Urbach Heftige Kritik an der Gartenschau

In Urbach trafen sich kürzlich einige erklärte Gegner des geplanten Urbacher Beitrags zur Remstal-Gartenschau. Foto: Habermann/ZVW

Urbach. Die BUND-Ortsgruppe Schorndorf-Weiler ist gegen den Urbacher Beitrag zur Remstal-Gartenschau 2019. Ein Treffen liegt an. Damit ging es los. Der Vorsitzende Eberhard Schlotz lud auch Kritiker zu einem Gespräch mit der Zeitung ein. Hier formiert sich kein Widerstand. Das ist der Widerstand. Die Verwaltung wird kritisiert. Bürger würden vergrault, keine Kostentransparenz. Das geplante Waldhaus? Unfug. Und was sollen die Gäste oben im Wald? Sie fordern einen Bürgerentscheid.

Gegen was sind die 13 Gartenschaugegner genau? Gegen alles. Gegen das geplante Waldhaus, den Wald-Erlebnis-Pfad, Grill- und Spielplätze im Wald sowie die Mountainbike-Strecke und den Turm. Die Gründe sind vielfältig. Vor allem liege es an der Verwaltung, die für die Planung des Urbacher Beitrags kritisiert wird, vor allem Bürgermeister Jörg Hetzinger. Manfred Wrobel-Adelhelm verteilt Aufkleber „Ja zu Urbach, Nein zur Gartenschau – Urbacher Bürger wehrt euch!“ Die Urbacher, und Gartenschaugegner Jochen Hahn aus Schorndorf, bringen ihre Kritikpunkte vor.

Gegner: Das Waldhaus ist zu weit weg, unnötig und zu teuer

Da wären zum einen die befürchteten Kosten, die Gemeinde rücke nicht mit exakten Zahlen heraus. Vor allem das Waldhaus erhitzt die Gemüter. Es sei unnötig, Waldpädagogik könne man überall unterrichten. Es sei zu weit weg. Die Anfahrt sei kompliziert, es gebe keine Bushaltestelle. Ferner fehle ein Verkehrs- und Parkkonzept – auch beim Freibad. Auch die Infrastruktur müsse dort erst neu gebaut werden. Eine eigene Kläranlage korreliere mit dem Naturschutz. Rudolf Wrobel, er wohnt beim Freibad, befürchtet Verkehrschaos. Und das Waldhaus sei viel zu teuer! Hier gehe es um Steuergelder, einen mittleren sechsstelligen Betrag. Es werde schwierig, Sponsoren zu finden. Auch würden Bäume gefällt, wird kritisiert. Der Standort da oben sei einfach falsch. Die Folgen wären Vandalismus, Müll und eine geringe Nutzung wegen der Abgeschiedenheit. Auch würden sich die Stücklesbesitzer ärgern, wenn der Wald insgesamt geöffnet wird. Man brauche kein Haus für Touren im Wald, sagt Rolf Grass. Ein kleines Haus an der Rems sei möglich.

„Warum wird der Wald möbliert?“

Nächster Kritikpunkt: Urbach habe einen tollen Wald. Das Gebiet sei wertvoll, sagt Manfred Wrobel-Adelhelm. Und nun wolle man es durch verschiedene Maßnahmen schädigen. „Warum wird der Wald möbliert?“ – zerstört! Außerdem bestehe dadurch erhöhte Waldbrand-Gefahr und insgesamt Unwettergefahr.

„Viele Urbacher hätten sich gerne eingebracht“

Die Bürgerbeteiligung sei schiefgelaufen. Schon beim Auftakt Anfang 2016 hätte man Kritiker abgewürgt. Zwei Elektro-Busse könnten in 30 Minuten gerade mal 16 Personen zum Bergrutsch bringen. „Viele Urbacher hätten sich gerne eingebracht“, doch die Gemeinde habe die Planungen vorgegeben, wolle jetzt nur noch Urbacher, die Gäste fahren und bewirten. Kreative Ideen seien so nicht entstanden. Man hätte die Bürger viel eher um Ideen bitten müssen. Zwischen Auftaktveranstaltung und Gründung der Arbeitskreise sei zu viel Zeit vergangen. Die ganze Gartenschau, das Waldhaus, sei ein Prestigeobjekt. „Hetzingers Denkmal“, sagt Rudolf Wrobel. Vor Ort müsse investiert werden, beispielsweise ins Kanalnetz. Urbach habe Schulden. Auch von dem Turm auf dem Gänsberg halten die Gegner nichts. Der verbaue ja die Aussicht – und werde bestimmt viel teurer.

