Unified Inbox in Winterbach WhatsApp-Chat mit der Kaffeemaschine

Die Kaffeemaschine lässt sich per SMS oder Whatsapp aktivieren. Foto: Unified Inbox GmbH

Winterbach. Eine Sprachnachricht reicht aus: „Bitte einen Cappuccino.“ Bernd Krieger steht im Showroom von „Unified Inbox“ in Winterbach und versendet die Bitte per WhatsApp. Man könnte meinen, im nächsten Moment käme ein Sekretär mit der Tasse Kaffee. Doch Verkaufsleiter Krieger steht selbst auf, geht um die Ecke und hält das dampfende Getränk in der Hand.

Er hat gerade direkt mit der Kaffeemaschine kommuniziert, und sie hat den gewünschten Befehl ausgeführt. Möglich macht das der „Unification Engine“. Diese Technologie wurde von UIB entwickelt, dem Unternehmen des gebürtigen Winterbachers Toby Ruckert.

System ermöglichte ursprünglich das Bündeln von Nachrichten

Grundlegend handelt es sich um eine Plattform, die alle Kommunikationskanäle integriert. Ursprünglich ermöglichte das System also, alle SMS, WhatsApp-Nachrichten, E-Mails, Facebook-Chats auf einem gewünschten Kanal zu versenden und zu empfangen. Anstatt unzählige Apps für Kommunikation zu verwenden, kann der Nutzer eine auswählen und seine Nachrichten bündeln. „Gerade im Geschäftsleben ist das sehr hilfreich, da die vielen, länderspezifischen Nachrichtendienste zusammengefügt werden können“, sagt Toby Ruckert.

Über WhatsApp mit allen Geräten im Haus kommunizieren

Das System ermöglicht außerdem die Kommunikation mit dem „Smart Home“, dem vernetzten Zuhause. Wer eine internetfähige Kaffeemaschine besitzt oder wessen Kühlschrank vernetzt ist, der kann generell mit dem Gerät kommunizieren.

Das geschieht aber normalerweise über eine herstellerspezifische App. Auch hier gilt normalerweise: viele verschiedene Geräte, viele verschiedene Apps. „Im Schnitt werden aber auf dem Smartphone nur drei bis vier Apps tatsächlich regelmäßig benutzt“, sagt Bernd Krieger. Da der Nutzer eben gerne seine Kommunikation vereinfache, greift dort das System von UIB. Es ermöglicht, über den Kommunikationskanal der Wahl – beispielsweise WhatsApp – mit allen Geräten im Haus in Kontakt zu treten. Um die Technologie zu nutzen, sei lediglich eine Registrierung mit der Handynummer nötig. Das Gerät, etwa die Kaffeemaschine, bekommt ebenfalls eine Nummer zugewiesen. Diese speichert man als Kunde dann in das Adressbuch ein und kann sich nun mit den smarten Geräten verbinden.

Maschine kann auch Schwäbisch lernen

Die Nachricht mit einem Anliegen des Nutzers wird zunächst an den „Unification Engine“ versendet. Das kann ein Befehl sein – „Bereite mir einen Milchkaffee zu“ – oder eine Statusabfrage: „Läuft die Geschirrspülmaschine noch?“ Es kann entweder gesprochen oder geschrieben werden. Der Unification Engine interpretiert das Anliegen, gibt es an den Hersteller und somit das Gerät weiter. Die Antwort wird dann wieder an den Unification Engine zurückgegeben und dort in Schrift übersetzt. „Wir sind somit ein Universalübersetzer in der Mensch-Maschinen-Kommunikation“, erklärt Toby Ruckert.

Darüber hinaus ist der „Engine“ durch eine künstliche Intelligenz lernfähig. Beispielsweise könne die Software ein Anliegen auf Schwäbisch zunächst nur schwer verstehen. Wenn man dieses aber auf Hochdeutsch wiederhole, sei in Zukunft auch die Dialekt-Variante mit der spezifischen Reaktion des Geräts verbunden. Abgesehen von Schwäbisch sind auch andere „Fremdsprachen“ verfügbar.

