Unsere Moscheen „Hier gibt es Religionsfreiheit“

„Dass wir hier unser Leben führen dürfen, dafür sind wir dankbar“

Die Integration in ihr Gastland scheint den Ahmadis eine Selbstverständlichkeit zu sein. „Das ist unser Heimatland“, beteuert Frau Choudry. „Das Wichtigste für uns ist, dass wir hier aufgenommen worden sind, dass wir hier unser Leben führen können. Dafür sind wir dankbar.“ Und deshalb möchten die Gemeindemitglieder auch etwas zurückgeben. Bekannt sind ihre Straßenreinigungsaktionen am 1. Januar, bei denen sie den Silvestermüll beseitigen. Das nächste Mal wird das in Schorndorf sein.

Klare Ansage auch, was die Geltung von Scharia oder Grundgesetz angeht. „Es ist kein islamisches Land“, sagt Ahmed eindeutig: „Wir müssen die Gesetze, die das Land hat, befolgen.“ Und die Islamwissenschaftlerin, die dereinst Religionslehrerin an einer deutschen Schule werden will, setzt bestimmt hinzu: „Die Voraussetzung dafür ist natürlich die Religionsfreiheit.“

Auch die Frauen bei den Ahmadis sind aktiv - und selbstbewusst. Zwar gibt es einen (männlichen) Präsidenten, der die gesamte Gemeinde nach außen vertritt. Die Frauen selbst aber haben noch zwei eigene Präsidentinnen, die von ihren Geschlechtsgenossinnen in Waiblingen und Winnenden gewählt wurden. Vor einigen Wochen haben sie sich selbstständig am Internationalen Tag „Gegen Gewalt gegen Frauen“ mit einem Seminar in Waiblingen beteiligt. Die gläubige Grafikdesignerin sieht es so: „Die Frau wird nicht vom Islam unterdrückt: Es ist die Kultur.“ - Während unseres Gesprächs sitzen die Frauen abgerückt in der hinteren Reihe. „Etwas Abstand muss sein“, meint der Präsident. Sowohl Männer wie Frauen haben ihr Haupt bedeckt. Bei den Frauen zieht sich das Tuch bis über den Mund, was beim Reden etwas schwierig ist. Es rutscht immer wieder runter. Irgendwann hören die Frauen aber damit auf, es wieder hochzuziehen.

Auf das Thema Homosexualität angesprochen, ist von Ahmadis zu hören, dass sie abgelehnt wird. Aber „es gibt unter uns keine. Sie würden ausgeschlossen werden. Aber das ist bei uns noch nicht vorgekommen“, sei im Islam aber „grundsätzlich verboten“.

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Waiblingen hat keinen eigenen Imam. Der sitzt in Weil der Stadt in der großen Moschee und ist von dort aus für sie zuständig. Er hat nach Auskunft von Ahmed sieben Jahre Islamische Theologie studiert und war danach 15 Jahre in der Türkei tätig. „Die Imame werden hier von uns in Deutschland in Riedstadt bei Frankfurt ausgebildet“, erklärt Ahmed.

Weil es zu wenige Imame gibt, übernehmen im alltäglichen Gottesdienst deshalb vom Präsidenten bestimmte Mitglieder das Gebet und die Predigt. Auch wenn sie auf Deutsch gehalten wird, ist sie fest vorgeschrieben, wird also nur verlesen. Finanziert wird das Gemeindeleben durch die sogenannte „Chauda“, ein freiwilliger Betrag, der etwa ein Sechzehntel des Einkommens betragen soll.

„Wir tolerieren die anderen Religionen, wir möchten nicht die ganze Welt islamisieren“, so Sofia Riaz: „Wir müssen den Menschen nicht hinterherrennen und sagen, wir sind die Besten.“

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