Unternehmer fordern mehr Investitionen In Weinstadt kaufen weniger Leute ein

Die Einkaufsstraße in Weinstadt. Foto: Zürn / ZVW

Weinstadt. Im Vergleich zu Kernen, Korb, Remshalden und selbst zu Winnenden steht Weinstadt als Einkaufsstadt gut da – und dennoch kaufen weniger Menschen vor Ort ein als noch vor zwei Jahren. Gemessen wird das von der IHK mit der Zentralitätskennziffer – und die zeigt klar: Es fließt mehr Kaufkraft ab.

„Wenn das Einkaufen keinen Spaß macht, kann ich alles gleich im Internet holen“: Für Christian Hartmann, Sprecher der Interessensgemeinschaft Einkaufsstraße Endersbach, ist das der Schlüsselfaktor, um zu verstehen, warum Kaufkraft aus Kommunen abfließt.

Die rückläufigen Zahlen in Weinstadt verbindet er klar mit der gesunkenen Aufenthaltsqualität in der Einkaufsstraße, für die aus seiner Sicht in der Vergangenheit zu wenig getan wurde. Noch kann der Weinstädter Einzelhandel vergleichsweise viel Geld im Ort halten und von außen anlocken. Gleichzeitig betont Hartmann, dass sich keiner von den noch guten Zahlen blenden lassen soll. „Ich möchte den Wert nicht sehen, wenn man den Globus-Baumarkt rausrechnet.“

Karl-Heinz Nüßle kann das nur bestätigen. Der Baumarkt, betont der Vorsitzende der Vereinigung der Weinstädter Unternehmer (VWU), habe ein Einzugsgebiet von 100 000 Einwohnern. Er gehört damit zu den Frequenzbringern von Weinstadt, zu denen Nüßle auch den Remstalmarkt und den Modepark Röther zählt.

Schorndorf lockt als Stadt mehr Kaufkraft an, als sie verliert

„Wir haben hier eine Leuchtturmwirkung.“ Davon hätten auch alle anderen Einzelhändler etwas, wenn zusätzliche Kunden in die Stadt gelockt werden. Dass dies nicht selbstverständlich ist, belegt der ehemalige Wirtschaftsförderer der Stadt Weinstadt mit Zahlen aus den frühen 80ern: Damals habe die Kaufkraftbindung im Lebensmittelbereich nur bei 52 Prozent gelegen, im „Non-Food“-Bereich gar bei mageren 33 Prozent. So gesehen sind die fürs Jahr 2018 gemessenen 90,1 Prozent immer noch gut.

Gleichwohl geht es auch besser: Schorndorf schafft 120,2 Prozent und lockt damit als Stadt mehr Kaufkraft an, als sie verliert. Weinstadt muss dagegen Kaufkraft abgeben, wie alle Kommunen, deren Wert unter 100 Prozent liegt. Christian Hartmann betont indes, dass es sich auch lohne, sich die Zahlen in einzelnen Geschäftsbereichen anzusehen. „Das Thema Mode liegt über 100“, sagt der Inhaber von Mode am Markt.

Bebauung des Bleistift-Areals soll Beutelsbacher Ortsmitte beleben

Wenn Weinstadt künftig nicht weiter Boden verlieren will, muss es laut Karl-Heinz Nüßle die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte von Endersbach verbessern. Das Landessanierungsprogramm, für das sich Weinstadt bewirbt, ist aus Nüßles Sicht der richtige Schritt. Für die Beutelsbacher Ortsmitte liegen seine Hoffnungen auf der Bebauung des Bleistiftareals, wo die Bücherei als Frequenzbringer einziehen soll. Nüßle hat indes Bedenken, dass die Zahl der dort geplanten Parkplätze zu gering ist.

Für den VWU-Vorsitzenden ist der Kampf gegen verödende Innenstädte etwas, wovon letztlich jeder profitiert. Und deshalb sollte aus seiner Sicht ein florierender Handel im Interesse aller sein. „Der Kunde, der weg ist und einen anderen Platz gefunden hat, den kriegen Sie nicht mehr zurück.“


Stadt will investieren

3,74 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren in die Endersbacher Ortsmitte fließen – und 2,24 Millionen Euro davon sollen vom Land kommen. Ein Teil wird dazu dienen, die Einkaufsstraße attraktiver zu gestalten – was die Geschäftsleute und Gebäudeeigentümer seit Jahren fordern.

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