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Urbach Judoverein Urbach feiert 30-jähriges Jubiläum

Urbach. Klatsch! Es knallt! Wieder landet jemand auf der Matte. Das satte Geräusch will so gar nicht zu der Geschmeidigkeit und Eleganz des Fallenden passen, der mit angespannten Muskeln auf der Matte landet und dabei mit beiden Händen abklatscht, um die Aufprallenergie auf den Körper zu verteilen. Zack. Wieder liegt einer. Willkommen im Dojo des Judovereins Urbach, wo sie, trotzt allen Klatschens, Fallens und Schnaufens, den „sanften und effektiven Weg“ gewählt haben.

Video: Der Judoverein Urbach feiert Jubiläum. Der stellvertretende Vorsitzende Stephan Schlotz beim Training mit Bart Schuringa.

Denn wörtlich übersetzt heißt Judo so viel wie „sanfter Weg“. Wobei es beim Judo nicht immer sanft zugeht, sagt Trainer Stephan Schlotz, 2. Vorsitzender des JV Urbach. Er hatte sich gerade zuvor Kassenwart und Judo-Trainer Bart Schuringa auf die Schulter geladen und ihn dann elegant abgelegt – sanft umschrieben. In normaler Geschwindigkeit sieht das dann doch spektakulär aus, wie der Mann mit dem blauen Anzug von etwa 1,80 Meter auf dem Boden landet und sich dabei elegant abrollt.

Der kleine Mann rächt sich 

Aber keine Bange: Der kleinere Mann rächt sich beim nächsten Kampf. Sie gehen aufeinander zu, plötzlich packt Bart Schuringa seinen Vereinskollegen, dreht und bückt sich und plötzlich fliegt der durchtrainierte Judoka durch die Luft. Beide Beine zeigen gestreckt zur Decke der Halle. Dann knallt es wieder mal, als Stephan auf dem Rücken landet. Er hält kurz inne, rückt den weißen Judoanzug zurecht, und steht auf.

1989 errichtete der JV Urbach bei der Auerbachhalle ein Dojo

1989 war es, als der Verein südwestlich der Auerbachhalle sein eigenes Dojo errichtete und in den Folgejahren erweiterte. Jürgen Schlotz, 1. Vorsitzender, war die treibende Kraft, als sich der Verein am 19. November 1986, also vor rund 30 Jahren, gründete. Bewusst hätten sie sich für einen eigenständigen Verein entschieden. Mit wenig Geld und sehr viel Engagement wurde das Dojo errichtet. In dem quadratischen Raum wird nun trainiert. Das ist schon beeindruckend.

Verein hat mittlerweile fünf Abteilungen 

Stellen Sie sich vor, jemand rennt an und springt wie bei einem Köpper in die Höhe. Er trägt allerdings keine Badehose, sondern den weißen Anzug. Dann dreht sich der Körper leicht in der Luft und geschmeidig wie eine Katze rollt sich der Judoka auf dem Boden ab. Die Matten sind grün, im inneren Quadrat rot. Dort trainieren Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Fünf Abteilungen umfasst der Verein mittlerweile: Judo, Jiu-Jitsu, Akido, Kendo und Gesundheitsgymnastik.

Moralisches und technisches Prinzip gehen ineinander über

Was begeistert die Urbacher am Judo? Der Sport, der Zweikampf und die Philosophie. Dahinter stehe nicht nur ein effektives Kampfsportsystem, das technische Prinzip, sondern eben auch ein moralisches Prinzip, der Weg. Das wird deutlich beim Training. Es wird still im Dojo. Trainer und Schüler knien nieder. Ein Ritual. Sie verbeugen sich. 30 Sekunden später wirbeln sie durch die Luft. Der Ruhe der Begrüßung und des Respekts folgt das Schnaufen des Kampfes. Beides ist energiegeladen.

"Der Kampf und das Austoben gehören auch dazu"

„Wir hauen uns nicht einfach auf die Mütze“, sagt Stephan Schlotz. Es sei ein fairer Kampfsport, eher defensiv, mit klaren Regularien und auch einem erzieherischen Auftrag: Respekt, Regeln einhalten, Achtung. Doch „der Kampf und das Austoben gehören auch dazu“, hält Schlotz fest, „und der Wettkampf“. Bart Schuringa ergänzt. „Es geht teilweise auch hart zu.“ Daher müsse man das moralische und das technische Prinzip vermitteln. Beim Judo gehe es eher nicht ums Schlagen und Treten, mehr um Würfe, Griffe und die Technik des richtigen Falles. Man versuche, die Energie des gegnerischen Angriffs auszunutzen, erklären die Trainer, den Schwung des Partners ökonomisch für sich zu nutzen.