Ungewöhnliche Laufbahn als Unternehmer

UIB sitzt hauptsächlich in Singapur. Dort wurde der „Unification Engine“ entwickelt. Außerdem befinden sich Standorte in Bangalore, Dubai, San Francisco, Auckland und nun eben in Winterbach. Hier wurde Toby Ruckert geboren. Er hat eine ungewöhnliche Laufbahn als Unternehmer hinter sich: Zunächst studierte er Musik. Doch anstatt eine Karriere als Pianist einzuschlagen, gründete er 1999 mit Anfang 20 sein erstes Unternehmen. Gemeinsam mit seiner Frau baute er eine Firma für Lampen auf, die das Leuchtspektrum der Sonne nachahmen. 2002 gründete Ruckert außerdem einen Vertrieb für Gesundheits- und Wellnessartikel. Dank des geschäftlichen Erfolgs konnten die beiden 2003 nach Neuseeland auswandern. Das Lampenunternehmen, das dort seinen Sitz hat, besteht bis heute und wird von seiner Frau geleitet. 2010 wurde UIB gegründet, 2011 der erste Prototyp vorgestellt. Nun die Eröffnung des Standorts Winterbach.

Geschäftliche Vorteile im Remstal

Einerseits sei es schön, wieder nach Hause zu kommen. Doch das Remstal habe auch geschäftliche Vorteile. Es befinden sich einige Unternehmen in Reichweite, die sich schon jetzt oder in Zukunft mit smarter Vernetzung beschäftigen. Trotzdem sei der Markt in Asien oder Amerika fortgeschrittener. Dort würde das Potenzial des Systems bereits weitreichender genutzt. Konzepte wie eine vernetzte Fabrik seien in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Anders sehe dies vor allem in China aus. Dort sei man nicht weit davon entfernt, in der Produktion beispielsweise einer Maschine Befehle zu geben oder Fragen zu stellen.

Vernetzte Fabrik, vernetzte Stadt: Das ist die Zukunft

Oder aber die vernetzte Stadt, in der jeder Bewohner etwa eine kaputte Straßenlaterne melden kann und über mögliche Ausfälle des Wassers informiert wird. Solche Ideen einer „Smart City“ seien bereits in Malaysia oder Indonesien verwirklicht worden.

Da es sich um einen universalen Kommunikationskanal handelt, seien den Einsatzmöglichkeiten relativ wenige Grenzen gesetzt. Sicherlich, momentan sind komplett vernetzte Inneneinrichtungen in Deutschland eher die Ausnahme. Auch wird es noch ein wenig dauern, bis wir die Produktion in Fabriken durch das Internet verbinden. Doch diese Techniken werden kommen. „Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird sich unsere Welt komplett verändern“, sagt Bernd Krieger. Die künstliche Intelligenz habe eine gewaltige Kraft und berge selbstverständlich auch Risiken. Hierfür empfiehlt Krieger die Lektüre des dystopischen Romans „Der Circle“ von Dave Egger aus dem Jahr 2013. Er erzählt von zunehmender Überwachung und sozialer Kontrolle. Doch genau dieses Bewusstsein sei wichtig, um die Zukunft eben anders zu gestalten. Das bedeute, verantwortlich mit künstlicher Intelligenz umzugehen. „Wir werden die künstliche Intelligenz nutzen müssen. Es liegt an uns, dies positiv zu tun.“


Die Sicherheitsfrage

Ähnliche Funktionen wie UIB bieten auch Assistenten wie „Alexa“ von Amazon Echo oder „Siri“ bei Apple. Diese würden jedoch permanent zuhören, um immer verfügbar zu sein. Außerdem gingen die Rohdaten stets an den Hersteller, was bei Unified Inbox nicht der Fall sei. „Unser System ist nur aktiv, wenn es kontaktiert wird“, erklärt Bernd Krieger. „Außerdem interpretieren wir die Daten lediglich und speichern sie nicht.“

In Bezug auf Sicherheit koppelt sich die Software logischerweise an den Nachrichtendienst, den der Nutzer ausgewählt hat. Threema oder Telegram gelten beispielsweise als sehr sichere Varianten. Doch auch der Facebook Messenger verlangt eine mehrfache Autorisierung, um sicherzustellen, dass man tatsächlich selbst schreibt.

Falls das Gerät und somit der Zugang zu den gewählten Nachrichtendiensten jedoch gestohlen würde, greife ein Sicherheitsverfahren, das von Ruckerts Firma entwickelt wurde. Als Nutzer müsse man einen bestimmten Code von einem anderen Gerät versenden. Die Nutzerkonten könnten dann problemlos abgemeldet werden und der Zugriff sei aufgehoben.

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