Urbach Judoverein: Ohne Trainer keine Zukunft

Christian Bartsch hat Stefan Holz voll im Griff. Foto: Alexandra Palmizi / ZVW

Urbach. Vor rund fünf Jahren hat Stefan Schlotz ihn angesprochen, erinnert sich Judoka Stefan Holz, ob er sich vorstellen könnte, als Co-Trainer mitzuwirken. Das konnte der heute 21-Jährige. Der Judoverein Urbach setzt auf junge engagierte Leute, will sie für eine Tätigkeit im Verein gewinnen. Und das müssen kleine Sportvereine, sagt der stellvertretende Vorsitzende Schlotz, um ein Gerüst für die Zukunft zu haben. Er ist stolz auf die junge Trainerriege.

Es habe sich ausgezeichnet, auf junge Leute zuzugehen, sie früh in eine Trainertätigkeit einzubinden, ihnen Vertrauen entgegenzubringen und sie an der Seite von erfahrenen Ausbildern reifen zu lassen, berichtet Stefan Schlotz, selbst seit rund 20 Jahren als Trainer aktiv. Nicht jeder könne und wolle mitmachen. Zeitliche und private Gründe spielen dabei eine Rolle. Aber seit rund zehn Jahren, als sie mit diesem Modell gestartet sind, haben sie immer wieder junge Leute begeistern können, damit der Verein lebt und eine Zukunft hat. Der Nachwuchs sieht das auch als Zeichen der Wertschätzung. Dass sie mitunter ein Treffen bei Freunden verpassen oder erst verspätet kommen können, sei eher die Ausnahme und zu verschmerzen. Schließlich liegen auch ihnen die Gemeinschaft und der Verein am Herzen.

Was müssen sie als Trainer mitbringen? Alle vier Trainer, insgesamt gibt es acht, die knapp 60 Kinder und Jugendliche trainieren, sind seit vielen Jahren im Verein aktiv, beherrschen die Technik, „doch du musst sie auch vermitteln können“, sagt Nico Frank, 17 Jahre alt. Fangen die jungen Leute als Co-Trainer an, trainieren sie an der Seite von älteren Kollegen. Nach und nach werden ihre Aufgaben umfangreicher, auch was die Organisation von Übungseinheiten et cetera betrifft, erläutert Stefan Schlotz. Erste Ausbildungsstufe ist der Sportassistent. Auch von der sogenannten „Schüler-Mentoren-Ausbildung“ profitierten die Trainernovizen. Nico hat mit 17 Jahren bereits die Trainer-C-Lizenz absolviert – 120 Übungseinheiten, betont Stefan Schlotz, „ein Heidenaufwand!“ Das mache man nicht so nebenbei. Allerdings übernehme der Verein die Kosten, der wiederum Fördergelder erhält, unter anderem von der Gemeinde Urbach. Auch Stefan Holz strebt die C-Lizenz an. Als sein Haupttrainer damals nicht mehr konnte, stieg er mit ein und ist nun selbst verantwortlich für den Nachwuchs. Viele Sachen könnte man sich bei den Trainern abschauen, was Gestaltung, Aufbau und Ablauf des Trainings betrifft.

Was zeichnet gute Trainer aus? Es gibt strenge Trainer, sagt Nico, bei denen man die Technik lernt, aber das Training nicht so angenehm sein kann. Man müsse beiden Punkten gerecht werden. Stefan Schlotz schränkt ein, man müsse differenzieren, welche Altersklasse man trainiert und welche Charaktere auf der Matte stehen. Eine klare Linie sei wichtig, Ausbilder sollten locker sein, aber auch streng, wenn die Disziplin leidet, ergänzt Nico. Jeder Trainer müsse seinen eigenen Weg finden, wie er Konzentration einfordern kann. „Das ist eine Aufgabe, in die man hineinwächst. Jeder Trainer hat seine eigene Art und soll seine Persönlichkeit nicht ablegen. Die Charakterbildung geht weiter“, hält Stefan Schlotz, 37, fest. Er ist froh und stolz, den Trainernachwuchs unter ihren Schülern zu finden, das sei „ein Weg, der sich ausgezeichnet hat“. Er weiß, Leute für den Verein zu aktivieren ist Problem und Herausforderung für viele Vereine.

„Wenn einer nur schreit, müssten wir die Reißleine ziehen“

Ihre Nachwuchstrainer, so Schlotz, müssen Qualitäten einbringen, auf und neben der Matte. Dafür hätten sie mittlerweile ein Auge, auf die technische und persönliche Kompetenz. „Wenn einer nur schreit, müssten wir die Reißleine ziehen“. Die Aufwandsentschädigung, die Höhe richtet sich nach der Qualifikation, sei ebenfalls Motivation für die jungen Leute – aber auch völlig angemessen, urteilt Schlotz. Die zahlten sie seit rund zehn Jahren. Doch zu sehen, wie sich Schüler entwickeln, bei Wettkämpfen und Prüfungen erfolgreich sind, ist ebenfalls eine Antriebskraft, so Nico.

Natürlich hörten einige Trainer nach wenigen Jahren auf, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, Ausbildung und Studium und dergleichen. Dann müssten sie wieder von vorne anfangen, was mitunter auch kurzfristig frustrierend sein könne, berichtet Schlotz. Jugendwart Christian Bartsch, 24 Jahre, stemmt derzeit beides. Er ist Trainer und studiert in der Region. Dass sich derlei Engagement auch gut im Lebenslauf macht, sei ein guter Nebeneffekt, antworten die jungen Leute.

Nicht nur Sport, sondern Respekt gegenüber allen

Nico Frank betont ebenfalls, dass auch die Trainer profitieren, was beispielsweise ihr Auftreten und ihre Kommunikationsverhalten betrifft. Jennifer ist seit 2015 als Trainerin dabei, anfangs lediglich in der zweiten Reihe. Auch sie will irgendwann die C-Lizenz. Die 18-Jährige spornt es an, junge Athleten nicht bloß sportlich auszubilden, sondern ihnen auch Respekt beizubringen, dass es keine Grüppchenbildung gibt, jeder mit jedem trainiere, jeden Partner akzeptiere. Christian Bartsch profitiere selbst von seiner Trainertätigkeit. Die eigene Technik und das eigene Wissen festigten sich, denn er müsse es ja exakt vermitteln.

Stefan Schlotz stellt zufrieden fest, der Verein entwickle sich positiv. Mit diesem Fundament an Nachwuchskräften könne der Verein sein Niveau halten, sich entwickeln. „Die Jungen machen etwas für die Jungen“, nicht bloß im Training. Sie begleiten sie auf Wettkämpfen, beraten sie, motivieren und stärken sie.

Ein Verein ruhe auf Verbundenheit, auf einer Gemeinschaft. Wer als Trainer arbeitet, gebe dem Verein etwas zurück, das sei jedoch eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Und man lerne ja nicht nur judo-spezifische Fertigkeiten. Die Trainerausbildungen seien sehr wertvoll. Und Judo sei ein Sport, bei dem sich Sportler immer weiterentwickelten. Als Judoka und Trainer lerne man den Teamspirit, obwohl du im Wettkampf alleine kämpfst, aber als Mannschaft und Verein antrittst, stellen die Sportler abschließend fest. Danach steht wieder ein Training an. Stefan Schlotz gibt den Takt vor. Und die vier Nachwuchstrainer wechseln wieder in die Schülerrolle. Sie lernen nicht aus.

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