Die Energie des Gegners muss man nutzen 

„Siegen durch Nachgeben“, sagt Jürgen Schlotz. Er habe schon gegen Gegner verloren, die nur zwei Drittel von dem auf die Waage gebracht hätten wie er damals, erinnert er sich und lacht. „Es prallt nicht Kraft auf Kraft“, sagt Stephan Schlotz, man müsse eben die Energie des Gegners für eine eigene Wurfbewegung nutzen, den Gegner täuschen und zu Boden bringen. Dort entbrennen dann auch mal heftige und kräftezehrende Bodenkämpfe.

Judo verhilft zu selbstbewusstem Auftreten 

Im Dojo herrscht Schuhverbot. Beim Training ist ständig das Klatschen zu hören. Die Judoka fallen nicht einfach hin. Sie bringen den Körper in Spannung und klatschen dann mit den Armen auf den Boden. Falltechniken seien wichtig, auch und vor allem, um das Verletzungsrisiko zu verringern. Stephan Schlotz ist austrainiert, er läuft, macht Krafttraining und Judo. Viele Kinder kommen zum JV, um kämpfen zu lernen, aber auch den sanften Weg zu gehen. Judo verhelfe einem schon zu einem selbstbewussten Auftreten, sagt Stephan Schlotz. Im Notfall sei er vorbereitet, aber man sei nie sicher.

Schlotz: Es geht um den "besten Einsatz von Körper und Geist"

Beim Judo lerne man eben auch, einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Etwas offensiver sei hier die Form des Jiu-Jitsu, wobei es bei beiden Sportarten darum gehe, den Gegner elegant, effektiv und sanft unschädlich zu machen. Er selbst sehe beim Judo vor allem den technischen und sportlichen Faktor, erweitert darum, dass dieser Sport auch den Geist fördere, so Schlotz. Es gehe um den „besten Einsatz von Körper und Geist“.

„Man kann es das ganze Leben betreiben“

Ein weiterer Vorteil: „Man kann es das ganze Leben betreiben“, seine Technik perfektionieren. Wobei die Knochen sich ab dem 30. Lebensjahr dann doch bemerkbar machten. Kein Wunder, dass JV-Gründer Jürgen Schlotz nun auf Gesundheitsgymnastik und Prävention setzt und statt Judoanzug jetzt vor allem den Vorstandsposten ausfüllt.

Stress abbauen und Frust rauslassen 

Bart Schuringa und Stephan Schlotz messen sich wieder im sportlichen Wettkampf. Schuringa will Stephan Schlotz locken, ihn aus dem Gleichgewicht bringen. „Das Problem ist: Der Gegner versucht es auch“, sagt er später. Dem 41-jährigen Schuringa war bereits mit vier Jahren das Kinderturnen „zu langweilig“. Er wurde Judoka. Überall, wo er war und arbeitete, habe er Judo gemacht, ein weiterer Vorteil dieser Sportart. Es helfe ihm auch dabei, Stress abzubauen, Frust rauszulassen, „aber alles reglementiert“. Man könne mit vollem Einsatz agieren – ohne den Gegner zu verletzen. Der sanfte Weg.

Junge Judoka übernehmen Verantwortung im Verein

Besonders stolz ist Stephan Schlotz auf die jungen Judoka, die mittlerweile Verantwortung im Verein übernehmen, beispielsweise weil sie nach einer Ausbildung nun selbst Training anbieten. Nur so könne es gelingen, den Verein nachhaltig zu positionieren. „Wir sind ziemlich gut aufgestellt“, sagt Stephan Schlotz zufrieden. Das fördere auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und sorge für sportliche Erfolge. Denn der Leistungsgedanke stehe bei den Urbachern im Vordergrund. Bei Meisterschaften hätte man bereits einige Erfolge feiern können.

Der Verein hat rund 165 Mitglieder.

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