Unsere Haustiere Django: Ein Hund als Klassenkamerad

Weinstadt-Großheppach. Selbst Störenfriede werden in seiner Gegenwart weich: Wenn Lehrer Patrick Speth zweimal die Woche seinen Django in den Unterricht mitnimmt, hat das eine positive Wirkung auf seine Klasse. Im fünften Teil der Haustierserie erzählt der Großheppacher unter anderem, wie er seinen Hund aus Portugal nach Deutschland brachte.

In der Quinta Esperança hat Patrick Speth seinen Django zum ersten Mal getroffen. Es war 2013, während seines Sabbatjahrs, als er über die iberische Halbinsel reiste und auch für eine Woche im privaten Tierheim von Evelyn Schmidt-Barthold aushalf. „Dort hat er mich ausgesucht“, sagt der 39-Jährige und lächelt. Punky hieß der Podenco-Mischling damals, ein Name, der Patrick Speth überhaupt nicht gefiel. Er nannte ihn Django, wie der Revolver-Held aus dem Quentin-Tarantino-Kinofilm. „Er hat aber nichts mit diesem Draufgänger zu tun. Er ist ein Softie.“ Django war kein Welpe mehr, als Patrick Speth ihn in sein Herz schloss. Aber genau das fand der Großheppacher gut – denn so konnte er bereits seinen Charakter erkennen. Django ist weder ein Kläffer noch sonst in irgendeiner Weise aggressiv. Vielmehr lässt er viel mit sich machen, auch Lärm bringt ihn nicht aus der Ruhe. Und deshalb kann Patrick Speth Django an einen Ort mitnehmen, an dem Hunde normalerweise eher unerwünscht sind: an seinen Arbeitsplatz in der Gemeinschaftsschule in Kornwestheim. Genauer gesagt ins Klassenzimmer. „Das hat einen positiven Effekt für Schüler, die nicht so gern in die Schule gehen.“

„Da sind die Österreicher viel weiter“

Jeden Donnerstag und jeden Freitag begleitet Django sein Herrchen. Dann ist der dreieinhalb Jahre alte Podenco-Mischling für einen Haufen Sechstklässler eine Art Lernbegleiter auf vier Pfoten. „Inzwischen ist der Hund so integriert, dass er normal dazugehört“, sagt Patrick Speth. Er ist dankbar, dass seine Schulleitung hier so offen ist und das Projekt unterstützt. Klar ist natürlich: Kinder, die eine Allergie oder Angst vor Hunden haben, müssen nicht die Hundeklasse besuchen. Es gibt die Wahl. Noch sind Schulhunde in Baden-Württemberg Exoten – allerdings hofft Patrick Speth hier auf ein Umdenken. „Da sind die Österreicher viel weiter.“

Dass Django für den Einsatz in der Schule geeignet ist, hat Patrick Speth durch eine Ausbildung sichergestellt. Von Juli 2015 bis Ende Oktober 2015 wurde sein Hund von den Maltesern trainiert, musste eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung absolvieren. Getestet wurde dabei unter anderem, wie er auf Stress reagiert. Ob er zum Beispiel bellt oder knurrt, wenn die Kinder um ihn herum lärmen. „Das macht schon Sinn“, findet Patrick Speth. Es soll schließlich im Unterricht keine Zwischenfälle geben. Im Gegenteil: Vielmehr soll Django eine Stütze sein, das Klassenklima verbessern. Nach Beobachtung von Patrick Speth funktioniert das tatsächlich. „Harte Jungs werden bei ihm zu Softies. Und es ist auch nicht so, dass der Hund ablenkt. Die Kinder können ihn mit einer Hand streicheln und mit der anderen schreiben.“

Wenn Django nicht im Unterricht ist, bringt ihn Patrick Speth entweder zu seinen Eltern oder in die Hundetagesstätte „Königreich“ in Kornwestheim. Die „Huta“, wie der 39-Jährige diese Hunde-Kita nennt, hat von 7 bis 19 Uhr geöffnet und bietet Django reichlich Abwechslung. „Da geht er gern hin. Das ist für ihn ein bisschen so wie früher im Rudel in Portugal.“

Django nach Deutschland mitzubringen war übrigens gar nicht so schwierig. Klar, es musste sichergestellt werden, dass er keine Krankheiten einschleppt. Ein EU-Heimtierpass war ebenfalls Pflicht. „Er wurde auch direkt in Portugal kastriert“, erzählt Patrick Speth. Außerdem bekam der 39-Jährige am Flughafen und zu Hause noch Besuch von der zuständigen Tierschutzorganisation, mit der das private Tierheim in Portugal kooperiert. Auch musste Patrick Speth etwas Geld bezahlen, um den Hund zu bekommen – was er aber nur fair findet.

Durch Django hat sich im Leben des 39-Jährigen einiges geändert. Als Patrick Speth 2013 nach Großheppach zog, kannte er im Ort niemanden – doch durch seine Spaziergänge mit Django hat er schnell Kontakte geknüpft. Wer einen Hund hat, wird einfach öfter angesprochen als jemand, der alleine durch die Gegend geht. „Das geht ruckzuck.“

Der ewige Aufreger: Hundekot

Es ist eine Klage, die immer wieder zu hören ist: Hundebesitzer, so der Vorwurf, achten zu wenig darauf, den Kot ihrer Tiere in Tüten zu packen und diese dann ordnungsgemäß in Mülleimern zu entsorgen. Der frühere Weinstädter Freie-Wähler-Stadtrat Fritz Wahler zum Beispiel regte sich darüber gerne auf. Patrick Speth kann das durchaus verstehen. „Ich bin selbst schon reingetreten.“

Insbesondere mit Kot gefüllte Tüten, die auf Wiesen herumliegen, findet Patrick Speth besonders widersinnig – denn in Plastik verpackt bleibt die Hinterlassenschaft des Hundes erst recht lange erhalten. Allerdings legt der 39-Jährige Wert darauf, nicht alle Frauchen und Herrchen pauschal zu verdächtigen. „Ich habe immer eine Tüte in der Hosentasche oder in der Jackentasche.“

Patrick Speth hat nach eigenem Bekunden festgestellt, dass durch die vielen Tütenspender und Mülleimer die Zahl der Hundehaufen im Vergleich zu früher abgenommen hat. Und zumindest auf seinem Spazierweg in Großheppach hat er bislang nicht das Gefühl, dass es zu wenig Tütenspender und Mülleimer gibt.

Klar ist aber für Patrick Speth, dass es auch Fälle gibt, in denen er versteht, wenn Hundehalter den Kot nicht entfernen. „Wenn der Hund Durchfall hat, kann ich das nicht in der Tüte aufsammeln.“ Denn die Hinterlassenschaft ist dann einfach zu flüssig.

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