Urbach Kick off 2017, das Benefizkonzert mit drei Bands

Urbach. David Hanselmann, einen der großen Rocksänger der Region, hat es vor drei Jahren schwer erwischt: Krebs, Diabetes, Herzprobleme, alles auf einmal. „Ich weiß, wie es ist, wenn du Hilfe brauchst“, sagte er beim Benefizkonzert mit seiner Band „Risk“ in der Auerbachhalle. „Also stiftet ein paar Taler für den Veranstalter!“, den Verein „Schatzkiste“.

Eigenartig, dass es bei den „Kick off“-Konzerten zuletzt auch um Krankheit ging. 2016 hatte ein Gast kurz nach Beginn der zweiten Band einen Herzanfall, das Konzert musste unterbrochen werden. Und diesmal steht mit David Hanselmann ein Rekonvaleszent auf der Bühne. Nach schwerer Krankheit muss er sich noch schonen, nach dem Konzert schnell wieder nach Stuttgart zurück. Deshalb wurde getauscht, „Risk“ tritt als Zweites auf, vor den ursprünglich dafür vorgesehenen „Minute Made“, die nun das Finale bestreiten. Kein Problem, man hilft gerne, wenn man kann.

„Schatzkiste“-Maskottchen heißt Timi Hope

Es geht der „Schatzkiste“ und ihrem Vorsitzenden Benjamin Meitinger ohnehin in erster Linie darum, Gutes zu tun. In sozialen Einrichtungen, etwa Kindergärten, Krankenhäusern, Altenheimen. Und der Benefiz-Aspekt steht auch bei der vierten Rock-Party „Kick-off“ im Vordergrund, selbst wenn er sich spaßig kostümiert. Diesmal läuft eine Gestalt in plüschigem Hundekostüm durch die Halle, das neue „Schatzkiste“-Maskottchen, für das in Urbacher und Plüderhäuser Kindergärten und Schulen ein Name gesucht wurde. Am Ende der Veranstaltung stand er fest, ausgewählt aus 500 Vorschlägen der Kinder: Timi Hope heißt der Hund, die Symbolfigur des Vereins, die bald vor Ort auf die Stationen geht und Kranke besucht. Um Benefiz und Spaß zu verbinden, ebenso wie die „Kick off“-Konzerte, die es auch nächstes Jahr wieder geben wird.

David Hanselmann verausgabt sich und schöpft deutlich Kraft

Aber als „Risk“ aufbaut und sich in der rappelvollen Halle, die Veranstalter sprechen von 600 Gästen, die Menge nach dem turbulenten Gig der „Old Johnny’s Crew“ beruhigt - da geschieht etwas Magisches. „The magic of Classic Rock“, wie es auf dem „Risk“-Logo so treffend heißt. Sie bewirkt, dass ein Mann mit körperlichen Handicaps wieder genesen kann, zumindest für eineinhalb Konzertstunden. Weil sich David Hanselmann, der Ausnahme-Sänger, einerseits völlig verausgabt, andererseits aber auch deutlich Kraft schöpft. Und großen Spaß hat mit einer Band, die zwar „nur“ Songs des Classic Rock covert, dies aber besonders versiert.

Was nicht zuletzt an Hanselmanns unverminderter stimmlicher Intensität liegt. Einst auch körperlich eher ein Schwergewicht, ist er deutlich dünner geworden, muss sich zudem meist auf einen Hocker setzen, von dem aus er auch Congas spielt oder ein Tamburin schüttelt.

Zunächst Songs zum Aufwärmen

Aber dann wieder springt er auf, macht Faxen, dreht und wendet sich im Rhythmus. Seine Lebenskraft hat er sich ebenso erhalten wie die Professionalität, vor allem beim Phrasieren, oder seinen Geschmack in der Songauswahl. Und auch die Kraft seiner Tenorstimme. In wohldosierter Form.

Die Band scheint den Aufbau ihres Auftritts nämlich genau geplant zu haben. Zunächst Songs zum Aufwärmen wie „Heartache tonight“ (Eagles) oder „Rikki don’t loose that Number“ (Steely Dan), dann was für den Phrasierungs-Künstler, der bei „Hip to be square“ mit seinem stimmlichen Groove die Leute auf die Tanzfläche vor der Bühne lockt, dann die Sachen zum Verausgaben, zum Auspowern, etwa Foreigners „I wanna know what Love is“ (laut Hanselmann „das schönste Liebeslied überhaupt“), nach dem er kurz Luft holen muss. Und ganz zum Schluss kommen die Lieder in mittlerer Tonlage, etwa „Purple Rain“, zum Mitsingen fürs Publikum.

Perfekt getimt, perfekt getaktet, perfekt gesungen von einem Mann, für den die Rockmusik Labsal ist und Medizin. Ein Erlebnis vor allem beim Benefiz eines Vereins, der sich um die Kranken, Kleinen und Alten kümmern will.

Originell

Los ging’s beim „Kick off“ mit der „Old Johnny’s Crew“ aus Walkersbach, vier Akustiker reinsten Wassers, die bei ihrem Repertoire aus Country, Rock und (Irish) Folk weitgehend auf elektrische Verstärkung verzichten konnten, ohne dass dies den kernigen Gesängen geschadet hätte.

Originell auch „Minute Made“ zum Abschluss. Die hatten es einerseits nach David Hanselmanns fulminantem Auftritt schwer, sich andererseits aber erfolgreich Gedanken um die Programmgestaltung gemacht und in ihr Cover-Repertoire Songs der Urbacher Band „Alcatraz“ (Music made by hands) aufgenommen, von denen ehemalige Mitglieder im Publikum zuhörten.

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