Urbach Hühnern geht’s gut auf der Lunaranch

Urbach. Die Hühner von der Plüderhäuser Hohbergschule haben den Winter im Bauwagen der Lunaranch gut überstanden. Seit es wärmer ist, dürfen sie draußen in einem eingezäunten Gehege rumlaufen – zusammen mit zwei Göttinger Minischweinen. Ende Juni wollen Neuntklässler den Hühnern einen richtigen Stall bauen – als Ersatz für den Bauwagen.

Bigfoot, Tapsi, Sweety, Luffi und die beiden Brownies sind mittlerweile ganz schön groß geworden. Das hindert einige Drittklässler der Plüderhäuser Hohbergschule aber nicht daran, die Tiere auf den Arm zu nehmen. Auch Lehrerin Sarah Winter testet ihre Kräfte und schnappt sich Bigfoot, das Schwerste der sechs Tiere. „Kennst du mich noch, du Riese?“

Sarah Winter mag Tiere sehr. Im vergangenen Jahr hat sie ihren Schülern etwas ermöglicht, was im Unterricht sonst nur theoretisch vermittelt wird: Sie hat 60 Eier und einen Brutapparat fürs Klassenzimmer besorgt, damit die Kinder dabei sind, wenn die Hühner das Licht der Welt erblicken. Die Schüler haben sich um die Tiere gekümmert, sie gefüttert, mit Wasser versorgt und regelmäßig die Streu gewechselt (wir berichteten). Von Anfang an ist klar gewesen: Auf die Dauer können die Tiere nicht in der Hohbergschule leben, schließlich werden aus kleinen Küken irgendwann ausgewachsene Hühner.

Schüler interessieren sich nach wie vor für ihre Hühner


So ist die Urbacher Lunaranch, die von einem Verein auf dem Aussiedlerhof in den Langenäckern betrieben wird, Ende Dezember das neue Zuhause der Tiere geworden. Fast fünf Monate später hat unsere Zeitung erneut bei den Hühnern vorbeigeschaut: Sie sind alle noch putzmunter. Und das Interesse der Kinder an den einstigen Schulhühnern ist nach wie vor da. Der Bauwagen, in dem die Hühner den Winter überstanden haben, ist immer noch ihr Zuhause. Allerdings dürfen die Tiere seit Ende März auch an die frische Luft. Das eingezäunte Gehege teilen sie sich mit Rosalie und Federico (Spitzname Freddy) – zwei Göttinger Minischweinen. „Die waren der Anfang von unserem Zoo“, sagt Bärbel Baumgärtner, die sich mit anderen Erwachsenen ehrenamtlich auf der Kinder- und Jugendfarm engagiert. Na ja, die Pferde sind schon lange davor da gewesen, aber erst mit den Schweinen hat die Lunaranch begonnen, das zu werden, was sie heute ist: ein Ort, an dem Kinder Kontakt zu vielen Tieren bekommen.

Weil die sechs Hühner mittlerweile richtig groß geworden sind, weiß Bärbel Baumgärtner auch, dass sie mehr Hähne hat als gedacht: Neben Bigfoot, bei dem sie es schon immer vermutet hat, sind auch Tapsi und die beiden Brownies männlich. Zu sehen ist das an Kamm und Kehllappen. Gut, der Hühner-Experte kann es schon bei der Geburt erkennen, aber so eine kleine Überraschung hat ja auch was für sich. Und wer jetzt immer noch keinen Blick dafür hat, der sollte seine Ohren spitzen: „Die Hähne krähen schon.“ Bärbel Baumgärtner hofft nur, dass die vier Herren auf der Lunaranch keinen Konkurrenzkampf um die beiden Frauen beginnen.

Langweilig wird’s auf der Lunaranch ohnehin nicht so schnell. Die Hohbergschüler haben bereits die ersten gelegten Eier entdeckt. Ganz versteckt in der hintersten Ecke des Bauwagens. „Da könnt ihr euch Frühstückseier davon kochen“, sagt Bärbel Baumgärtner. Das wiederum wollen die Kinder auf keinen Fall: „Nein, nein, die sollen wieder ausgebrütet werden.“ Dafür ist es freilich noch ein bisschen zu früh. „Aber irgendwann wäre es ganz schön, von den Hühnern wieder Nachwuchs zu bekommen“, findet Bärbel Baumgärtner. Eine Veränderung steht allen sechs Tieren noch bevor: Sie bekommen einen neuen Unterschlupf. Der Bauwagen, in dem sie jetzt noch hausen, soll wieder Aufbewahrungsort für Werkzeug werden. Die Hühner erhalten stattdessen einen richtigen Stall – gebaut von drei Neuntklässlern der Hohbergschule. Im Rahmen ihrer Projektprüfung beschäftigen sie sich in Theorie und Praxis mit dem Entwurf eines Hühnerstalls. Ende Juni, Anfang Juli werden die Schüler mit dem Bauen beginnen. Das Holz stellt die Lunaranch.

Lehrerin Sarah Winter wird der Plüderhäuser Hohbergschule übrigens erhalten bleiben. Sie hat vor kurzem ihren festen Vertrag bekommen. Heißt das nun, das Hohbergschüler bald wieder Küken aufziehen dürfen? Sarah Winter lächelt. „Prinzipiell war’s eine schöne Aktion.“ Gleich wieder ein neues Hühner-Projekt starten will sie nicht – aber irgendwann hätte sie schon mal wieder Lust drauf. Wir von der Zeitung können indes eines versprechen: Das hier ist nicht die letzte Geschichte von Bigfoot, Tapsi, Sweety, Luffi und den Brownies.

Lunaranch braucht dringend neue Helfer

An Nachfrage mangelt es der Kinder- und Jugendfarm Lunaranch nicht. Genau da liegt das Problem: Der Verein muss immer wieder Eltern vertrösten – weil es einfach zu wenig ehrenamtliche Helfer gibt.

Bärbel Baumgärtner von der Lunaranch sucht sowohl Leute, die sich um die Tiere kümmern, als auch Menschen, die sie für die Kinderbetreuung einsetzen kann. Zudem braucht sie Opas und Väter, die mit den Kindern handwerklich tätig werden.

Wer Lust hat, sich zu engagieren, ruft einfach bei Bärbel Baumgärtner unter ) 0174/39 23 150 an. Die Lunaranch befindet sich an der Straße zwischen Urbach und Haubersbronn, ganz in der Nähe des Ortseingangs von Urbach (Langenäcker 1).

Und noch eine gute Nachricht: Die Lunaranch hat einen Spender gefunden, der für ein Jahr das Futter für die Hühner bezahlt. Es ist Oliver Cillessen von der Schorndorfer Firma Krüger-Orthopädie, dessen Kinder auch ab und zu die Lunaranch besuchen.
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