Unsere Feuerwehr Mit Rems-Wasser gegen Großbrände

Waiblingen. So sehr sich die Feuerwehr-Technik mit der Zeit verändert, das wichtigste Mittel beim Einsatz gegen Brände bleibt immer das gleiche: Wasser. Je nach Art und Ausmaß eines Feuers werden zum Teil gewaltige Mengen davon benötigt. Das Problem: Nicht überall, wo’s brennt, steht auch ausreichend Wasser zur Verfügung.

Video: Woher kommt das Löschwasser der Feuerwehr.

Ein Strohfeuer kann extrem hartnäckig sein. Besonders, wenn es sich um 800 brennende Stroh-Rundballen handelt, wie am 7. September 2015, als die Freiwillige Feuerwehr Waiblingen zu einem Gewächshaus in Beinstein ausrückte, wo absichtlich ein Brand in einem 40 Meter langen landwirtschaftlichen Gebäude gelegt worden war. Schon nach der ersten Erkundung wurde vor Ort klar, dass die Feuerwehr die Strohballen nicht kontrolliert würde brennen lassen können. Ganz in der Nähe befand sich ein Flüssiggastank, zudem bestand die Gefahr, dass sich der Brand auf weitere Gewächshäuser ausdehnen könnte. Vom frühen Abend bis zum Mittag des darauffolgenden Tages erlebte die Feuerwehr einen langen, zermürbenden und kraftraubenden Einsatz. Unterstützt wurden die Waiblinger von den Kameraden aus Korb und Weinstadt, insgesamt acht Abteilungen waren dabei. Der Wasserverbrauch war immens: Mit einer Pumpe wurden pro Minute 2000 Liter aus der Rems geholt. Und das über Stunden.

Schwäbische Spezialität: Der extratiefe Unterflur-Hydrant

1000 bis 2000 Liter führen Standard-Feuerwehrfahrzeuge mit sich, das reicht zum Löschen von Fahrzeugen, in der Regel auch für Zimmerbrände. Das Fahrzeug mit dem größten Tankvolumen in Waiblingen fasst 5000 Liter. Doch wäre es leichtsinnig, die Tanks einfach leer zu pumpen, schon weil ein Feuer sich durch Verpuffungen schlagartig ausweiten kann. Markus Fried, Zugführer und ehemaliger Abteilungskommandant Neustadt, nennt die oberste Devise: „Das Wasser darf niemals ausgehen.“ So werden gleich am Einsatzort Wasserleitungen verlegt, über Hydranten wird dabei das öffentliche Wassernetz angezapft. In gut erschlossenen Gebieten findet sich mindestens alle 100 Meter ein Hydrant, wobei es sich hierzulande fast ausschließlich um „Unterflur-Hydranten“ handelt: Jedes Kind kennt die Deckel im Straßenbelag, im Schwäbischen am häufigsten in der Sonderform des großdeckeligen und tiefen „Württemberger Schachthydranten“, der ein spezielles Standrohr erfordert. In Neubaugebieten werden heute die DIN-Unterflur-Hydranten mit kleinerem Deckel verwendet. Seltenheitswert haben hier die Überflur-Hydranten in typisch roter Feuerwehr-Optik, wovon sich ein Übungsexemplar neben dem Neustädter Feuerwehrhaus befindet. Unbegrenzt kann die Feuerwehr nicht Wasser aus dem öffentlichen Netz entnehmen, sonst können durch Unterdruck Rohrbrüche entstehen.

Umweltschutz: Sicherung gegen giftiges Löschwasser

Neben den begrenzten Vorräten aus eigenen Tanks und dem öffentlichen Netz verfügt die Waiblinger Feuerwehr noch über eine „unerschöpfliche Quelle“ (Kommandant Jochen Wolf) an Löschwasser: die Rems. Aus ihr bezogen die Einsatzkräfte beim Strohballen-Brand in Beinstein das meiste Wasser. Dazu wird eine Leitung aus zusammenmontierten einzelnen Saugrohren in den Fluss gelegt. Im Gegensatz zu den beim Löschen üblichen Druckschläuchen sind diese stabil, sonst würden sie sich beim Vakuum, das durchs Ansaugen entsteht, zusammenziehen. Umgekehrt verhält es sich mit den Löschschläuchen, die immer unter Druck stehen müssen.

