Urbach AfD-Wahlkampf mit Polizeischutz

Großes Polizeiaufgebot an der Auerbachhalle in Urbach vor und während der AfD-Veranstaltung. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. Unter großem Polizeischutz hat die AfD am Donnerstagabend in Urbach eine Wahlveranstaltung abgehalten. Es herrschte erhöhte Wachsamkeit, weil kürzlich AfD-Wahlkämpfer in Fellbach, Korb und Backnang angegriffen worden sind. Vor der Veranstaltung waren keine Gegendemonstranten vor Ort. Es kamen weit weniger Besucher, als die Partei erwartet hatte. In der Auerbachhalle blieb gut die Hälfte der Plätze leer.

Sieben Einsatzfahrzeuge der Polizei neben der Halle, zwei weitere dahinter, eins vorne, zwei Pferde: Die Polizei hatte zwar, wie Einsatzleiter Markus Jatzko bestätigt, nicht mit Krawallen gerechnet. Dennoch war man für alle Fälle gewappnet.

„Wir hatten einen Buttersäureanschlag. Nicht falsch verstehen“

Strenge Sicherheitsvorkehrungen seitens der AfD auch am Eingang zur Halle: Es darf nur hinein, wer den Inhalt der Jacken- und Hosentaschen auf den Tisch legt und die Ordner in Taschen und Rucksäcke blicken lässt. „Wir hatten einen Buttersäureanschlag. Nicht falsch verstehen“, wirbt einer der Ordner für Verständnis. Einer Gruppe junger Männer, die dem äußeren Erscheinungsbild nach ausländische Wurzeln haben, macht er unmissverständlich klar: Das Geringste reicht. Dann raus.

Die jungen Männer sind überhaupt nicht auf Krawall gebürstet. „Es gibt voll viele Vorurteile gegen die AfD“, sagt einer aus der Gruppe und betont, er sei in Deutschland geboren; „das ist meine Heimat. Ich will mir selbst ein Bild machen.“

In der Halle sitzen mehr Ältere als Jüngere, mehr Männer als Frauen. Es spricht der Landtagsabgeordnete und Europakandidat Lars Patrick Berg. Die Polizei sei „kaputt gespart“ worden, sagt er und warnt vor den Gefahren, die von Islamisten ausgingen.

Beamte sitzen auf der Empore und passen auf

Während er spricht – später wird noch Nicolaus Fest reden, er ist der frühere stellvertretende Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und auch Europakandidat – sitzen mehrere Beamte auf der Empore und passen auf. Draußen hat sich die Polizei etwas zurückgezogen. Das Gelände ist unübersichtlich, sagt Markus Jatzko, und später, wenn’s dunkel wird, leisten die Pferde gute Dienste, um die Lage im Blick behalten zu können – falls was wäre.

Bevor drinnen die Reden beginnen, sitzen auf einem Bänkle zwei ältere Herren und schauen zu, wie nach und nach die Besucher eintreffen. Einer der beiden ist Ex-CDU- und jetzt AfD-Mitglied, der andere Wähler und „Freund der Partei“, wie er sagt. „Ist ja schlimm, dass man dafür Polizei braucht, für demokratische Äußerungen“, meint er. „Man darf nicht fanatisch sein. Das darf man nicht“, betont der 77-Jährige und erklärt, was er fürchtet: „Unterwanderung“, „die schleichende Islamisierung Europas.“

Unterdessen bilden sich erste Grüppchen vor der Halle, man begrüßt sich mit Umarmung und schwatzt. Es geht um die bevorstehende Wahl, um den Wahlumschlag mit den vielen Zetteln. Alles viel zu kompliziert für viele Bürger, meint einer. Am Rande steht Achim Grockenberger von der Gemeinde Urbach und beobachtet das Geschehen. Er hofft, wie alle, es bleibt ruhig.


In Backnang

Bereits am Samstag, 18. Mai, findet die nächste größere Veranstaltung der AfD im Rems-Murr-Kreis statt. Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Kay Gottschalk, Gottfried Curio und Jürgen Braun, alle drei Bundestagsabgeordnete ihrer Partei, kommen ins Backnanger Bürgerhaus (19 Uhr).

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