Urbach Bürgermeister Hetzinger wird 60

Jörg Hetzinger vor dem Rathaus. Er wird am 25. März 60 Jahre alt. Foto: Schneider / ZVW

Urbach. Bürgermeister Jörg Hetzinger wird am Karfreitag 60 Jahre alt, ein Alter, in dem manch Schultes darüber nachdenkt, bei der nächsten Wahl – in Urbach wäre das 2018 – nicht mehr anzutreten, zumal Hetzinger dann bereits zwei Amtsperioden im Urbacher Rathaus hinter sich hätte. Der Schultes lässt das offen und deutet doch an, dass er eine Vorentscheidung getroffen hat. Ein Gespräch über Urbach, Wahlen, Enkelkinder und Klettertouren.

Was ist schöner: Opa oder Bürgermeister? Eine schwierige Frage, die ganz leicht zu beantworten ist. Natürlich Opa, sagt Opa Jörg Hetzinger. Aber das könne man ja schlecht vergleichen. Privates und Berufliches gelte es zu trennen. „Ich habe noch viel Zeit, um das Opa-Sein auszuleben“, sagt der Schultes. Klingt so jemand, der bei der nächsten Bürgermeisterwahl nicht mehr antreten will, wie es Albrecht Ulrich, Jürgen Oswald und Christoph Palm vormachen? In zwei Jahren wäre Jörg Hetzinger 62 Jahre alt, hätte zwei Amtsperioden hinter sich und könnte sich den Fragen des Enkels, oder dann vielleicht der Enkel, stellen – und nicht der Neugier der Journalisten. „Bis 2018 fließt noch viel Wasser die Rems hinunter“. Alles klar, er will es noch mal wissen, denkt sich der Redakteur. „Ich fühle mich fit und bin motiviert für eine dritte Amtszeit.“ Es müssten ja nicht die vollen acht Jahre werden. Aber definitiv entschieden sei noch nichts.

Wahrscheinlich wird Ehefrau Karin ein Wörtchen mitreden wollen. „Das muss man mit der Familie vorher absprechen“, sagt der Schultes. Die Familie müsse seit Jahren viel Verständnis aufbringen und auch Zugeständnisse machen. Denn einen Bürger Jörg gibt es in Urbach praktisch nicht. Er ist Bürgermeister Hetzinger, der von den Urbachern gerne auch mal privat angesprochen wird, wenn irgendwo der Schuh drückt. Das gehört eben zum Amt des Rathauschefes dazu, sagt Jörg Hetzinger achselzuckend. „So etwas muss man aushalten. Sonst hat man den falschen Beruf gewählt.“

„Die Remstalgartenschau würde ich gerne als Bürgermeister begleiten“

Jörg Hetzinger will lieber voraus- als zurückblicken. Er hat sich, nicht ganz überraschend, vor dem Treffen mit der Presse Gedanken gemacht, ein paar Stichworte aufgeschrieben. Er trägt vor: Die Gemeinde habe einiges vor: Urbacher Mitte II, Verlängerung der Steinbeisstraße – (s)ein, Projekt, für das er sich besonders einsetzt – Umwandlung des Hirsch-Areals, Einzelhandel stärken und einen Drogeriemarkt ansiedeln. Auch – hört, hört – die Remstalgartenschau 2019 „würde ich gerne als Bürgermeister begleiten“. Das sei nämlich eines jener wichtigen Projekte, die eine Gemeinde immer mal wieder benötige, damit die Leute ein Wir-Gefühl entwickeln und behalten.

Wobei die Unterscheidung in Ober- und Unterurbach mittlerweile ja nicht nur baulich überwunden wurde. „Das ist abgehakt“, sagt Hetzinger, „wir sind Urbach. Und Urbach besteht aus Unter- und Oberurbach. Von Ober- und Unterbachern zu reden, sei eher zu einem Spaß geworden.

Er freut sich, das die Gemeinde zusammenwächst, und damit auch das Problem des demografischen Wandels bisher einen Bogen um die Kommune macht. Das sei ein Verdienst der Gemeinde, des Gemeinderats, der Mitarbeiter, Lehrer und Kindergärtnerinnen, so Hetzinger staatstragend, der vielleicht doch schon den Wahlkampf vorbereitet? Oder will er eine Bilanz ziehen?