Was aber, wenn sich weder die Rems noch ein sonstiges Gewässer in der Nähe befindet? Dann muss die Abteilung Neustadt ran mit ihrem „Abrollfahrzeug Schlauch“. Dies ist der sperrige Name für die „lange Leitung“ der Feuerwehr. In zwölf Schubladen verteilt befinden sich daran Schläuche mit einer Gesamtlänge von zwei Kilometern. Gebraucht werden sie zum Beispiel bei Einsätzen im landwirtschaftlichen Bereich oder an weit von offenen Gewässern entfernten Einsatzorten. Selbst auf annähernd ebenem Gelände kommt es zu Druckverlusten, so dass alle 500 Meter eine verstärkende Pumpe aufgebaut wird. Und hinterher muss alles fein säuberlich eingepackt werden. So spektakulär und abenteuerlich ein Einsatz bei der Feuerwehr sein kann, diese Tätigkeit des Aufrollens von Hand, die sich über mehrere Stunden hinzieht, gehört gewiss nicht dazu.

Löschwasser ins brennende Gebäude zu pumpen ist das eine. Aber was geschieht, wenn das Löschwasser - etwa bei Bränden in der Metallveredelungsindustrie - kontaminiert wird? Mit speziellen Doppelkammer-Schläuchen bildet die Abteilung Beinstein zu diesem Zweck eine Art Damm, der das Löschwasser staut und die Umwelt vor Verunreinigung schützen soll. Von einem Spezialfahrzeug wird das Wasser später aufgesaugt und in einen Fachbetrieb zur Entsorgung transportiert. Das Doppelkammer-System wurde auch schon als Hochwasser-Behelfsdamm zum Schutz der Galerie Stihl eingesetzt.

Löschwasser-Fakten

Bei der Löschwasser-Versorgung greift die Feuerwehr in der Regel auf Trinkwasser zurück. Die Einsatzkräfte sind entsprechend geschult, dass kein Trinkwasser verunreinigt werden darf. „Kein Wasser, das entnommen wurde, darf wieder zurück in die Leitungen gelangen“, sagt Jochen Wolf, der Gesamt-Kommandant der Waiblinger Feuerwehren. Wasser gelte als das am besten kontrollierte Grundnahrungsmittel - und das solle so bleiben.

Zu einer Umweltkatastrophe durch kontaminiertes Löschwasser kam es im August 2015 im Kreis Schwäbisch Hall. Bei dem Großbrand der Lobenhausener Mühle bei Kirchberg wurde Löschwasser mit giftigem Ammoniumnitrat, das aus Düngemitteln stammte, kontaminiert. In der Folge mussten mehrere Tonnen toter Fische aus dem Fluss geholt werden.

Es gibt Erfahrungen, wonach die Beigabe geringer Mengen von Schaum ins Löschwasser die Löschwirkung erhöht. Brennende Flüssigkeiten löscht die Feuerwehr mit Schaum.

Aus Sicht von Jochen Wolf bergen Löscheinsätze an Fotovoltaik-Dächern zwar die Gefahr von elektrischen Schlägen, aber auch zu dieser Thematik seien die Feuerwehrleute entsprechend geschult. „Abstand halten“ lautet die wichtigste Regel, zudem wird zum Löschen ein Sprühstrahl verwendet, damit das Wasser nicht als kompakt leitendes Medium fungieren kann. Schwierigkeiten bringen Fotovoltaik-Dächer dennoch beim Löscheinsatz, besonders dann, wenn sie auf großer Fläche angebracht sind. Denn um Glutnester zu bekämpfen, muss die Feuerwehr ein Dach öffnen können. Außerdem können sich Bauteile lösen.

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