Urbach Erst mal doch kein Manager fürs Klima

Die Verkehrsbelastung hätte für den Klimamanager ein Thema sein können: 13 000 Fahrzeuge sind täglich auf der Hauptstraße unterwegs. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Urbach. In einer Sitzung im Februar war der Urbacher Gemeinderat noch einstimmig dafür, den Klimaschutz in der Gemeinde voranzutreiben und dafür eigens einen Manager einzustellen. Nun hat der neue Gemeinderat sich dagegen entschieden, erst mal müssten die anderen Arbeiten im Bauamt erledigt werden, meinen einige. Außerdem seien die Kosten recht hoch.

„Der Beschluss ist gefasst, jetzt wollen wir loslegen“, erklärte Bürgermeisterin Fehrlen in der Gemeinderatssitzung bei der Einleitung ins Thema. Doch mit ihrem Vorhaben, im kommenden Jahr einen Klimaschutzmanager einzustellen, wurde sie nun von der Mehrheit des Gemeinderates gestoppt. Lediglich die drei Mitglieder der Grünen stimmten mit der Bürgermeisterin für die Einstellung eines Klimaschutzmanagers.

Jud fordert: Erst Personalengpässe im Bauamt beheben

Gleich zu Beginn der Debatte sprach sich Ursula Jud im Namen der Freien Wähler gegen die Pläne von Fehrlen aus. Sie und andere Rätinnen und Räte, wie beispielsweise auch Siegrund Burkhardt (SPD), verweisen auf die Situation im Bauamt, die es nicht zulasse, dass jetzt über eine Stelle für einen Klimaschutzmanager nachgedacht werde.

Derzeit gebe es dort Personalengpässe, kaum käme man mit der Arbeit nach, so die Einschätzung von Ursula Jud. Erst mal müsse man sich darum kümmern, bevor eine Stelle für den Klimamanager ausgeschrieben werde, findet sie. Allerdings bedeute das nicht, die Pläne nie umzusetzen. Sie will die Akte lediglich zur Seite legen. Im nächsten Jahr könne man darüber noch mal diskutieren, findet Jud.

Mit den aktuellen Kapazitäten sei ein Klimakonzept nicht möglich

Für Detlef Holzwarth von der CDU sprechen auch die zusätzlichen Kosten gegen einen Manager fürs Klima. Die Gemeinde sei zu klein, um einen eigenen Zuständigen einzustellen. Nicht müde wurden er und die anderen Gemeinderäte, die gegen das Vorhaben stimmten, zu betonen, wie wichtig ihnen der Klimaschutz aber generell sei.

Bürgermeisterin Martina Fehrlen argumentierte in der Diskussion für den Klimamanager, sie hatte sich bereits im Februar dafür starkgemacht. Mit den aktuellen Kapazitäten sei es schlicht nicht möglich, zusätzliche Konzepte fürs Klima auszuarbeiten. Außerdem werde die Stelle zu 65 Prozent gefördert (siehe Kosten der Stelle). Hinter die Pläne stellte sich auch Burkhard Nagel (Grüne). Er verwies auf den Gemeinderatsbeschluss vom Februar und auf die derzeitigen Proteste. „Tausende gehen in Deutschland auf die Straße und wollen Maßnahmen für Klimaschutz sehen“, sagte er. Wer das Pariser Klimaabkommen ernst nehme, müsse auch etwas auf kommunaler Ebene tun.

Fehrlen bedauerte die Entscheidung des Gemeinderates

Bürgermeisterin Fehrlen bedauerte die Entscheidung des Gemeinderates, sie ist nach wie vor für die Einstellung eines Klimamanagers. Man habe bereits viel Zeit und Geld in kommunale Klimaschutzpläne gesteckt und wolle nun den nächsten Schritt nicht gehen. „Unser Segelschiff kann nicht aus dem Hafen, weil die Mannschaft fehlt“, sagte sie nach der Sitzung. Mit der aktuellen Anzahl an Personal könnten keine zusätzlichen Klimamaßnahmen erarbeitet werden. Der bislang eingeschlagene Weg ließe sich nur mit einem Klimamanager weiter gehen.

Der Gemeinderat hatte sich bereits im Februar mit dem Thema beschäftigt. Ein Ingenieurbüro hatte im Auftrag der Energieagentur Rems-Murr die Gemeinde beraten. Damals stimmte der Gemeinderat einstimmig für diverse Maßnahmen zum Klimaschutz. Zu den aufgeführten Punkten gehörte neben einer Klimaschutz-Arbeitsgruppe auch die Einstellung eines Klimaschutzmanagers. In der Sitzung sprachen sich viele Gemeinderäte für die Pläne und dafür aus, den Klimaschutz in Urbach voranzubringen – auch wenn sich damals bereits einige skeptisch geäußert hatten.

Leitungswasser statt Wasserflaschen

Außerdem fanden in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und Gemeinderäten bereits Seminare statt. Dort entstand auch die Idee zur Anstellung eines Klimaschutzmanagers.

Im Rahmen der Maßnahmen wurde etwa festgehalten, dass statt Wasserflaschen zukünftig Leitungswasser bereitgestellt wird, was bereits umgesetzt ist. In Zukunft soll recycelbares Toilettenpapier benutzt werden, außerdem solle die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden.


Kosten der Stelle:

Der Vorschlag der Bürgermeisterin Martina Fehrlen war, für den Projektzeitraum von Juli 2020 bis Juni 2022 eine befristete Vollzeitstelle zu schaffen.

Mit Sachausgaben und Öffentlichkeitsarbeit hätten die Kosten sich auf rund 180 000 Euro belaufen. Da solche Stellen gefördert werden, hätte die Gemeinde davon lediglich 63 000 Euro tragen müssen (35 Prozent).

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