Urbach Warum Hetzinger aufhört

Nachdem er seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit bekanntgegeben hat, wirkt der Urbacher Bürgermeister Jörg Hetzinger entspannt, ja fast schon so etwas wie befreit Foto: Alexandra Palmizi

Urbach. Jörg Hetzinger wirkt recht entspannt in diesem Gespräch. Ganz anders noch als in der Sitzung, in der er dem Urbacher Gemeinderat mitgeteilt hat, dass eine dritte Amtszeit für ihn nicht in Frage kommt. Da war der 61-Jährige noch sehr angespannt. Einige Tage später ist er im Besprechungsraum neben seinem Amtszimmer locker. Als sei eine Last von ihm abgefallen.

Jörg Hetzinger gibt jetzt bereitwillig Auskunft auf die Frage, wann denn die Entscheidung gefallen sei, in diesem Jahr nicht mehr für das Amt des Urbacher Bürgermeisters zu kandidieren – am Abend der denkwürdigen Sitzung hatte er sich da noch sehr zugeknöpft gezeigt. „Im Sommer ist die Entscheidung gereift“, bekennt er, fügt aber gleich den Satz hinzu, den er schon öfter gesagt hat und der mit Sicherheit stimmt: „Es ist mir nicht leicht gefallen.“ Denn da gebe es ja in Urbach (die Reihenfolge ist beliebig) die Gartenschau, viele andere laufende Projekte, den Gemeinderat und seine Mitarbeiter im Rathaus („ein tolles Team!“).

Das alles hätte er gerne weiter federführend begleitet. Ausschließlich persönliche Gründe hätten aber den Ausschlag gegeben, warum am 1. Juni dieses Jahres für ihn der Ruhestand beginnt. „Die Zeichen des Körpers muss man ernst nehmen, damit ist nicht zu spaßen“, gibt Hetzinger Einblick in sein Inneres. Gesundheitlich ist der Mann seit einiger Zeit nicht mehr so richtig auf der Höhe.

Keine Angst vor Gegenkandidaten

In besagtem Sommer des Jahres 2017, sagt der 61-Jährige, habe er die Abwägung getroffen. Was spricht dafür, weiterzumachen als Urbacher Bürgermeister, was dagegen? Für Letzteres gab es mehrere Gründe, die Entscheidung fiel. Hetzinger macht allerdings kein Hehl daraus, „dass das, was sich im Herbst im Zusammenhang mit der Remstal-Gartenschau abgespielt hat, nicht dazu beigetragen hat, dass ich weitermache“. Das „hat gezehrt, war aber nicht der Grund“ für den Verzicht auf eine erneute Kandidatur. Allerdings „hat es meine Entscheidung eher bekräftigt“.

Es wurde in Urbach und auch anderswo schon vor Hetzingers Erklärung viel spekuliert. Zum Beispiel, ob er vielleicht die Befürchtung haben könnte, einen ernstzunehmenden Gegenkandidaten zu bekommen, und deshalb nicht mehr angetreten ist. Nein, sagt er, „ich hatte keine Angst vor einem Gegenkandidaten“. Wobei ihm sehr klar war: „Die Gartenschau-Kritiker hätten wohl einen gebracht.“ Das werden sie vielleicht auch jetzt tun. Hetzingers Sorge freilich braucht das nicht mehr zu sein.

Wichtigste Ziele auf den Weg gebracht

Kolportiert wird in Urbach auch, Hetzinger habe nicht mehr die entsprechende Unterstützung im Gemeinderat und in der Bevölkerung gehabt. Wie sieht er es? „Ich glaube nicht, dass ich an Rückhalt verloren habe“, antwortet Hetzinger ganz ruhig, schränkt aber etwas ein: „Man kann es in 16 Jahren nicht allen recht machen.“

Mit dem in Urbach Erreichten ist der Mann zufrieden. Die wichtigsten Ziele seien auf den Weg gebracht, zum Beispiel die Urbacher Mitte II, der Ausbau der Steinbeisstraße („die wasserrechtliche Genehmigung ist seit wenigen Tagen im Haus, die Arbeiten werden jetzt dann ausgeschrieben“), der Hochwasserschutz entlang des Urbachs samt Radweg. 800 000 Euro kostet diese Maßnahme inklusive der Stuttgarter Brücke, die Hälfte gibt’s als Zuschuss. „Den würden wir nicht bekommen, wenn keine Remstal-Gartenschau wäre“, betont Hetzinger.

Weiterhin „Vollgas“ wird Hetzinger geben, damit das Waldhaus kommt

Ja, diese verflixte Remstal-Gartenschau. Sie, beziehungsweise das, was sich im Zusammenhang mit ihr in Urbach abgespielt hat und abspielen wird, beschäftigt den Rathauschef nach wie vor. Er hat „noch vor Weihnachten“ die Bauanträge für das Waldhaus an beiden Standorten, die im Gespräch sind, unterzeichnet. Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung im Jahr 2017 Barbara Trossbach als Gartenschaumanagerin der Gemeinde eingestellt. Sie fängt am 1. Februar 2018 an, ihr Arbeitsverhältnis ist befristet und endet am 30. Juni 2020. Der „Hirsch“ kommt in diesem Frühkjahr weg, die Fläche soll während der Remstal-Gartenschau „temporär“ als Bürgergarten genutzt werden.

Weiterhin „Vollgas“ wird er geben, bekräftigt Jörg Hetzinger, damit das Waldhaus kommt, „ich will, dass es gebaut wird und dass die Gartenschau läuft“. Schwer genug wird das werden, das weiß auch der Urbacher Schultes, der keineswegs blauäugig ist und von den Steinen weiß, die im Weg liegen: „Man muss von einem Bürgerbegehren ausgehen.“


Was kommt jetzt?

Am 31. Mai dieses Jahres endet Jörg Hetzingers Amtszeit als Urbacher Bürgermeister. Was macht er dann? „Mehr Zeit für die Familie“ will er sich nehmen, auch und vor allem für den Enkel, der fast drei Jahre alt ist. Reisen will er und „noch etwas ganz Anderes machen“. Was? „Etwas, das mit dem kommunalen Bereich nichts zu tun hat.“ Mehr verrät Jörg Hetzinger nicht. Muss er auch nicht. Man darf aber gespannt sein.

  • Bewertung
    15
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!