Urbach Bilder: Unangekündigte Großübung der Feuerwehren

Urbach. Plötzlich zuckt die dünne Polyester-Schlange, die träge auf dem Boden liegt. Ein Ruck geht durch den Körper, der sich aufpumpt und nun gerade über den Boden verläuft. Wasser marsch! Viele Schläuche hat die Feuerwehr am Mittwoch bei einer Großübung auf einem Hof verlegt. Kommandant Hurlebaus wusste bescheid, dass die eingesperrten Opfer unverletzt waren. Vom Rest fast keiner. Ein fingierter Ernstfall.

Die 81 Brandbekämpfer und Rettungssanitäter erwischt es am Mittwoch um 19.10 Uhr zu Hause, auf der Arbeit oder bei einem Spaziergang. Der Pieper springt an. Alarm! Ernstfall! Der Alltag endet abrupt. Einfach sei dieser Spagat nicht, sagen die Feuerwehrleute. Wenn es piept, geht’s schnell. Ab ins Auto, ab zur Wache. Am schnellsten muss der Kommandant Michael Hurlebaus am Einsatzort erscheinen. Lage sondieren, Zugänge im Blick haben, die Fahrzeuge verteilen. Ständig knackt sein Mikrofon. „Du musst in sekundenschnelle Entscheidungen treffen“, sagt er. Die Großübung bei Dämmerung auf dem Hof von Hans Rube zeigt eindrucksvoll, wie die Brandmänner arbeiten. Männer in Rot aus Plüderhausen und Schorndorf helfen mit.

Auf einen neutralen Beobachter wirkt der Einsatz bei Dunkelheit unglaublich intensiv. Rauch steigt in den Himmel, ein stilles Tatütata ist zu vernehmen. Es nähert sich mit Blaulichtgeschwindigkeit. Als die Feuerwehrleute erkennen, dass es sich um eine Übung handelt, zeigt sich die Presse und das innere Kind des Redakteurs schlägt Purzelbäume, als nach und nach die roten Fahrzeuge vorfahren – 13 insgesamt – Männer mit Atemmasken aus den Wagen springen, Schläuche verlegen und nach knapp 15 Minuten auch die Drehleiter aus Schorndorf eintrifft. Männer mit blauer Weste stehen an verschiedenen Standorten, dirigieren und delegieren, während sich der erste Angriffstrupp, mit Atemschutzgeräten, Axt und Schlauch bewaffnet, am Scheunentor zu schaffen macht. Ihr Pieper meldete Vollbrand, zwei vermisste Personen, „da gibst du Vollgas“, sagt ein Feuerwehrmann.

Die Szenerie vor Ort ist beeindruckend. Die Fahrzeuge blinken, die Pumpen dröhnen, das Blaulicht tastet sich im Sekundentakt an den Wänden entlang und sorgt für unruhiges Licht. Taschenlampen dringen durch den Rauch. Zwischendurch muht eine Kuh im Stall. Die Drehleiter fährt ihre Stützen aus und der Korb steigt gen Himmel, nachdem der Schlauch angeschlossen ist. Dann ertönt ein Zischen und Wasser regnet auf das Scheunendach. Vorher hat der erste Angriffstrupp die beiden Vermissten befreit. Nach und nach blitzen mobile Scheinwerfer auf und der Hof wimmelt von immer mehr Feuerwehrleuten. Mehr als ein halbes Dutzend Schläuche sind später angeschlossen und lassen es regnen. Etwas abseits, ohne Zufahrtswege zu blockieren, steht der Rettungswagen. Die DRK-Leute holen die Trage raus, kümmern sich um die Verletzten, die aus dem Gebäude befreit wurden. Doch damit endet der Probe-Einsatz nicht, denn es raucht noch immer.

Die Feuerwehr pumpt 35000 Liter Wasser aus einer nahe gelegenen Zisterne, einem Löschwasserreservoir. 700 Meter Schlauch muss sie verlegen. Ein Feuerwehrfahrzeug fährt von der Zisterne zum Hof und rollt Schläuche ab. Zwar haben einige der Fahrzeuge knapp 2500 Liter Wasser an Bord, das reicht aber bloß für zwei Minuten, weiß Marc Schuler. Selbst die Zisterne wäre nach zehn Minuten leer, wenn drei Fahrzeugmannschaften auf die Flammen zielen. Darum wird der Bach angezapft.

Es gibt Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupps

Ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Rettung von Menschen. Darum gibt es Angriffstrupps mit Atemschutzgeräten. Der erste Trupp „geht sofort rein“, sagt Schuler, „nachdem der Truppführer die Lage eingeschätzt hat“. Vorher geben die Männer ihre Klett-Verschluss-Namensschilder ab. Die klebt der Abschnittsleiter auf eine Tafel, die er in den Händen hält. Er weiß also genau, welcher Trupp sich in Gefahr befindet. Auf der Tafel sind Uhren angebracht. Damit stoppt er die Zeit. Er hat im Blick, wer sich zu den Opfern vorarbeitet, denn je nach Statur und Fitness ist der Sauerstoffverbrauch bei manchen höher als bei anderen. Außer den Angriffs- gibt es noch Wassertrupps, die zum zweiten Angriffstrupp werden, wenn die Versorgung sichergestellt ist. Der Schlauchtrupp kümmert sich darum, dass das Wasser nicht ausgeht. Der Kommandant hat das Geschehen im Blick, ist über Funk mit den Gruppenführern verbunden. Bei größeren Bränden schaltet sich der Kreisbrandmeister ein. Die Wehren halten regelmäßig kleinere Übungen ab, schauen sich Höfe an. Wissen über die Örtlichkeiten spart im Ernstfall Zeit ein.

Eine Großübung mit 13 Fahrzeugen, die vorher nicht angekündigt wird, ist selten. „Seitdem ich in Urbach Kommandant bin, seit 2009, ist dies die erste alarmmäßige Großübung“, sagt Michael Hurlebaus. Die Handgriffe sollen im Ernstfall automatisch ablaufen. Die Männer und DRK-Helfer entwickeln so Kameradschaft. Kommunikation ist das A und O. Hurlebaus freut sich: „Die Übung war gigantisch!“ Auch die Polizei habe mitgespielt. Somit war das Gefühl eines echten Einsatzes lange Zeit vorhanden. Hurlebaus wertet den Einsatz nun aus, beispielsweise, wie schnell die Plüderhäuser Wehr nach Urbach braucht. Vorher geht er durch die Reihen. „Sauber Jungs!“

Stolzer Schultes

Bürgermeister Jörg Hetzinger schaut vorbei, was die Brandmänner erfreut. Er war eingeweiht. „Ich bin stolz auf unsere Feuerwehr, die die Sicherheit von Personen und Sachwerten bestmöglich gewährleistet!“ Einen Haken haben die Übungen aber dennoch. „Das Aufräumen dauert länger als der Einsatz“, sagt Marc Schuler.

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