Unsere Feuerwehr Die andere Seite der Feuerwehr

Waiblingen. Die Freiwillige Feuerwehr hat mehr zu bieten als Schläuche und Leitern, rote Autos und verrußte Gesichter. Beim Spielmannszug und beim Sport wird der Teamgeist abteilungsübergreifend gepflegt. Was nicht nur Spaß macht, sondern auch bei Einsätzen von Nutzen sein kann.

Video: Die Feuerwehr Waiblingen zeigt wie musikalisch und sportlich sie ist.

Im Ernstfall sind Feuerwehrleute hohen psychischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt. Atemschutzträger etwa schleppen rund 25 Kilo Ausrüstung mit sich. Um damit klarzukommen, ist ausreichende Fitness unabdingbare Voraussetzung. Vor Jahren belegte eine Studie, dass viele Feuerwehrleute über ihre Grenzen gehen und damit ihrer Gesundheit schaden. Das Innenministerium mit der Landesfeuerwehrschule, der Landesfeuerwehrverband und die Unfallkasse Baden-Württemberg haben im Jahr 2004 die Aktion „Fit for fire-fighting“ ins Leben gerufen. Alle Einsatzkräfte sind angehalten, Sport zu treiben, entweder als Fußballer, Handballer, Leichtathleten et cetera im Verein – oder in der feuerwehreigenen Sportgruppe.

Radsportgruppe plant Tour mit Ziel Virginia Beach

Zwei Dutzend Kameraden sind in der Regel mit von der Partie, wenn Trainer Stephan Westhäußer, Sportlehrer und Mitbegründer der Waiblinger Kindersportschule Kiss, zum Kraft-Ausdauer-Zirkeltraining bittet. Mit unendlich viel Übungsleiter-Erfahrung versteht er’s, feiertypische Bewegungsabläufe einzubauen und anstrengende Aufgaben so zu verpacken, „dass die Leute erst hinterher merken, dass sie platt sind“. Ein bisschen Luft bleibt dann immer noch für das sportliche Spaß-Highlight: Volleyball, Badminton oder bei Gelegenheit einmal eine Partie Prellball mit einem alten Recken vom VfL, Basketball mit einem US-Profi oder – für demnächst geplant - Gymnastik mit einer Tänzerin vom Stuttgarter Staatsballett. Die Mischung macht’s und das gemeinschaftliche Schwitzen schweißt die Sportler richtig zusammen, was sich in Extra-Aktionen wie der Teilnahme beim Feuerwehr-Duathlon (Laufen und Radfahren) oder in Skiausfahrten zeigt.

Eine Radsportgruppe unternimmt jährlich eine größere Tour de Feuerwehr. In alle Waiblinger Partnerstädte sind sie bereits gestrampelt, dieses Jahr ging’s außerdem 1000 Kilometer von Warschau nach Riga. Übernachtet wurde in Feuerwehrhäusern, wobei die Radler über Sprachbarrieren hinweg unglaubliche Gastfreundschaft erlebten. „Man spürt überall, die sind vom gleichen Virus infiziert“, sagt der stellvertretende Kommandant Jürgen Aldinger. 2018 könnte es zur ersten Übersee-Tour kommen. Ziel soll die neue Waiblinger Partnerstadt Virginia Beach sein.

„Jeder hat eine soziale Ader, jeder ist top motiviert“

Als ebenso traditionsverbunden wie modern versteht sich der Spielmannszug der Feuerwehr. Dirigentin Bettina Missale, die schon im Bundesorchester für Spielleute musizierte, steht für sanfte Innovation, indem sie neben klassischer Spielmanns-Literatur auch Samba und Abba üben lässt. Bei den Hauptversammlungen der Waiblinger Feuerwehr stellt der Zug mit 20 aktiven Mitgliedern immer seine neuen Stücke vor und sorgt regelmäßig für positive Verblüffung. 1985 wurde die Abteilung aus Anlass des 125-Jahr-Jubiläums der Waiblinger Feuerwehr wiederbelebt. Auf Festumzügen wie damals marschiert sie heute seltener, verfeinert stattdessen lieber ihr musikalisches Können, um es auf Bühnen wie bei der Waiblinger Marktmusik auszuspielen oder sich wie Musikvereine und Orchester bei Wertungsspielen zu beweisen. 2013 errangen die Waiblinger beim Landesfeuerwehrtag sogar die Goldmedaille.

Sport und Musik helfen der Wehr beim Finden von Nachwuchs, so hat sich schon mancher Bub auf diesem Weg für die Feuerwehr begeistert. „Bei mir hat auch schon der Jochen als Kind Flöte gelernt“, sagt Dirigentin Bettina Missale über den heutigen Gesamtkommandanten Jochen Wolf. Der Trainer und die Dirigentin erleben auf je ihre Weise das Besondere an der Arbeit mit Feuerwehrleuten: Jeder hat eine soziale Ader, ist top motiviert, geht auf den anderen ein. Bettina Missale: „Ohne den Spielmannszug würde mir etwas fehlen. Ihn leiten zu dürfen, ist ein Geschenk.“ Jürgen Aldinger bestätigt, dass Musik und Sport selbst bei Einsätzen positive Nebenwirkungen zeigen: „Ist abteilungsübergreifend eine kritische Lage zu besprechen, tut man sich leichter, wenn man statt lauter Unbekannten auch bekannte Gesichter sieht.“

Mitmachen ist möglich

Bei der Feuerwehr sowieso, aber auch speziell beim Spielmannszug und beim Feuerwehrsport. Neue Musiker, auch Nicht-Feuerwehrleute, sind willkommen und müssen keine perfekten Flötisten oder sonstigen Spitzen-Instrumentalisten sein. Die Gruppe lernt Unerfahrene gerne ein und probt freitags von 20 bis 22 Uhr im Waiblinger Feuerwehrhaus an der Winnender Straße.

Die Sportgruppe ist offen für Feuerwehrleute und deren Angehörige. Auch wer noch nicht Feuerwehr-Mitglied ist, darf reinschauen. Training ist mittwochs um 20.30 Uhr in der Christian-Morgenstern-Halle.

Kontakt unter feuerwehr@waiblingen.de

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