Urbach Hähnchenschlegel am Ortsrand ausgelegt

„Das Fleisch sieht so aus, wie wenn man zum Lidl geht und Hähnchenschlegel kauft“, findet Martin Stengel, der sich wegen der Funde an das Ordnungsamt der Gemeinde gewandt hat. Foto: Martin Stengel

Urbach.
Erschreckend oft tauchen Meldungen von Giftködern auf, die Hunde- und Katzenhasser auslegen, um mit Absicht geliebte Haustiere zu vergiften. Da läuteten natürlich gleich die Alarmglocken, als am Urbacher Ortsrand im Bereich der Haubersbronner Straße an den Ecken zum Kreuzweg und zur Hofackerstraße rohe Hähnchenkeulen auftauchten.

„Dieses Jahr war es schon das zweite Mal“, gibt Martin Stengel Auskunft, der in der Gegend wohnt und das Fleisch unbekannter Herkunft an das Ordnungsamt der Gemeinde gemeldet hat. „Aber letztes Jahr bin ich auch schon einmal von Hundebesitzern darauf angesprochen worden.“ Übers Jahr verteilt sei 2019 immer mal wieder rohes Hähnchenfleisch in der Gegend aufgetaucht.

Durch das Fleisch werden Wildtiere angelockt

„Im letzten Frühjahr hat das regelrecht die Füchse angelockt“, erinnert sich Martin Stengel. „Ich habe sie dann schreien hören.“ Auch vor kurzem hat er erst wieder einen Fuchs in der Gegend umherstreifen sehen. In der Nacht zum Montag ist das Fleisch das letzte Mal aufgetaucht, wenige Tage zuvor hat jemand in der Silvesternacht Hähnchen in der Gegend verteilt.

Achim Grockenberger ist beim Ordnungsamt der Gemeinde für den Fall zuständig. „Der Bauhof war am Montagmorgen sehr schnell und hat das Fleisch eingesammelt“, sagt er. „Sonst hätte ich vielleicht eine Keule eingesammelt und analysieren lassen.“ Es könnte sich ja um vergiftete Köder handeln.

Martin Stengel hat nicht den Eindruck, dass das Fleisch vergiftet ist, sondern vermutet, dass damit Wildtiere gefüttert werden sollen. „Bis jetzt habe ich nichts von einer Vergiftung gehört“, gibt er Auskunft. Er mutmaßt, dass das Fleisch nachts im Vorbeifahren aus einem Autofenster geworfen wird.

Hähnchenfleisch kann Gefahren für Hunde bergen

Bei der Urbacher Tierärztin Heidi Kloss sind bis jetzt keine verzweifelten Hundebesitzer aufgeschlagen. „Ich wäre entsetzt, wenn ich mit meinem Hund unterwegs bin und Hähnchenschenkel auf der Wiese finden würde“, sagt sie aber. Sie sei selbst Hundebesitzerin. Von Fällen, in denen Tiere mit Absicht vergiftet werden, höre man ja leider sehr oft. „Bei mir war aber zum Glück niemand deswegen“, so die Ärztin. Gefahren kann das Hähnchenfleisch für Hunde aber trotzdem bergen.

„Wenn Hunde merken, da ist etwas, und die Besitzer sie rufen, dann verschlingen sie die Sachen oft sehr schnell“, sagt Heidi Kloss. „Das kann zu allen Arten von Magen-Darm-Problemen führen, von Durchfall bis hin zum Darmverschluss.“ Gekochte Geflügelknochen sollten Hunde prinzipiell nicht essen, und besonders im Sommer könnte bakterienbelastetes Fleisch für Probleme bei den Tieren sorgen, wenn es eine Weile in der Hitze liegt und vergammelt ist.

Unangenehme Folgen für Menschen

Unabhängig von den Problemen, die das Fleisch für Haustiere verursachen kann, bringt es auch für Menschen unangenehme Folgen mit sich. „Die Fütterungen führen dazu, dass die Tiere ihre Scheu vor Menschen und Siedlungsgebieten verlieren“, schreibt der BUND auf seiner Website zur Fütterung von Wildtieren. „Die halbzahmen Tiere werden dann oft zum Problemfall, wenn sie Menschen auf der Suche nach Nahrung in Dörfern und Städten zu nahe kommen.“

Das kann Martin Stengel bestätigen: Durch das Hähnchenfleisch seien in seinem Wohngebiet vermehrt Füchse, Krähen, Elstern und andere Wildtiere angelockt worden. Davon abgesehen, schreibt der BUND, ist das wohlgemeinte Futter oft nicht artgerecht für die Wildtiere und wird von ihnen mitunter nicht vertragen.

Gibt es in Urbach und Umgebung ähnliche Fälle?

Vor einer Weile habe es mal Probleme mit einem Landwirt gegeben, erinnert sich Tierärztin Heidi Kloss. Er hatte wohl an einer Straße Richtung Haubersbronn, die von Hundebesitzern frequentiert wird, eine Zeit lang seine Abfälle entsorgt. Achim Grockenberger berichtet außerdem vom Bärenbachtal, wo Personen alte Wecken, Gebäck und Brot auf den Wiesen verstreuen, wohl um Vögel zu füttern. „Sie meinen wahrscheinlich, die armen Tiere sterben sonst“, sagt er. Es habe dort schon früher einen Herrn gegeben, der auf diese Weise Wildtiere fütterte. Die Personen seien wohl in seine Fußstapfen getreten. Unter Umständen kann so ein Verhalten teuer werden: In Baden-Württemberg kann das unerlaubte Füttern von Wildtieren mit bis zu 5000 Euro geahndet werden.


Wem ähnliche Fälle oder nähere Infos zu den Hähnchenschlegeln bekannt sind, der kann sich gerne unter schorndorf@zvw.de bei uns melden. Das Urbacher Ordnungsamt ist unter der 0 71 81/80 07 36 zu erreichen.

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