Urbach Investor fühlt sich von Gemeinde verprellt

Rathaus in Urbach. Foto: Habermann / ZVW

Urbach. Zwei Herren im dunklen Anzug und mit Aktentaschen verlassen den Sitzungssaal des Rathauses. Ein dunkelhaariger Mann schüttelt den Kopf und verlässt leicht ironisch und fassungslos lächelnd mit seinem Kollegen den Saal. Das waren der potenzielle Investor und sein Architekt, die in der Wasenmühle 6 eine Kultur- und Begegnungshalle bauen wollen. Ihre Bauvoranfrage fand keine Mehrheit im Technischen Ausschuss. Warum?

Reza Sharei, ein Investor aus dem Rems-Murr-Kreis, wiederholt gleich mehrfach am Telefon, dass er „sehr, sehr enttäuscht sei“, dass sein Projekt in und für Urbach im Technischen Ausschuss keine Mehrheit gefunden hat. „Unser Konzept war hervorragend!“ Man habe bereits im Vorfeld viel Geld für die Planung investiert – auch, weil sich die Gemeinde offen gegenüber ihren Plänen gezeigt habe, wie Architekt Hamid Sahihi von SL-Objektplanung am Telefon versichert. Die Verwaltung habe deutlichgemacht, dass eine Bebauungsplanänderung notwendig werden würde und wie das dann ablaufe. Daher habe man eine fast fertige Studie für eine Halle mit 300 bis 400 Plätzen und einem Begegnungszentrum vorgelegt. „Und nun heißt es April, April!“, zeigt er sich ebenfalls enttäuscht.

Reza Sharei hätte knapp zwei Millionen Euro investiert

Der Plan: Der Investor ersteigert bei der bald stattfinden Versteigerung das Grundstücks Wasenmühle 6, baut dort eine kommerziell betriebene Kultur- und Begegnungshalle mit Trennwänden, Küchen und Übernachtungsmöglichkeiten. Größe: 42 mal 18,5 Meter. Mit der Bauvoranfrage wollte der Investor vorfühlen, ob sein Bauvorhaben planungsrechtlich möglich ist. Man habe gedacht, die Überschreitung der Baugrenze wäre das Problem, sagt Architekt Sahihi. Die nächsten Zentren dieser Art gebe es erst wieder in Remseck und Esslingen, wirbt Reza Sharei. Knapp zwei Millionen Euro hätte er investiert. Andere Gemeinden, berufen sich die beiden auf ihre Erfahrungen, würden Starthilfe bieten. Urbach tat es aus ihrer Sicht nicht.

Ihr Standort sei perfekt, sagt Reza Sharei, liege direkt an der B 29. Genügend Stellplätze seien in der Umgebung vorhanden, auch eine Bushaltestelle. 42 geplante Stellplätze vor Ort reichten aus. Das war ein Problem, das Verwaltung und Ausschuss sahen. Doch das andere Problem ist größer.

Gemeinde will Industrie vor Ort

Gedacht ist eine Halle für internationale Zusammenkünfte, für kulturelle und soziale Zwecke, für Hochzeiten, zur temporären Beschäftigung von Flüchtlingen, für Sport und Basare, Märkte, Podiumsdiskussion und Tagungen für gewerbliche Betriebe aus der Umgebung; also so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann – und vielleicht etwas sehr dick aufgetragen.

Doch wie brachte es Gemeinderat und Bautechniker Jörg Heckenlaible (FW) später aus Sicht der Mehrheit des Technischen Ausschusses und der Verwaltung auf den Punkt: „Der Entwurf ist richtig gut“, liege aber vielleicht an der falschen Stelle.