Vorwurf: Ein betriebsblinder Gemeinderat, der dem Schultes folgt

Wrobel-Adelhelm kritisiert die 18 Gemeinderäte. Die folgten dem Schultes. „Betriebsblind“ seien die. Der Grüne ärgert sich auch über die Grünen im Gemeinderat. Und so kommt der nächste Hammer. Die Kritiker fordern einen Bürgerentscheid. Die Urbacher, nicht Verwaltung und Gemeinderat, sollten über die Gartenschau abstimmen – und sie so beenden. Hetzinger könnte sich auf dieses Nein berufen und somit den Ausstieg vor seinen Kollegen rechtfertigen. Und dann? Dann wäre Urbach nicht mehr Teil der Remstal-Gartenschau. Basta. Man könne als Geheimtipp auftauchen, „etwas machen, was nichts kostet!“

„Die Schau gehört an die Rems, nicht in den Wald“

Günther Kurz greift den Vorwurf auf, hinter dem die meisten Urbacher stünden, wie die Kritiker sagen: Der Wald sei zu weit weg. Die Schau gehöre an die Rems, nicht in den Wald. Günther Kurz skizziert: Rund um den Grillplatz an der Rems hätte man das Gebiet für bis zu 100 000 Euro aufwerten können, die Rems erlebbar machen. Dort gebe es einen alten Lehrpfad, den man sanieren könnte. Manfred Wrobel-Adelhelm ergänzt, von dort aus könne man die Urbacher Mitte II integrieren, die Leute Richtung Bergrutsch führen, „der Weg als Ziel“. Bahnhof, Fußgänger, Radfahrer, Infrastruktur: Dort sei alles vorhanden. Doch die Radwege führten nun an der Gartenschau vorbei! Wenn, dann könnte das Waldhaus beim Waldsportplatz stehen. Die Gartenschau sei doch nur ein Geschäftsmodell für die Planer. Die entwerfen Leitvögel und kriegten Geld dafür! Diese Ideen hätten Urbacher entwickeln können! Wrobel-Adelhelm regt Baumkunst-Projekte an.

Lorch macht es besser

Welche Gemeinde macht es besser als Urbach? Lorch. Die würden was für ihre Gemeinde tun, unter anderem den Schillerplatz verbessern. Was halten sie insgesamt vom Urbacher Perlenthema „Wald und Natur?“ Wrobel-Adelhelm sagt, man hätte zeigen können, wie man den Erholungsraum Rems mit den Industriebetrieben im Remstal verbinden könnte. Nun sei es so, dass die Bürger nur noch „Ja“ sagen dürften, beschwert sich Rolf Grass. Und der Bauhof kriege noch mehr Aufgaben.

Eine verfahrene Sache

Gibt es denn noch eine Möglichkeit, die Situation zu verbessern? Wrobel-Adelhelm schlägt vor, jemand müsse vermitteln. „Bisher gibt es nur Verlierer“, sagt er. Insgesamt sei dies eine verfahrene Sache. Ziel sei aber der Bürgerentscheid: Nein zur Gartenschau! Der Gemeinderat hätte früh erkennen müssen, es bestehe wegen der Gartenschau Gesprächsbedarf. Eberhard Schlotz und alle anderen sind davon überzeugt: „Wir sind die schweigende Mehrheit!“ Und zur nächsten Bürgermeisterwahl 2018, sollte Hetzinger wieder antreten, wollen sie einen Gegenkandidaten in Stellung bringen.


Vergrämungsaktion

Man habe sich verrannt, heißt es, man wollte unbedingt zum Bergrutsch rauf. Das sei nicht naturverträglich, sagt Schlotz. Er sagt, es gebe keine bürgerfreundliche Kommunikation von Seiten der Verwaltung. Besichtigungstermine hätten die Stimmung nicht geändert. „Vergrämungsaktionen waren das“, so Wrobel-Adelhelm. Er habe versucht, der Verwaltung eine Kooperation mit der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt anzubieten. Das habe man nicht verfolgt. Die Gartenschau sei scheinbar ein Freibrief für alle möglichen Eingriffe in die Natur, ärgern sie sich.

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