Unser Verein Die Waiblinger Amateurfunker

Helge Juch (vorne) und Stefan Engelbert senden mit ihrem Funkgerät in der Clubstation Nachrichten an Funker auf der ganzen Welt. Foto: Gabriel Habermann

Waiblingen-Neustadt. Kommunikation und Technik vereint in einem Hobby? Das Amateurfunken schafft’s. In Waiblingen gibt es aktuell 83 Funker, die dem Deutschen Amateur-Radio-Club angehören. Sie haben sich in einem Ortsverband organisiert, in dem sie Verbindungen in alle Himmelsrichtungen aufnehmen.

Es rauscht, es knackt, eine Stimme ist zu hören – die Funkverbindung steht. Doch mit wem? Charlie-Tango-Seven-Alpha-Charlie-Papa, ist zu hören. Die Funker wissen sofort Bescheid: Charlie-Tango (CT) steht für Portugal. Der Waiblinger Funker Helge Juch (63) sitzt vor dem Funkgerät: „My name is Helge, Hotel-Echo-Lima-Golf-Echo.“ Die Funker verständigen sich über das internationale Buchstabieralphabet und typische Funkerabkürzungen. Kurz tauscht er sich mit dem Portugiesen über seinen Standort aus, macht sich Notizen und verabschiedet sich dann. Er schaltet das Funkgerät aus, die Zufallsverbindung ist vorbei.

Bereits 285 von 340 Gebieten hat Helge Juch per Funk erreicht

Seit 25 Jahren ist Helge Juch Mitglied im Ortsverband Waiblingen, den es seit 1973 gibt. Im Verband ist er momentan als Kassierer tätig. Bis jetzt hat er Kontakt mit Funkern aus 285 Gebieten aufgenommen. Insgesamt gebe es 340 Gebiete, erklärt er. Dass diese nicht mit Ländergrenzen gleichzusetzen sind, wird bereits an der Zahl deutlich. Die USA sind beispielsweise aufgeteilt in drei Gebiete: Alaska, Hawaii und USA. Russland besteht aus zwei Teilen, dem asiatischen und dem europäischen. Das Ziel vieler Funker: Bis zum Ende des Funkerlebens möglichst viele Orte per Funk erreicht zu haben.

An den Wänden der Clubstation in Neustadt hängen Weltkarten. Elektronische Geräte mit vielen Knöpfen und Reglern reihen sich aneinander, ein großer Tisch steht in der Mitte. Hier sitzen rund 25 Funker jeden Montagabend zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Da gehe es dann meist um technische Fragen. Auch wird die Clubstation für Vorträge über neue Entwicklungen und für die Teilnahme an Wettbewerben genutzt. Gebastelt und gefunkt wird meistens zuhause. Denn jeder Funker hat daheim eine eigene Station, die er nutzt. „Wir sind Individualisten“, sagt Juch.

„Das Berufsspektrum reicht vom Friedhofsgärtner bis zum HNO-Arzt“, sagt der 63-Jährige. Nur ein geringer Teil der Mitglieder beschäftige sich auch bei der Arbeit mit Technik. Was die Funker verbindet, ist die Freude an Verbindungen, am Experimentieren und am Prüfen. „Wenn wir Funkverbindungen machen, ist das immer eine Zufallsverbindung“, sagt Juch. „Das kann auch Schwäbisch-Gmünd sein oder in Wladiwostok in Russland.“ Denn wohin die Wellen, die das Signal tragen, gehen, hänge von physikalischen Bedingungen ab, die durch Jahres- und Tageszeiten beeinflusst werden. Der Ultrakurzwellen-Bereich könne Strecken von 300 bis 400 Kilometern überwinden. Wenn es weiter gehen soll, wird über Kurzwellen gefunkt.

Der Anspruch und Reiz bestehe darin, mit möglichst wenig Aufwand große Entfernungen zu überbrücken, erklärt Juch. Wenn die Funker sich messen, bekommt das Hobby auch einen „sportlichen Charakter“. Bei Wettbewerben kann das Ziel sein, möglichst viele Funkverbindungen herzustellen, die höchste Entfernung zu erreichen oder in Kontakt mit verschiedenen Ländern zu treten. „Wir freuen uns, wenn möglichst viele Verbindungen mit möglichst vielen Stellen auf der Welt entstehen“, sagt Juch.

„Wir schalten unsere Weltanschauung aus“

„Die Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Menschen ist wichtig“, findet Juch. Funker sollten kein Problem damit haben, mit Menschen aus der ganzen Welt zu sprechen. „Wir schalten unsere Weltanschauung aus.“ Über Politik würde er daher nicht sprechen. Die Gespräche drehen sich eher ums Fachliche. Mit Zahlen wird zum Beispiel ausgedrückt, wie gut der Gesprächspartner zu verstehen ist oder wie stark das Signal seiner Antenne ist.

Nicht nur können Unterhaltungen über Worte funktionieren, auch Zeichen können per Funk übermittelt werden – zum Beispiel über die Morsetelegrafie, die inzwischen zum immateriellen Kulturerbe zählt. In eine Bonbondose hat Juch ein Morse-Funkgerät eingebaut (siehe Foto). Laut Stefan Engelbert, Vorsitzender des Ortsverbands, gehört zum Funkerleben eben auch, Geräte selber zu bauen.

Alle Teile der Serie "unser Verein" gibt es hier.


Funken in den Sommerferien

  • Beim Sommerferienprogramm der Stadt Waiblingen macht der Verband seit rund 15 Jahren mit. Maximal zehn Kinder können auch dieses Jahr wieder daran teilnehmen.
  • Nachwuchsprobleme gehen die Funker dadurch an, dass es seit rund sieben Jahren eine Jugendgruppe gibt. Alle zwei Wochen werden den Kindern elektrotechnische Kenntnisse vermittelt.
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