Motiviert ist er mit 60 Jahren noch, das macht er deutlich. Was macht ihm als Bürgermeister am meisten Spaß? Das sind die ständig wechselnden Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten. „Stillstand ist Rückschritt. Die Gemeinde muss vorankommen.“ Bürgermeister müssten Pläne haben, Visionen. Wenn man davon 50 Prozent gemeinsam mit dem Gemeinderat umsetzen könne, sei das reizvoll. Diese Vielseitigkeit seines Berufs sei phänomenal. Und das sei es auch, was ihm am Amt des Bürgermeisters reize: Die Herausforderungen, die sich immer wieder abwechseln: Projekte auf den Weg und auch mal gegen Widerstand voranbringen, Stichwort Steinbeisstraße. Es gibt Gegner der geplanten Verlängerung. „Das sind die Herausforderungen, die man hat. Dann muss man einen Konsens finden. Das sei „das Höchste: Meine Aufgabe ist es, auszugleichen, Mittler zu sein. Das stellt mich zufrieden.“

Straßen planen, Gewerbegebiete schaffen, Städtebauprojekte, Wohngebiete: „Man ist kein Spezialist, aber man bekommt von allem etwas mit“. Ist er ein Perfektionist? Nein. Aber bei den Gemeinderatssitzungen gewinnt man schon den Eindruck, er würde am liebsten bei allen Themen mitreden. „Bei den wichtigen Themen im Gemeinderat muss ich informiert sein, sonst wäre ich ein schlechter Bürgermeister“, schildert Hetzinger seine Auffassung des Amtes. Aber er müsse auch delegieren.

Und trotzdem habe er im Regelfall eine 60-Stunden-Woche. Joggen, Klettern und Motorradfahren bieten Abwechslung. Vor allem das Klettern. Beim Joggen läuft der Körper durch die Gegend und die Gedanken sitzen noch im Rathaus. Das funktioniert beim Klettern nicht, „da musst du dich voll konzentrieren.“ Also lässt er sich gerne mal hängen, trainiert an der Kletterwand oder besucht die Berge. „Du musst zum Ausgleich Hobbies haben. Wenn an einem Wochenende mal nichts ist, dann mache ich einen Ausflug, um Kraft zu tanken“ und um gesund zu bleiben. Mit seiner Frau will er noch viel von der Welt sehen. Vielleicht ab 2026. Oder 2022? Oder eher? Die Urbacher werden es früh genug erfahren.

Glückwünsche aus dem Gemeinderat

Burkhard Nagel (Grüne): „Drei Wünsche habe ich für Herrn Bürgermeister Hetzinger: Ich wünsche ihm, dass er sich in seinen verschiedenen Lebensbereichen wohlfühlt; dass er seine Rolle als Großvater weiterhin genießt, und dass Gesundheit und Gelassenheit seine dritte Lebensphase bestimmen.“

Joachim Bertsche, CDU, hat gedichtet: „Kaum zu glauben und doch wahr, unser Schultes wird schon 60 Jahr. Aufi klettert er unentwegt, auf Akten- und auch auf den echten Berg. Ein Freund des Wanderns im Gebirge ist er schon, manchmal sagt er: ,Es goht relativ eeba nomm.’ Was das heißt, wer weiß es schon – Mutmaßungen wären hier reine Spekulation. Darum ganz herzlich in aller Form zum runden Geburtstag die herzlichste Gratulation. Wir wünschen ihm zu seinem Wiegenfeste vor allem eins, nämlich nur das Beste sowie auf allen Wegen, Glück, Gesundheit sowie Gottes Segen. Das alles kommt, Sie wissen es wahrscheinlich schon, von Ihrer CDU-Fraktion.

Joachim Habik (SPD): „Für Ihr neues Lebensjahrzehnt wünsche ich Ihnen vor allem Gesundheit, Zufriedenheit, etwas mehr Gelassenheit, Erfolg und immer eine glückliche Hand bei all ihren Vorhaben, um gemeinsam unsere schöne Gemeinde Urbach weiter voranzubringen.“

Für die Freien Wähler formuliert Ursula Jud: „Mit besten Wünschen für das neue Lebensjahrzehnt mixen die Freien Wähler ihrem Bürgermeister einen Geburtstagscocktail: Eine große Menge ,Gesundheit’ als Basis, ,Schwung, Elan und Ausdauer’ zu gleichen Teilen hinzufügen, das Ganze wird mit einem ordentlichen Schuss ,Ruhe, Geduld und Gelassenheit’ abgerundet. Auf dem Cocktailglas platzieren wir dekorativ ein vierblättriges Kleeblatt als Glücksbringer!“

Vor 14 Jahren, am 7. April 2002, war der damalige Winterbacher Hauptamtsleiter Jörg Hetzinger der Letzte gewesen, der seinen Hut im Bürgermeisterwahlkampf in den Ring geworfen hatte. Mit dem damals 46-Jährigen waren im Rennen: der Stadtplaner und CDU-Mann Lothar Königs, Stefan Dumas, Kämmerer in Auenwald, der Verwaltungsangestellte und FDP-Mann Andreas Huber und der zwischenzeitlich verstorbene Kriminalhauptkommissar und Ex-Stadtrat Herbert Möck aus Schorndorf.

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