Unsere Feuerwehr 10 Brandschutz-Tipps für zu Hause

Waiblingen. Die beste Form der Brandbekämpfung ist die Brandverhütung. Deshalb zählen Aufklärung und Prävention zu den wichtigsten Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr. In der vierten Folge unserer Serie „Unsere Feuerwehr“ geben wir praktische Tipps für mehr Sicherheit im Alltag und fürs richtige Verhalten im Ernstfall.

Video: So wird der Feuerlöscher richtig eingesetzt.

1. Notruf 112: Er gilt europaweit und ist rund um die Uhr erreichbar. Damit die richtigen Fahrzeuge und ausreichend Personal geschickt werden können, sollte der Anrufer die „fünf W“ beantworten: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Die integrierte Leitstelle in der Henri-Dunant-Straße betreut den gesamten Rems-Murr-Kreis, in dem es mehr als eine „Hauptstraße“ oder „Bahnhofsstraße“ gibt. Die Nennung des Ortes vermeidet, dass in mehreren Gemeinden Rettungskräfte alarmiert werden. Wie viele Verletzte oder betroffene Personen gibt es? Wer ruft an? Das kann wichtig für Rückfragen sein. Warten auf Rückfragen: Nie als Erster auflegen, sondern abwarten, bis die Leitstelle erklärt hat, dass sie alle nötigen Infos hat. Jürgen Aldinger, stellvertretender Kommandant der Gesamtwehr Waiblingen, weiß: Die wenigen Minuten vom Absetzen des Notrufs bis zur Ankunft der Feuerwehr können einem quälend lang vorkommen, trotzdem: Bitte nicht mehrmals anrufen!

2. Aufzüge: Sie dürfen im Brandfall nicht benutzt werden, selbst wenn sie problemlos zu funktionieren scheinen. Problem: Durch Brandrauch werden die Lichtschranken des Aufzuges unterbrochen, die Türen lassen sich dadurch nicht mehr schließen und die Insassen sind im verrauchten Bereich gefangen – Lebensgefahr! So geschehen beim Flughafenbrand 1996 in Düsseldorf.

3. Rauchwarnmelder: Die Warngeräte müssen in Neubauten und in bestehenden Gebäuden installiert werden. Jährlich sterben 400 Menschen in Deutschland bei Bränden, die Mehrzahl von ihnen in Privathaushalten. 95 Prozent fallen dabei nicht den Flammen zum Opfer, sondern einer Rauchvergiftung. Rauchwarnmelder können diese Gefahren reduzieren. Sie warnen zuverlässig, auch im Schlaf, vor Brandrauch und geben ihnen die Möglichkeit, sich selbst und andere in Sicherheit zu bringen und die Feuerwehr zu rufen.

4. Feuerlöscher: Für den Hausgebrauch empfiehlt Jochen Wolf, Gesamt-Kommandant der Feuerwehr Waiblingen, Wasserslöscher statt Pulverlöscher. Denn der Schaden, den das Pulver an der Einrichtung abrichtet, ist mitunter immens und steht oft nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Ausmaß des Brandes. Feuerlöscher sollten nicht gegen die Windrichtung eingesetzt werden. Sind mehrere vorhanden, sollten die Anwesenden gleichzeitig sprühen, nicht nacheinander. Danach die Brandstelle nicht verlassen – und benutzte Löscher nicht wieder aufhängen.

5. Treppenhäuser: Hier dürfen grundsätzlich keine Gegenstände gelagert oder aufgestellt werden. Dies gilt auch für Kinderwagen, Fahrräder und Kleinmöbel. Gegenstände engen die Laufbreite ein. Gerade im Brandfall können dadurch die Nutzer des Gebäudes sowie die Einsatzkräfte der Feuerwehr behindert und zusätzlich gefährdet werden. Treppenräume sind Bestandteil des Rettungsweges in einem Gebäude. So weit die gesetzliche Lage, die vor allem übertriebenes Vollstellen von Treppenhäusern verhindern soll. Ein Paar Schuhe zum Beispiel sollten – eigentlich – kein Problem sein.

