Unsere Haustiere Diese Nacktkatze ist besonders kuschelbedürftig

Weinstadt-Schnait. Toni ist total verschmust. Vor allem mit Herrchen Marco Cinquemani kuschelt der Kater besonders gerne. „Der ist sehr männerfixiert“, sagt Freundin Franziska Kosok (23) und lacht. Toni ist eine Nacktkatze, genauer gesagt eine Don Sphynx. Was das Paar bei der Haltung alles beachtet, darum geht’s im zweiten Teil der Haustierserie.

Ein bisschen erinnert Franziska Kosok ihr Kater Toni an einen Hund. Nicht vom Aussehen her, aber vom Verhalten – weil er so anhänglich ist. „Mit dieser Katze lebt man miteinander, nicht nur nebeneinander her“, sagt die 23-Jährige. Toni gehört zu den Don Sphynx, einer Katzenrasse, die als besonders menschenbezogen gilt. Der Liebling des Katers ist Franziska Kosoks Lebensgefährte Marco Cinquemani. „Er stößt mit der Schnauze oft zu ihm ins Gesicht rein“, erzählt sie und lächelt. Was auf Franziska Kosok fast so wirkt, als ob Toni ihren Freund küssen will. Dass der Kater so auf Marco Cinquemani fixiert ist, wundert sie aber nicht. „Die suchen sich oft einen Menschen aus – und der ist wie ein Gott für sie.“ Das mag nicht jeder. „Manchmal wird es als aufdringlich wahrgenommen, weil die Kontaktsuche vom Tier so intensiv ist“, sagt Marco Cinquemani. Ihm geht’s nicht so: Er hat, wie seine Lebensgefährtin, den kleinen Toni schon lange in sein Herz geschlossen.

„Als ich ausgezogen bin, war klar, dass ich mir eine Katze hole“

Franziska Kosok und Marco Cinquemani sind den Umgang mit Tieren gewöhnt. Sie hatte als Kind bereits Hasen und Meerschweinchen, er Hunde, Katzen und Vögel. Franziska Kosok hätte als Kind auch gern noch eine Katze gehabt – doch ihre Mutter war dagegen. „Als ich ausgezogen bin, war klar, dass ich mir eine Katze hole.“ Vor zwei Jahren kaufte sich Franziska Kosok bei einem Züchter zwei Maine-Coon-Katzen, die aufgrund ihrer Anhänglichkeit auch Hundekatzen genannt werden. Sie entschied sich bewusst für zwei Tiere. „Wenn man wie ich berufstätig ist, sollte man Katzen immer zu zweit halten.“ Maine-Coons brauchen allerdings viel Freigang – und den konnte Franziska Kosok den Tieren in ihrer Wohnung nicht bieten. Also ließ sie die Katzen auch mal draußen herumstreunen, in der Hoffnung, dass diese wieder zurückkommen. Dadurch verlor Franziska Kosok allerdings beide Tiere. Ob sie überfahren oder gestohlen wurden, weiß sie nicht. Als sie sich eine neue Katze zulegte, entschied sie sich bewusst für ein Tier, dem es reicht, nur in der Wohnung zu leben. Das trifft auf Sphynxkatzen zu – und außerdem hatte es ihr das Äußere dieser Tiere schon immer angetan. Sie haben nämlich kein Fell.

Für Franziska Kosok war es indes gar nicht so leicht, eine Sphynxkatze zu bekommen, die sie sich auch leisten kann. „Normalerweise zahlt man 600 Euro aufwärts für ein Tier.“ Erst nach langer Internetrecherche eilte ihr der Zufall zur Hilfe: Privatleute boten eine Don Sphynx für 200 Euro an. Sie hatten zu viele Tiere, wollten sich von einigen trennen. Toni war schon zwei Jahre alt, als er zu Franziska Kosok und Marco Cinquemani kam. Mittlerweile ist er schon sechs Monate bei den Schnaitern – und Probleme gab es bislang nicht.

Morgens und abends erhält Toni je 250 Gramm Nassfutter, dazu kann er tagsüber jederzeit Trockenfutter essen. Diese Mischung findet Franziska Kosok wichtig. Zwar könnte sie ihren Toni theoretisch nur von Trockenfutter ernähren, aber das wäre aus ihrer Sicht nicht gut. „Ich bin kein Fan davon, weil es zu viel Zucker enthält.“ Da Toni kein richtiges Fell hat, muss sein Körper allerdings mehr Wärme produzieren – und darum benötigt er auch mehr Kalorien.

Gewaschen wird Toni von Franziska Kosok und Marco Cinquemani alle drei Wochen – allerdings nicht strikt nach Zeitplan. Sie gucken immer, ob die Haut von Toni bräunlich verfärbt ist. Und wenn der Kater mal stinkt, dann bekommt er ebenfalls ein Bad. Insgesamt ist er aber sehr reinlich. Toni geht immer brav aufs Katzenklo und verscharrt dort seinen Kot. „Er ist sehr, sehr pingelig“, sagt Marco Cinquemani.

Geimpft wurde Toni noch von den Vorbesitzern. Weitere Impfungen hält Franziska Kosok allerdings nicht für notwendig. Ums Geldsparen geht es ihr dabei nicht: Sie ist überzeugt, dass dies dem Immunsystem des Katers eher schadet als nutzt – zumal er ja immer im Zimmer bleibt, sprich keinen Kontakt zu fremden Tieren hat. Wobei: So ganz ohne Anschluss soll Toni ja nicht bleiben. Er soll noch Gesellschaft von einer weiteren Sphynxkatze bekommen.

Marco Cinquemani und Franziska Kosok suchen schon länger nach einer Gefährtin für Toni. Idealerweise eine Don Sphynx, denn untereinander verstehen sich diese Katzen hervorragend. Es darf auch gern ein weiteres Männchen sein – allerdings müsste das dann deutlich jünger als zweieinhalb Jahre sein. So alt ist nämlich Toni. Wer einen Gefährten für die kleine Nacktkatze hat, kann Franziska Kosok gerne eine Mail schreiben (f.kosok@gmx.de).

Ansonsten sind Marco Cinquemani und Franziska Kosok überzeugt, dass es ihrem Toni an nichts fehlt. „Ihm geht es gut, er ist gesund – und er kriegt oft seine Schmuseeinheiten.“

Ohne Tasthaare wäre es Qualzucht

Toni ist eine Don Sphynx und gehört damit zu den sogenannten Nacktkatzen, die keine Haare haben respektive deren Körper nur mit einem leichten Flaum bedeckt ist. Es gibt deshalb Tierschützer, die hier pauschal von Qualzucht sprechen. Franziska Kosok findet das allerdings ungerecht. „Es ist erst Qualzucht, wenn die Katzen ohne Tasthaare gezüchtet werden.“

Denn die Tasthaare sind ein wichtiges Sinnesorgan, gerade für die Orientierung. Durch die Tasthaare können Katzen auch in der Dunkelheit grobe räumliche Strukturen in ihrer Umgebung erkennen. Ein im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erstelltes Gutachten kam deshalb 1999 zu dem Schluss, dass bei Sphynxkatzen dann Qualzucht vorliegt, wenn die Tasthaare fehlen. Bei Toni ist das nicht der Fall: Der Kater von Franziska Kosok und Marco Cinquemani hat an seiner Schnauze Tasthaare.

Die Don Sphynx stammt aus Russland. Für die Haarlosigkeit ist ein Gen verantwortlich, das dominant vererbt wird.

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