Bürgermeister Hetzinger hatte zuvor erklärt: Für das geplante Gebiet bestehe ein sehr alter Bebauungsplan. Änderungen wären notwendig. Doch die geplante Nutzung des Baugrundstücks als Kultur- und Begegnungshalle in einer von Industrie geprägten Umgebung sehe er kritisch. Aus seiner Sicht sollten dort eher Industriebetriebe angesiedelt werden, bestenfalls mit Drei-Schicht-System. Man müsse Grundstücke für Gewerbetreibende vorhalten. Eine Bebauungsplanänderung komme nicht im Sinne des Investors, sondern im Sinne einer Vorgabe zur Stärkung des dortigen Industriezweigs in Urbach infrage, so Hetzinger.

Ein Schock für den Investor

Investor Reza Sharei betont, er würde Arbeitsplätze schaffen. Im Vorfeld habe er „gute Gespräche“ mit Verwaltung und Landratsamt geführt. Nun „der Schock!“ Er kritisiert, dass er im Technischen Ausschuss nicht zu Wort kam. Das lässt die Gemeindeordnung aber nicht zu. Stuttgart! Waiblingen! Die hätten sein Projekt bestimmt begrüßt. Die Chancen, dass die Gemeinde positiv auf ihre Anfrage reagiert, habe er auf 95 Prozent eingeschätzt.

Architekt Hamid Sahihi weist darauf hin, das Grundstück sei aus seiner Sicht viel zu klein für einen Betrieb, wie ihn sich die Verwaltung vorstelle. Ein großer Betrieb bräuchte mehr Flächen für Lagerung und Logistik. Will sagen: Das, was die Verwaltung sich vorstellt, wird nicht eintreten. Nehmt doch lieber unsere Halle!

Bäuchle: Es gibt Bedarf für Halle

Die Meinungen darüber waren im Technischen Ausschuss unterschiedlich. Auf der einen Seite der Bürgermeister, die Freien Wähler, Jörg Heinrich von der CDU sowie Joachim Habik von der SPD. Auf der anderen Seite eine bunte Koalition aus SPD (Anke Schön), Burkhard Nagel (Grüne) und Patricia Bäuchle (CDU). Sie stimmten dem Vorschlag der Gemeinde, sich gegen die Halle auszusprechen nicht zu.

Patricia Bäuchle tat sich schwer damit, der Einschätzung der Verwaltung zu folgen. Dort lediglich ein Industriegebiet zu erlauben, diese Absicht sieht sie kritisch. Außerdem kam die Architektin in ihr durch: Der vorgelegte Entwurf sei schön. Die Halle füge sich neben ein bestehendes Gebäude ein. Und: „Der Bedarf für derlei Räumlichkeiten ist immens hoch“, gab sie zu bedenken. Wo könnte man sonst noch im Ort ein derartiges Projekt verwirklichen, das eine Bereicherung für Urbach wäre? Hetzinger hielt fest, eine solche Halle wäre in Urbach möglich, er aber hierbei die „langfristige Entwicklung Urbachs“ im Blick habe und im Bereich Wasenmühle auf Industrie setze. Er räumte ein, das Projekt sei gut geplant.

Gemeinde betont: Konzept ist gut

Rat Jörg Heckenlaible hielt die Option, Grundstücke für Industrien vorzuhalten, für richtig. Anke Schön sah kein Problem mit einer Halle, sondern mit der geringen Anzahl an Stellplätzen. Ein Grundstück für Industriebetriebe vorzuhalten, wäre okay. Doch wer kaufe das Grundstück? Burkhard Nagel hielt fest, dass die Gemeinde das Grundstück ja kaufen müsste, um Einfluss nehmen zu können. Die Idee einer Halle findet er gut. „Gibt es von der Gemeinde ein anderes Flächenangebot?“ Derzeit eher nicht, entgegnete Jörg Hetzinger.

Halten wir fest: Auch die Verwaltung lobt die Pläne für das Konzept einer Kultur- und Begegnungshalle. Sie sieht Bedarf für derlei vor Ort, sei doch vor allem die Auerbachhalle oft ausgebucht und mehr Angebot wäre wünschenswert. Aber eben nicht dort, wo sich der Investor das vorstellt.

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