Unsere Feuerwehr Das Wichtigste: Menschen retten

Waiblingen. Höchste Priorität bei Feuerwehr-Einsätzen hat immer, wenn jemand gefährdet ist, die Rettung von Menschenleben. Wenn sich etwa bei einem Gebäudebrand im Treppenhaus giftiger Rauch ausbreitet und den Bewohnern den Fluchtweg abschneidet, dann bietet die Drehleiter die sicherste Hilfe.

Video: In der Serie Unsere Feuerwehr geht es huete um Menschenrettung über die Drehleiter.

Es hängt nicht nur von der Höhe ab. Die Drehleiter braucht die Freiwillige Feuerwehr mitnichten nur, wenn Hochhäuser brennen, sondern vielleicht noch öfter bei Kellerbränden. So geschehen bei einem Feuer im Berufsbildungswerk Waiblingen. Durch eine aufgekeilte Brandschutztür war dicker Qualm ins Treppenhaus gedrungen, die Flucht nach unten wäre lebensgefährlich gewesen. So retteten die Einsatzkräfte fünf Mädchen mit der Drehleiter vom Balkon des ersten Obergeschosses.

Gegen eine Flammenwand

Nicht schwindelerregend hoch, aber sicher und effektiv. Anders beim Hochhaus-Brand in der Friedrich-Schofer-Straße vor wenigen Jahren: Da setzte die Feuerwehr die Drehleiter ein, um den Brand zu bekämpfen. „Ein mulmiges Gefühl, so gegen eine Flammenwand zu fahren“, berichtet Thomas Zuber, Ausbilder an der Drehleiter, der bei diesem Einsatz als Maschinist dabei war. Wie eigentlich alle Fahrzeuge der Feuerwehr ist sie multifunktional. Bei Industriebränden zum Beispiel kann an einem Wenderohr ein Schlauch verschraubt und an der Leiter aufgezogen werden, so dass bis zu 2000 Liter Wasser pro Minute aufs Objekt geschleudert werden.

Drehleitern in Waiblingen und Remseck

Die Drehleiter der Bauart DLA (K) 23/12 ist beim Feuerwehrhaus in der Kernstadt stationiert. Die Zahlen bezeichnen die maximale Arbeitshöhe: Bei einem Abstand von zwölf Metern zum Gebäude kann der Maschinist den Korb (K) auf 23 Meter anheben, in der Regel bedeutet das bis zum siebten oder achten Stock. Das korrekte Stellen des Drehleiter-Fahrzeugs ist äußerst komplex und erfordert eine intensive Ausbildung, die zusammengerechnet ein Jahr umfasst. Eine weitere Drehleiter ist in Remseck stationiert, hier kooperiert Waiblingen mit der Nachbarstadt. Denn nicht jedes Haus in Bittenfeld könnten die Waiblinger mit der eigenen Drehleiter innerhalb der geforderten zehn Minuten erreichen.

Feinarbeit ist gefragt

Den Korb genau zu einem geöffneten Fenster zu steuern, verlangt den Feuerwehrleuten Feinarbeit ab. Besonders dann, wenn der Notarzt anordnet, dass Schwerverletzte oder Kranke nur in horizontaler Lage bewegt werden dürfen. Dann wird der zu rettende Mensch so auf die Krankentrage geschnallt, das weder Arme noch Beine zur Seite baumeln können, und die Liege sodann auf den Leiterkorb montiert. Weil das Ausfahren der vollen Leiterlänge 75 bis 90 Sekunden dauern kann und das Fahrzeug nicht überall hinkommt, bleibt als lebensgefährliche Alternative in extrem seltenen Fällen die Ultima Ratio: das Sprungpolster. In wenigen Sekunden aufgeblasen, bietet es eine Landefläche von 4,50 auf 4,50 Metern. Was vom siebten Stockwerk aus winzig wirkt. Einen Sprung mit derart riskanter Trefferquote wagt nach Einschätzung der Retter nur, „wem schon der Kittel brennt“. 

Zwei- bis dreimal wöchentlich

Zwei- bis dreimal wöchentlich rückt die Waiblinger Wehr mit der Drehleiter aus, wobei sie zum Glück nicht immer gebraucht wird – aber gebraucht werden könnte. Bei gefährlichen Einsätzen in brennenden Gebäuden platziert sie der Maschinist als schnelle Rückzugsmöglichkeit für den Angriffstrupp – das nennt sich dann „Anleiterbereitschaft“. Bei Verkehrsunfällen dient die Leiter außerdem als Tragegerüst für Scheinwerfer, um bei Nacht den Einsatzort auszuleuchten.

Fachgruppe Absturzsicherung

Unter anderem dort, wo die Drehleiter mangels Rangierfläche oder Zufahrtsmöglichkeit nicht hingelangt, kommt die Fachgruppe Absturzsicherung ins Spiel. Ausgerüstet mit Seilen und Karabinern wie alpine Kletterer, kann das 17-köpfige Team um Martin Janik und Peter Kern verunglückten Bauarbeitern aus einer Grube helfen, wie im Sommer an der Hotel-Baustelle Fronackerstraße geübt, oder nach Unwettern beschädigte Dächer sichern. So war die Truppe beim Sturmtief Niklas 2015 zwei Tage im Einsatz. Auch nach dem Hagelsturm von Reutlingen 2013 halfen die Waiblinger auf der Alb aus, wo Tausende von Dächern kaputt waren. Permanentes Training und starke Kondition sind Voraussetzungen für die Höhenspezialisten. „Ich bin froh, dass ich als Einsatzleiter in brenzligen Situationen auf das hoch qualifizierte Team zurückgreifen kann“, sagt Kommandant Jochen Wolf, „Feuerwehr ist Teamarbeit, das gilt besonders bei der Rettung von Personen.“

Alle Teile der Serie "Unsere Feuerwehr" mit vielen Bildern und Videos finden Sie unter www.zvw.de/feuerwehr.

Autounfälle

Drei- bis viermal im Jahr muss die Waiblinger Feuerwehr zu schweren Verkehrsunfällen ausrücken. Dank verbesserter Fahrzeugtechnik werden zwar weniger Menschen eingeklemmt als früher, andererseits birgt High Tech neue Herausforderungen. So versuchen die Retter rasch, Batterien und Airbags zu lokalisieren, damit es nicht zu weiteren Verletzungen kommt.

Das Vorgehen: Unfallort sichern, Zugang zum Unfallauto schaffen, die Verunglückten schonend aus dem Auto schaffen und zur Not mit technischem Gerät wie Scheren und Spreizern befreien. Die Rettung nach Autounfällen zählt zu den psychisch belastendsten Einsätzen der Feuerwehr.

  • Bewertung
    0
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!