sie uns eine kurze Mail an alexander.roth@zvw.de oder erzählen uns am Telefon unter der 07151/566396 davon.

Einzige Bedingungen:
- Sie wohnen im Rems-Murr-Kreis
- Sie möchten ihr Hobby gerne mit der Welt teilen …
- … und sind auch bereit, es vor der Kamera vorzuführen/darüber zu sprechen 

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