Urbach Bilder: Sommertour bei Vossloh-Schwabe

Urbach. Oberflächlich beleuchtet ist das, was Vossloh-Schwabe in Urbach produziert, ein Auslaufmodell. Bei Lichte betrachtet sieht das aber ganz anders aus. Zwar nimmt der Bedarf an Vorschaltgeräten beziehungsweise Transformatoren immer mehr ab. Aber es gibt auch immer weniger Betriebe, die diese Geräte herstellen. Das ist gut für Vossloh-Schwabe, aber nicht nur das.

Denn immerhin spült die Magnetik („das ist die älteste Technologie“, sagt Standortleiter Ulrich Netzer) dem Konzern jährlich zwischen 65 und 70 Millionen in die Kassen. Das ist bei einem Gesamtumsatz von rund 225,2 Millionen Euro schon ein Wort – fast ein Drittel nämlich. Und weil’s eben immer weniger Betriebe gibt, bleibt für viele Kunden, die nach wie vor Vorschaltgeräte beziehungsweise Transformatoren brauchen, nur der Weg zu Vossloh-Schwabe.

„Ohne unsere Produkte würden Sie abends im Dunkeln sitzen“

Das alles – und noch viel mehr – erfuhren die 30 Teilnehmer unserer Sommertour bei Vossloh-Schwabe. 100 Leserinnen und Leser wären gerne dabei gewesen – eine Zahl, die für Helmut Doll, den General Manager Marketing, „sehr überraschend war“. Vor allem deshalb, „weil wir keine Endverbraucherprodukte herstellen“. Auf der anderen Seite machte Doll aber auch deutlich: „Ohne unsere Produkte würden Sie abends im Dunkeln sitzen.“

Doll stellte Vossloh-Schwabe vor und nannte den Betrieb „einen der weltweit führenden Hersteller“ von LED-Systemen, Lichtsteuerungssystemen und Lichttechnik-Komponenten. Insgesamt beschäftigt die Vossloh-Schwabe-Gruppe, die seit 2002 zum japanischen Panasonic-Konzern gehört (Kommentar von Ulrich Netzer, der die Umstrukturierung erlebt hat: „Die Japaner mit ihrer anderen Mentalität waren anfangs schwierig und anstrengend, inzwischen haben wir ein gutes Verhältnis und sie verstehen uns auch“), 1025 Leute. Genau 194 von ihnen arbeiten in Urbach.

Helmut Doll: „Das Verrückteste ist die beleuchtete Waschmaschine“

Vossloh-Schwabe ist in 35 Ländern präsent. Laut Doll ist derzeit die Neuausrichtung zum Anbieter von LED- und Lichtmanagement-Systemen „die Aufgabenstellung“. Und die Vision ist nach den Worten des General Managers Marketing, dass Vossloh-Schwabe bis 2019 „Key Player“ (also Schlüsselanbieter) im Bereich Smart Lighting (das ist der Begriff für drahtloses Netzwerksystem mittels lichtemittierender Dioden oder LED-Technologie) wird. „LED ist noch lange nicht ausgereizt“, glaubt Doll, außerdem sei Laserlicht verstärkt im Kommen. Man könne ja heute schon Fahrzeuge damit ausstatten – für einen Aufpreis von 8000 bis 10 000 Euro. „Wir stehen erst am Anfang dieser neuen Energie, da wird es noch viel Spannendes geben“, ist Doll überzeugt. Ein fast schon skurril anmutendes Beispiel dafür, was heute schon möglich ist, nannte er auch: „Das Verrückteste ist die beleuchtete Waschmaschine.“

Zehn Millionen Spulen werden im Jahr in Urbach gewickelt

Für den Gang durch die Fabrikationshallen wurde die Lesergruppe aufgeteilt: 15 erhielten die Erläuterungen von Qualitäts- und Umweltmanager Gerd Weichenthal, die anderen 15 von Standortleiter Ulrich Netzer. Er sagte, vor rund 20 Jahren hätten in Urbach noch rund 500 Leute gearbeitet. Die Zahl sein vor allem wegen der fortschreitenden Automatisierung inzwischen auf knapp unter 200 gesunken. Die Effizienz ist aber nach wie vor enorm: Zehn Millionen Spulen werden hier im Jahr gewickelt, also 20 000 bis 25 000 am Tag. Dafür werden 3000 Tonnen Kupfer und 10 000 Tonnen Stahl gebraucht. Seit 1956 wird am Standort Urbach produziert – vorher war dort grüne Wiese und weit und breit keine Bebauung, sieht man von der schon vor Jahren abgerissenen Wasenmühle mal ab. Gearbeitet wird in zwei Komplettschichten und einer reduzierten Nachtschicht. 100 000 bis 120 000 Geräte verlassen den Urbacher Betrieb jede Woche und werden im Logistikzentrum Ettlingen zwischengelagert. Vier Lkw fahren jeden Tag von Urbach dorthin. Auch in Ettlingen bleiben die Teile nicht lange. Zweieinhalb Wochen etwa, sagt Netzer. Früher waren es ungefähr sechs. Warum die Änderung? Netzer spricht von „Cashflow“, dass also Geld möglichst schnell fließen soll. Das ist erklärter Wunsch der Bosse von Panasonic.

Nach rund eineinhalb Stunden haben die 30 Leserinnen und Leser sehr viel erfahren. Helmut Doll und Ulrich Netzer präsentieren sich auch am Ende noch als sehr gute Gastgeber. Sie bieten einen Imbiss und Getränke an. Beides wird gerne und dankend angenommen.

Schwabes Spekulation mit dem Kupferpreis

„Bau der Halle Süd mit circa 7000 Quadratmetern.“ So steht’s in der Chronik der Firma Vossloh-Schwabe, die 2007 zum 75-jährigen Bestehen erschienen ist. Nicht drin steht, wie es im Jahr 1966 zu dieser Halle gekommen ist. Das allerdings weiß Getraude Dobelmann, die an unserer Führung teilnahm. Sie hat 1963 bei Schwabe angefangen und eine Lehre gemacht. Bis 1983 war sie im Betrieb beschäftigt.

Sie berichtet, dass ihr damaliger Chef Hermann Schwabe mit dem Kupferpreis spekuliert hat. Das lief in etwa so ab: War der Kupferpreis höher, wurden die Artikel teurer verkauft. Die Differenz legte Schwabe auf die Seite. War er niedriger, schaute der Chef in die Röhre. Meistens allerdings machte der Firmengründer (Dobelmann: „Er hatte da ein glückliches Händchen“) einen Schnitt. Und mit diesem Geld hat er besagte Halle finanziert.

„Der Kupferpreis spielt heute noch eine sehr große Rolle“, sagt Ulrich Netzer, der Urbacher Standortleiter. Und seine Schwankungen bergen große Risiken für den Betrieb. Netzer nennt Zahlen: Vor zehn Jahren hat die Tonne Kupfer etwa 2000 Euro gekostet, heute sind es 7000 Euro. Vor zwei Jahren, also 2012, mussten sogar 10 000 Euro für eine Tonne auf den Tisch des Hauses gelegt werden. Und im Krisenjahr 2008 ist der Kupferpreis eingebrochen. „Da hatten alle dran zu knabbern“, erinnert sich Netzer. Vossloh-Schwabe sei allerdings mit einem blauen Auge davongekommen.

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