Urbach Das Stückle über dem Bergrutsch

Das Stückle über dem Bergrutsch haben schon die Eltern und Großeltern von Rolf Grass bewirtschaftet. Foto: ZVW

Urbach. Seit dem Bergrutsch ist das Stückle von Rolf Grass von 33 Ar auf 27 Ar geschrumpft – doch dafür hat er eine einmalige Lage erhalten. Direkt unter seinem Besitz befindet sich die Abrisswand. Einmal pro Woche schaut Rolf Grass mindestens vorbei – das Stückle ist sein Lieblingsplatz. Wir stellen es zum Auftakt unserer neuen Reihe vor.

Vor rund 120 Jahren ist am Urbacher Kirchsteig noch Weinbau betrieben worden. Auch die Urgroßeltern von Rolf Grass sind damals Wengerter gewesen. Die Steine für die Trockenmauern und Wege haben die Leute von den nahen Steinbrüchen geholt – ganz in der Nähe von Rolf Grass’ Stückle. Zu einem dieser ehemaligen Steinbrüche spaziert Rolf Grass heute gerne mit seinen Enkeln, weil dort ein Tümpel liegt. „Während der Laichzeit ist das für die Kinder super.“ Von seinem Grundstück über dem Bergrutsch aus ist er in zwei Minuten da. Die interessante Gegend ist für den Urbacher ein Grund, der den Reiz seines Stückles ausmacht – aber bei weitem nicht der Einzige.

„Die Kiefer war früher gerade – jetzt hängt sie schief“

Vor elf Jahren ist unter seinem Stückle etwas passiert, das alles verändert hat: der Urbacher Bergrutsch. Am Spätnachmittag des 7. April 2001 haben sich mehr als 70 000 Kubikmeter Gesteins- und Erdmassen am Hang im Gewann Kirchsteig gelöst. Das Gelände ist auf einer Länge von 240 Metern bis zu 17 Meter tief abgesackt. Das 33-Ar-Stückle von Rolf Grass ist seither um sechs Ar geschrumpft. Die Hütte seines Stückles ist plötzlich direkt an der Abrisskante gewesen – er hat deshalb eine neue gebaut. Ein Zaun und ein Schild, auf dem „Erdrutsch – Vorsicht Lebensgefahr“ steht, grenzen Rolf Grass Stückle von dem Gebiet vor der Abrisskante ab. Mancher Baum behauptet sich dort trotz der widrigen Verhältnisse weiter. „Die Kiefer war früher gerade – jetzt hängt sie schief.“ Von seinem Stückle aus kann Rolf Grass auch die Ziegen beobachten, die im Bergrutsch-Gelände bewusst eingesetzt werden – „damit das Gelände frei gehalten wird und nicht alles verbuscht“.

Auf seinem Stückle selbst ist Rolf Grass experimentierfreudig. Der Urbacher hat einen Maronenbaum gepflanzt, bei dem er Esskastanien ernten will. „Es ist ein Versuch in Zeiten des Klimawandels.“ Zu schaffen gibt es immer was – und zu entdecken sowieso. Sein fünfjähriges Enkele und er haben zum Beispiel mal einen Molch gesehen, „so mit ganz kleinen roten Streifen“. Eventuell ein Feuersalamander, aber so genau kennt sich da Rolf Grass auch nicht aus. Jedenfalls sind die Enkel seiner vier Kinder (drei Söhne, eine Tochter) ganz wild auf das Stückle. Selbst die Älteren, die schon 18 und 20 Jahre alt sind, verbringen laut Rolf Grass gerne mal einen Tag dort. Dank einer mit einem Steinkreis gesicherten kleinen Feuerstelle kann die ganze Familie gemütlich grillen.

Wenn die Enkel dann nicht nur auf dem Stückle bleiben wollen, spaziert Rolf Grass mit ihnen zum Aussichtsturm am Rand des ehemaligen Bundeswehrdepots. Ein Ausflug zum benachbarten Alten Berg, wo es 1926 einen Erdrutsch gegeben hat, erfreut sich bei den Enkeln ebenfalls großer Beliebtheit.

Alles, was bei Rolf Grass so blüht, gedeiht ohne Chemie. „Spritzen tu ich nichts“, betont der Urbacher. Den Kompost macht er selbst – und der wiederum kommt bei den Blumen rund um seine Hütte zum Einsatz. Den oberen, halbwegs geraden Teil des Stückles mäht Rolf Grass mit dem Rasenmäher, für die untere Hanglage hat er einen Balkenmäher.

Jetzt freut sich Rolf Grass an seinem Lieblingsplatz schon auf die Ostertage und hofft weiter auf gutes Wetter. „An Ostern ist hier immer großer Familientreff, wenn schönes Wetter ist.“

Welches Fleckchen in Schorndorf, Urbach, Plüderhausen, Rudersberg, Remshalden oder Winterbach gefällt Ihnen besonders? Wo lässt es sich aushalten – und warum eigentlich ausgerechnet dort?

Wir wollen das wissen. Wir suchen Menschen, die wie Rolf Grass ihren Lieblingsplatz vorstellen. Wir sind gespannt auf Ihre Geschichten, Ihre Erinnerungen, Ihre Anekdoten oder heimatgeschichtlichen Hintergründe – all das interessiert uns.

Melden Sie sich! Sie können uns einen Brief schreiben: Schorndorfer Nachrichten, Stichwort Lieblingsplatz, Oberer Marktplatz 4, 73614 Schorndorf. Alternativ können Sie auch an 0 71 81/92 75 60 ein Fax senden oder an schorndorf@redaktion.zvw.de eine E-Mail schicken.

Schreiben Sie bitte dazu, unter welcher Nummer und wann wir Sie telefonisch am besten erreichen können. Wenn Sie schon einen Terminvorschlag für ein Treffen haben – umso besser.

  • Bewertung
    0
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!