6. Garagen: Sie dienen laut Gesetz zum Abstellen von Kraftfahrzeugen und sollten nicht, wie in der Praxis sehr verbreitet, für eine andere Nutzung zweckentfremdet werden. In Kleingaragen bis 100 Quadratmetern dürfen 200 Liter Dieselkraftstoff und bis zu 20 Liter Benzin in dicht verschlossenen und bruchsicheren Behältern aufbewahrt werden. In größeren Garagen ist es grundsätzlich untersagt, Kraftstoffe außerhalb von Kraftfahrzeugen zu lagern. Erlaubt sind aber ein Satz Reifen, ein Gepäckträger oder eine Dachbox. Fahrräder können ebenfalls bedenkenlos abgestellt werden.

7. Brandschutztüren: Damit sie im Brandfall wirklich geschlossen sind, dürfen Rauch- und Brandschutztüren auf keinen Fall verkeilt, festgebunden oder sonst wie festgesetzt werden. „Diese an und für sich selbstverständliche Regel wirft im Alltag immer wieder große Probleme auf“, so die Erfahrung der Feuerwehr. Bei einem eher harmlosen Kellerbrand im Wohnheim des Berufsbildungswerks Waiblingen drang Rauch durch die aufgekeilte Brandschutztür, so dass fünf Bewohner mit der Drehleier gerettet werden mussten.

8. Mehrfachsteckdosen: Bei unsachgemäßer Verwendung oder bei mangelnder Qualität bergen Mehrfachsteckdosen große Brandrisiken. Die vor allem in Privathaushalten weit verbreiteten Steckdosenleisten können sich bei elektrischer Überlastung entzünden und damit zur Gefahr werden. Gefährlich wird es immer dann, wenn zu viele Geräte mit hoher Stromaufnahme an einer Steckdosenleiste angeschlossen sind. Heizlüfter, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler oder Haushaltgrills gehören nicht an Mehrfachsteckdosen. Fernseher, DVD-Geräte, Stereoanlagen oder PCs können unbesorgt an Steckdosenleisten angeschlossen werden, sofern die Stromabnahme nicht 3000 Watt übersteigt. Wichtig bei der Nutzung von Mehrfachsteckern ist aber, dass die Leiste nicht abgedeckt ist oder beim Betrieb in Kartons oder hinter Möbeln verschwindet. Auch dürfen Steckdosenleisten niemals hintereinander geschaltet werden. In Nassräumen wie Bädern oder im Spülbereich der Küche müssen Mehrfachsteckdosen grundsätzlich vermieden werden.

9. Feuerwehr-Zufahrten: Gelangen Menschen nicht durchs Treppenhaus aus einem brennenden Haus, kann die Freiwillige Feuerwehr sie über die (Dreh-) Leiter retten. Damit die Einsatzkräfte die Leiter in Stellung bringen können, dürfen Feuerwehrzufahrten und die Aufstellflächen zu keiner Zeit durch parkende Autos versperrt sein.

10. Parken: In Wohngebieten verengen teilweise parkende Autos die Fahrbahn so stark, dass ein Feuerwehrfahrzeug nicht oder nur schwer, das heißt mit hohem Zeitaufwand, passieren kann. Beim Parken sollten Autofahrer deshalb mindestens drei Meter Fahrbahnbreite frei lassen.

Und im Ernstfall?

Bewahren Sie Ruhe. Bringen Sie sich und andere in Sicherheit. Alarmieren Sie sofort die Feuerwehr über Notruf 112. Unternehmen Sie nur Löschversuche, wenn Sie sich nicht selbst gefährden.

Brand in der Wohnung: Schließen Sie die Tür des vom Brand betroffenen Raumes. Schließen Sie nach dem Verlassen der Wohnung die Tür zum Treppenraum. Bewegen Sie sich in verrauchten Bereichen am Boden. Benutzen Sie niemals einen Aufzug als Fluchtweg. Informieren Sie die Einsatzkräfte der Feuerwehr: Was ist passiert? Wo ist es passiert und wie gelangt man dort hin? Sind noch Personen im Gebäude? Halten Sie gegebenenfalls alle nötigen Schlüssel für das Gebäude bereit.

Ist das Treppenhaus verraucht? Schließen Sie unbedingt die Tür zum Treppenraum. Dichten Sie den Türspalt Ihrer Wohnungstür mit einem feuchten Tuch ab. Begeben Sie sich in einen sicheren Raum und machen Sie sich am geöffneten Fenster bemerkbar.

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